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Kapitel 113 - Ein Anführer in der Festungsstadt

3. März 2025
11 Min. Lesezeit

„Wen haben wir verloren?“ fragte Liam in die Runde, seine Stimme ruhig, aber von einer unterschwelligen Schwere getragen.


Er, Ralf und Claurian hatten sich wie vereinbart in der Eingangshalle der Herzogsburg getroffen. Die großen Hallen, die einst von Prunk und Macht erfüllt waren, wirkten nun leer, fast gespenstisch. Der Tag hatte seine Spuren hinterlassen – und nicht nur in den Mauern der Stadt.


Ralf sah ihn nachdenklich an, ließ sich einen Moment Zeit, bevor er antwortete. „Wir haben nur Gnosch verloren.“ Seine Stimme war fest, aber nicht ohne Bedauern. „Er hat sich alleine über fünfzig Soldaten in den Weg gestellt, um uns die Zeit zu verschaffen, die wir brauchten.“


Liam schloss für einen Moment die Augen. Ein würdiges Opfer. Genau deshalb hatte er Gnosch und Kroll an seiner Seite haben wollen – wegen ihrer unerschütterlichen Stärke und bedingungslosen Loyalität.


„Das ist schade“, sagte Claurian schließlich, ihre azurblauen Augen glänzten für einen Moment, ein Schimmer von Trauer darin. „Aber es klingt nach einem Ende, das ihm gerecht wurde.“ Sie atmete leise aus, ehe sie weitersprach. „Die vier Halbriesen sind ebenfalls gefallen… aber ohne sie hätte ich Jasmin nicht besiegt.“


Liam nickte langsam. Ein Verlust, ja, aber keiner, den sie nicht erwartet hatten. Die Halbriesen waren genau mit diesem Ziel in den Kampf gezogen – sich, wenn nötig, für den Sieg zu opfern. Und sie hatten ihr Versprechen gehalten.


Dann sprach er selbst.


„Locart war in Wirklichkeit der Kaiserliche Kopfgeldjäger Colart.“ Seine Stimme war angespannt. „Er hatte uns von Anfang an unterwandert.“


Er machte eine kurze Pause.


„Nidhogg…“


Für einen Moment stockte er.


„Nidhogg hat ihn getötet – und dabei fast ein Viertel der Stadt niedergebrannt.“ Er seufzte leise, ein dunkler Ausdruck huschte über sein Gesicht. „Damit haben wir viele, die sich uns sonst vielleicht angeschlossen hätten, verloren.“


Wut flackerte in seinem Inneren auf. Nidhogg war ein verdammter Fanatiker – unkontrollierbar, rücksichtslos. Aber so sehr Liam ihn dafür verfluchte, musste er auch zugeben, dass sie ohne ihn jetzt alle tot wären.


Ralf runzelte die Stirn. „Wo ist Nidhogg jetzt?“ Seine Stimme klang besorgt – und Liam konnte ihm das nicht verübeln.


Liam sah ihn an, erkannte dasselbe Zögern in seinen Augen, das er selbst spürte.


„Er ist aufgebrochen, um den Engelstempel niederzubrennen.“ Seine Stimme blieb ruhig, aber es lag eine angespannte Schwere darin. „Ich habe mir versichern lassen, dass er sich nur auf den Tempel konzentriert. Nichts weiter.“


Claurian verschränkte die Arme. „Ich kann ihn ausschalten, wenn du es willst.“


Liam schwieg für einen Moment, dachte darüber nach. Er wusste nicht, wer gewinnen würde. Nidhogg hatte immerhin einen Kopfgeldjäger zur Strecke gebracht. Aber Jasmin war von ähnlichem Kaliber gewesen…


Bevor er eine Antwort geben konnte, flog plötzlich die Tür auf.


Jakira trat ein. Ihre Bewegungen waren wie immer leise, gewandt – aber in ihrem Blick lag ein Hauch von Dringlichkeit.


„Draußen hat sich eine große Menschenmenge versammelt“, berichtete sie. „Sie wollen wissen, was wir vorhaben. Ich bin mir nicht sicher, aber es wirkt, als hätten sie noch nicht entschieden, wie sie zu uns stehen.“


Liam nickte. Es war zu erwarten gewesen. Die Stadt war gefallen, doch der Wille der Bürger noch nicht.


„Ich werde zu ihnen sprechen.“


Er wandte sich Jakira zu. „Jakira?“


,,Ja?’’


„Ich will mich danach mit dir unterhalten.“ Er ließ sich einen Moment Zeit, bevor er weitersprach. „Such uns ein schönes Zimmer in der Burg aus.“


Jakiras Augen funkelten. Ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, und sie nickte sofort.


,,Das mache ich gerne!’’


Als Liam an ihr vorbeiging, hob er eine Hand und tätschelte ihr im Vorbeigehen leicht den Kopf.


,,Das hast du heute gut gemacht.’’



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Liam stand auf der Rednerplattform des Winterplatzes, dem weitläufigen Platz vor der Herzogsburg, und ließ seinen Blick über die versammelte Menschenmenge gleiten. Mehr als fünftausend Personen hatten sich hier eingefunden – Männer, Frauen, Kinder. Die Bürger Randurins. Handwerker mit schwieligen Händen, Händler in abgetragenen Mänteln, Mütter mit müden Augen, die ihre Kinder an sich drückten. 


Doch er erkannte auch andere: Oger, Lupiden, Zwerge. Wesen, die normalerweise nicht gemeinsam auf einem Platz standen, die durch das Kaiserreich voneinander getrennt worden waren – und nun, durch diesen einen Tag, durch diesen Kampf, hier zusammengekommen waren.


Das leise Murmeln der Menge klang gedämpft, als würde die Kälte des Abends es verschlucken. Schnee fiel in sanften Flocken aus dem dunklen Himmel, legte sich auf die rußbedeckten Straßen und die rauchenden Ruinen einst prächtiger Gebäude. Die Brände, die noch vor wenigen Stunden gewütet hatten, waren größtenteils gelöscht, doch an manchen Stellen stieg noch schwarzer Qualm auf – ein letztes Echo der Schlacht.


Als Liam auf die Plattform trat, verstummte die Menge fast augenblicklich.


Alle Blicke ruhten auf ihm. Einige voller Misstrauen. Einige voller Angst. Andere voller kalter Wut.


Doch was ihn am meisten beschäftigte, war die Unsicherheit, die in so vielen Augen lag. Sie wussten nicht, ob er ihr Befreier oder ihr neuer Tyrann war. Ob er genauso wie der Herzog ihnen eine Religion aufzwingen und sie mit der Macht von Jasmin und der Boz unterdrücken würde.


Er ließ sich einen Moment Zeit.


Seine Haltung war aufrecht, sein Blick fest, aber nicht fordernd. Er wusste, dass Worte allein keine Herzen eroberten, doch sie konnten ein Fundament legen, auf dem sich etwas aufbauen ließ.


Dann erhob er die Stimme.


„Bürger Randurins!“


Seine Worte hallten über den Platz, klar und kräftig, getragen von der eisigen Luft.


„Ich weiß, dass ihr Fragen habt. Dass ihr Antworten wollt. Wer sind wir? Was ist heute passiert? Ist Randurin noch sicher? Was wird nun geschehen?“


Er ließ seinen Blick durch die Menge wandern, sah, wie einige zustimmend nickten. Ja, diese Fragen brannten ihnen auf der Seele.


„Ich werde euch diese Fragen beantworten.“


Er machte eine kurze Pause, ließ die Stille wirken, bevor er weitersprach.


„Mein Name ist Liam, und ich bin der Anführer dieser Gruppe. Wir sind der Schwarze Stern.“


Ein leises, nervöses Raunen ging durch die Menge.


Jeder hier kannte diesen Namen. Die einen sahen sie als Freiheitskämpfer, die anderen als Terroristen. Manche schienen erschrocken, andere misstrauisch, und wieder andere wirkten fasziniert.


Doch sie alle hörten ihm zu.


„Heute Morgen sind wir in drei Gruppen in die Stadt eingedrungen. Wir hatten drei Ziele – und wir haben sie alle erreicht.“


Er machte eine kurze Pause, musterte die Reaktionen, bevor er weitersprach. 


„Erstens: Wir haben die Boz unter unsere Kontrolle gebracht. Ich denke, viele von euch haben es bereits geahnt, als sie die Eisstatuen der Soldaten sahen.“


Ein kollektives Einatmen ging durch die Menge.


Einige rissen erschrocken die Augen auf, eine ältere Frau sank mit einem leisen Wimmern auf die Knie, während einige Männer unruhig schauten, als überlege jeder für sich, ob er nicht sofort fliehen sollte. Die Boz – eine Waffe von unermesslicher Macht.


„Aber ihr braucht keine Angst zu haben.“ Liam hob beruhigend die Hand. „Wir haben nicht vor, sie gegen euch einzusetzen. Unser Ziel ist es nicht, Randurin zu unterwerfen – sondern es zu schützen.“


Einige in der Menge entspannten sich leicht, doch viele wirkten noch unsicher.


„Unser zweites Ziel war Jasmin – das Schwert Kameras.“


Er deutete mit einem kurzen Nicken auf das Schwert, das als Trophäe über dem Eingang der Burg prangte.


„Jasmin ist tot.“


Die Worte waren einfach. Direkt. Und sie trafen ihr Ziel.


Einige Krieger, die zuvor mit wütender Entschlossenheit zu ihm aufgesehen hatten, erblassten. Sie verstanden, was das bedeutete. Jasmin war keine einfache Kriegerin gewesen. Wer sie bezwingen konnte, war kein gewöhnlicher Feind.


„Und drittens.“


Erneut ließ er eine kurze Pause entstehen.


„Es gibt keinen Herzog von Randurin mehr.“


Jetzt war die Reaktion der Menge unkontrollierbar.


Als er den Tod des Herzogs verkündete, sah er gemischte Gefühle.


Einige riefen wütend, andere starrten fassungslos, während einige tatsächlich erleichtert wirkten.


„Ich weiß, dass nicht jeder von euch um ihn trauert,“ sagte Liam ruhig. „Er war kein Herrscher, der für alle da war. Manche von euch haben unter ihm gelitten, andere haben von seiner Herrschaft profitiert. Doch was geschehen ist, kann nicht rückgängig gemacht werden. Randurin gehört nicht mehr dem Herzog. Diese Stadt gehört euch.“


Er ließ die Worte wirken, ließ sie in die Köpfe und Herzen der Menschen sinken. 


Dann kam das schwierigste Thema.


„Und was das Feuer angeht…“


Er machte eine Pause.


„Ein Kaiserlicher Kopfgeldjäger griff uns an. Während der Schlacht wurden Häuser zerstört. Das war nicht unsere Absicht – aber es ist geschehen.“


Er sah den Schmerz in den Augen einiger Anwesender. Er fühlte mit ihnen mit, merkte wie die Wut auf den Vishap erneut hochkam. Er hatte kein Problem damit gehabt, die Soldaten oder Jasmin zu töten. Auch der Herzog hatte vielen seiner Untertanen Leid bereitet. Doch unschuldige Zivilisten? Das war nichts gewesen, das er gewollt hatte.


„Doch wir werden Randurin wieder aufbauen. Das schwöre ich euch.“


Seine Stimme war fest, entschlossen. Keine leere Versprechung, sondern eine Zusicherung. Nun war es Zeit, die Zukunft in den Blick zu nehmen.


„Wir werden diese Stadt als unsere Basis nutzen. Wir werden das Kaiserreich herausfordern. Und wir werden eine neue Ordnung errichten. Eine, in der niemand mehr unterdrückt wird.“


Einige in der Menge reagierten mit Unglauben, andere schüttelten skeptisch den Kopf. Doch es gab auch jene, die still lächelten, die leise nickten.


„Natürlich zwingen wir niemanden, sich uns anzuschließen.“


Er ließ seinen Blick über die Menge schweifen.


„Aber wer gegen die Ungerechtigkeiten der Algavia kämpfen will, ist hier willkommen.“


Plötzlich trat jemand hervor. Ein großgewachsener Drachar reckte die Faust in die Luft. 


Liam erkannte es sofort.


Der erste Funke in den Herzen der Bürger Randurins.


„Randurin wird eine sichere Stadt sein. Wir haben die Boz. Wir haben die Kontrolle. Es gibt nur eine Person, die diese Stadt noch im Alleingang einnehmen könnte – Yang. Aber Yang wird nicht kommen. Sie bleibt, wo sie immer bleibt – in der Kaiserstadt.“


Er sah, wie sich einige in der Menge entspannten.


Tatsächlich war Randurin eine Stadt, die er ohne große Probleme halten konnte. Natürlich würde, wenn das Kaiserreich es drauf anlegen würde, die Stadt irgendwann fallen. Er wusste jedoch eins. Das Kaiserreich war aufgrund seiner gigantischen Größe schwerfällig. Zudem würden, bei reichsweiten Aufständen, die Ressourcen fehlen, um Raundurin einzunehmen.


„Wer sich uns anschließen will, soll sich in der Herzogsburg melden. Wer Hilfe braucht, ebenfalls. Diejenigen, die ihr Zuhause verloren haben, werden in den Villen der Adligen unterkommen. Und jene Adlige, die nicht geflohen sind…“


Er machte eine kurze Pause.


„Teilen. Oder gehen.“


Nun wurde die Atmosphäre spürbar lockerer. Einige schienen erleichtert, andere murmelten untereinander. Die ersten Zeichen eines möglichen Wandels.


„An alle anderen: Lebt euer Leben. Geht euren Geschäften nach. Ihr habt von uns nichts zu befürchten.“


Zunächst blieb es still.


Dann, langsam, setzte Applaus ein. Noch nicht von allen. Aber von genug.


Liam drehte sich um und ging in die Burg zurück. Die erste Schlacht war gewonnen.


Doch der wahre Kampf begann erst jetzt.



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Erschöpft ließ sich Liam auf das Bett in dem Zimmer fallen, das Jakira für sie ausgesucht hatte. Es war ein Gästezimmer – gut eingerichtet, aber nicht so prunkvoll, dass er sich unwohl fühlte. Der Raum war gemütlich, mit warmen Farben und einem großen Fenster, das den Blick auf das Nordmeer freigab.


„Das war eine tolle Rede, Liam“, sagte Jakira mit einem Lächeln, als sie sich neben ihn setzte. Dann zog sie sanft an seinem Arm und deutete auf das Bad in der Ecke des Zimmers. „Ich habe dir ein heißes Bad eingelassen. Du hast es dir verdient.“


Ein heißes Bad klang tatsächlich verlockend. Liam stand auf und trat langsam an die Wanne heran. Er wollte sich gerade das Hemd abstreifen, als er Jakiras Finger an seinem Kragen spürte.


„Entspann dich“, flüsterte sie. „Lass mich das für dich machen.“


Liam seufzte. Er wollte sie nicht ausnutzen, doch er wusste, dass er sie unglücklich machen würde, wenn er ablehnte. Also ließ er es zu, dass sie ihn entkleidete, während sein Blick aus dem Fenster schweifte. Das große Nordmeer erstreckte sich bis zum Horizont, und in der Nacht sah es aus wie ein Teppich aus Schwarz, der sich endlos ausbreitete.


Als Jakira fertig war, stieg Liam ins Wasser und ließ sich entspannt in das heiße Nass gleiten. Die Wärme umhüllte ihn, und er spürte, wie die Anspannung langsam aus seinem Körper wich. Er schloss die Augen, während Jakira begann, ihn zu massieren.


„Tut das gut…“ murmelte er leise. Erst als Jakira hinter ihm kicherte, merkte er, dass er die Worte laut ausgesprochen hatte.


Er mochte die Schattenläuferin. Und er vertraute ihr. Sie hatte heute gute Arbeit geleistet, und er wusste, dass sie mehr war als nur eine Gefolgsfrau.


„Jakira, willst du nicht auch ein Bad nehmen? Nicht nur ich muss mich heute entspannen.“


Jakira trat neben ihn und begann, ihr Kleid auszuziehen. Sie lächelte ihn warm an, während sie sich entkleidete. Liam betrachtete ihren schönen Körper – die Narben, die ihre graue Haut wie Risse durchzogen, ihre kräftigen Arme, ihre weiche Haut, ihre schönen Brüste und das pechschwarze Haar. Sie war eine Schönheit, auch wenn die meisten im Kaiserreich einer Schattenläuferin mit Hass, Ekel und Abscheu begegnen würden.


Für Liam war sie einfach eine Frau, die er wertschätzte.


Sie stieg zu ihm in die Wanne und ließ sich zwischen seinen Beinen nieder. Jakira lehnte ihren Rücken gegen ihn und legte ihren Kopf an seine Brust. Liam schlang seinen linken Arm um ihre Taille und zog sie näher. Mit seinem rechten Arm strich er über ihre Wange.


„Weißt du, Jakira“, begann er leise, „du bist eine tolle Person.“


Jakira begann, seinen Oberschenkel zu streicheln. „Ja? Bin ich dir von Nutzen?“


„Ja, das bist du. Sehr sogar. Aber das ist nicht der Grund, warum ich finde, dass du toll bist. Ich mag dich für dich. Ich mag deine fürsorgliche Art, und ich mag deine Präzision im Kampf.“


Jakira wollte protestieren, doch Liam zog sie zu einem Kuss heran. Ihre Lippen trafen sich, und für einen Moment war alles andere unwichtig.


Als sie sich voneinander lösten, sprach er weiter. „Ich weiß, dass du das momentan nicht akzeptieren kannst. Behalte einfach die Worte im Kopf und nimm sie dir dann zu Herzen, wenn du bereit bist.“



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Nachdem sie gemeinsam gebadet hatten, legten sie sich ins Bett, ihre Körper warm und entspannt von der Hitze des Wassers. Das Zimmer lag in gedämpfter Stille, einzig das entfernte, sanfte Rauschen des Nordmeers drang durch das geöffnete Fenster. Ein kühler Luftzug streifte die dünnen Vorhänge, ließ sie leicht wehen, während der Mond sein fahles Licht über die dunklen Holzbalken der Decke warf.


Jakira schmiegte sich enger an Liam, ihre Haut fühlte weich an, ein stilles Versprechen, ein sanfter Trost. Ihr Kopf ruhte auf seiner Brust, ihr Atem strich wie ein flüchtiger Hauch über seine Haut. Mit langsamen, unbewussten Bewegungen malte sie mit den Fingerspitzen Kreise auf seiner Brust, als wolle sie sich jeden Moment, jede Berührung einprägen.


„Jakira, ich habe einen Auftrag für dich.“


Sie hob den Kopf, ihre dunklen Augen funkelten in dem fahlen Licht. Freude und Neugier spiegelten sich in ihrem Blick.


„Wir werden für eine Weile voneinander getrennt sein“, fuhr Liam fort. Seine Hand glitt über ihren Rücken, streichelte ihr warme Haut. „Aber ich kann diesen Auftrag nur dir anvertrauen.“


Jakiras Miene veränderte sich nicht – keine Spur von Zögern, kein Anzeichen von Unsicherheit. Sie wartete nur, aufmerksam lauschend.


„Morgen früh wirst du nach Kartaffel aufbrechen.“ Seine Stimme war leise, aber bestimmt. „Dort wirst du Prinzessin Nara und ihren Mann treffen. Sie sind die Anführer des Schwarzen Sterns. Du wirst sie und den Rest unserer Truppen hierher bringen. Kann ich mich auf dich verlassen?“


Ein Lächeln stahl sich auf Jakiras Lippen.


„Natürlich“, erwiderte sie, ihre Stimme voller Gewissheit. „Das mache ich gerne.“


Liam beobachtete sie für einen Moment, und ein leiser Stich durchzuckte sein Herz. Er wusste, dass sie schnell war, dass sie geschickt war, aber selbst wenn alles nach Plan lief, würden sie sich für Monate nicht sehen. Der Gedanke, ohne sie hier zu sein, fühlte sich schwerer an, als er erwartet hatte. Doch seine Pflicht stand über allem.


Er atmete tief ein.


„Jakira?“ Seine Stimme war jetzt sanfter, beinahe unsicher.


„Hm?“ Sie blickte ihn an, ihre dunklen Augen suchten nach seiner Antwort.


„Ich möchte, dass du ehrlich bist.“ Sein Blick hielt ihren fest. „Bist du nur so sanft zu mir, weil du mir nützlich sein willst?“


Für einen Moment schwieg sie, ließ die Frage auf sich wirken. Ihr Blick wanderte zur dunklen Decke, dann zu seinem Gesicht zurück.


„Ja, ich will dir nützlich sein“, gab sie schließlich leise zu. „Aber nicht nur das.“ Ihre Stimme klang ruhig, doch in ihren Augen lag etwas Tiefes, Ehrliches. „Ich mag dich. Und wenn ich bei dir bin, schlägt mein Herz schneller.“ Sie hielt inne, als würde sie ihre nächsten Worte abwägen. „Ist das falsch?“


Liam sah sie an, und dann lächelte er. Nicht das übliche, zurückhaltende Lächeln, das er oft zeigte, sondern etwas Wärmeres, Sanfteres, etwas, das seine sonst so ernste Miene weicher machte.


Er zog sie an sich, seine Lippen fanden ihre in einem stillen, verlangenden Kuss. Seine Hände strichen über ihre Taille, glitten über die Narben ihres Körpers, als würde er sie in diesem Moment für immer in seiner Erinnerung festhalten wollen.


Als sie sich voneinander lösten, sah er ihr tief in die Augen.


„Nein“, sagte er leise. „Es ist genau das, was ich auch fühle.“


Jakira sagte nichts, doch das Glitzern in ihren Augen, das leichte Zittern ihres Atems sprach für sie.


Liam zog sie enger an sich, ihre Körper verschmolzen in der Dunkelheit miteinander. Draußen rauschte das Meer, der Wind strich sanft durch die Nacht, aber für sie beide schien die Welt stillzustehen.


Er spürte die Wärme ihrer Haut, den gleichmäßigen Rhythmus ihres Atems gegen seine Brust, und in diesem Moment wusste er – das hier war etwas, das er nie vergessen würde.

 
 
 

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