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Kapitel 159 - Die neue Ordnung unter Yang

16. März 2025
11 Min. Lesezeit

Leylas Blick glitt durch den Versammlungsraum des Hauptquartiers, während sie die Anwesenden musterte. Das heutige Treffen der Kaiserlichen Kopfgeldjäger war von entscheidender Bedeutung. Nach Bournadettes Verrat und Colarts Tod musste das weitere Vorgehen besprochen werden.


Yang stand regungslos neben der Tür. Ihr Blick war ruhig, schien jedoch etwas zu fixieren, das nur sie wahrnahm. Sie verkörperte ihre Rolle als Erste Kaiserliche Kopfgeldjägerin mit einer Selbstverständlichkeit, die unerschütterlich wirkte. 


Cyntha saß in einem Sessel, die Beine lässig über eine Armlehne geschlagen. Als sie bemerkte, dass Leyla sie ansah, grinste sie breit und winkte ihr zu. Sie war die Fünfte unter den Kopfgeldjägern. Ihr Drache Zorda wartete draußen auf dem Trainingsplatz des Quartiers – er war viel zu groß, um sich in diesen Raum zu zwängen.


Nea saß direkt neben Leyla, und wie sonst auch, konnte sie keine Sekunde stillhalten. Ihr Körper wippte vor Ungeduld hin und her, ihre Finger trommelten leise auf der Armlehne. Sie hatte sich bereits mehrfach darüber beklagt, dass sie keine Lust auf dieses Treffen hatte. Auf den ersten Blick wirkte sie wie eine Jugendliche, doch Leyla wusste es besser. Nea war die Achte Kaiserliche Kopfgeldjägerin.


Zu Neas Linken saß ein großer Adler, der mit genüsslichen Bewegungen einen Keks nach dem anderen fraß. Doch es war kein gewöhnlicher Adler. Es war Hepma, die Neunte Kaiserliche Kopfgeldjägerin. Ihre Fähigkeit, sich in alle Tiere und Monster zu verwandeln, machte sie zu einer idealen Spionin – oder zu einer unerwarteten Ablenkung, je nach Situation.


Dann gab es noch die Kopfgeldjäger, die Leyla bisher nicht persönlich kennengelernt hatte. Nea hatte ihr vor dem Treffen eine kurze Einführung gegeben.


In einer Ecke des Raumes saß ein Drachar mit blauer, schuppiger Haut, vertieft in eine wissenschaftliche Abhandlung über die Zucht von Aschewölfen. Sein Name war Zuphoor, und er war nicht nur ein mächtiger Feuermagier, sondern auch die Nummer Vier unter den Kopfgeldjägern. Sein ruhiges Wesen stand in starkem Kontrast zu seinem zerstörerischen Talent im Kampf.


Ein Elf hielt sich im Schatten eines großen Schranks. Fast hätte Leyla ihn übersehen. Sein Name war Vitalas, ein Assassine, der vorrangig für Mordaufträge im Ausland eingesetzt wurde. Er war die Nummer Sieben – ein Geist im Raum, wenn er es wollte.


„Mit mir zusammen sind wir also zu siebt…“ Leyla runzelte die Stirn. Irgendetwas fehlte.


Ihr Blick wanderte noch einmal durch den Raum. Wo war Bunj?


Ihr Freund, der Chimp, hatte ihr einst das Leben gerettet. Er war es gewesen, der sie aus der Gefangenschaft von Kronprinz Eugenius befreit hatte – und sie damit vor einer ungewollten Hochzeit bewahrte. Doch er war nirgendwo zu sehen.


Ob er sich verspätet hatte?


Sie wollte gerade Nea fragen, als Yang einen Schritt vortrat. Sofort hielten alle inne, und alle Augen richteten sich auf die Erste Kaiserliche Kopfgeldjägerin.



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Leyla beobachtete Yang, die am Kopf des Raumes stand und mit müheloser Autorität die Versammlung der Kaiserlichen Kopfgeldjäger leitete. Die Frau strahlte eine Präsenz aus, die den Raum beherrschte. Ihr schwarzer Afro war makellos, jede Locke lag genau dort, wo sie sein sollte, als wäre selbst ihr Haar ein Ausdruck ihrer unerschütterlichen Kontrolle. Ihre dunklen Augen schweiften durch die Runde, und doch schien es, als würde sie niemanden direkt ansehen – oder vielleicht alle zugleich.


Das schlichte weiße Kleid, das sie trug, setzte einen starken Kontrast zu ihrer tiefschwarzen Haut und ließ sie noch eindrucksvoller wirken. Es gab nichts an ihr, das überladen oder übertrieben wirkte, und doch war ihre Erscheinung so beeindruckend, dass selbst Cyntha, die Leyla normalerweise für die schönste Kopfgeldjägerin hielt, neben ihr fast blass und unscheinbar wirkte. Yang war nicht nur die Anführerin. Sie war die stärkste Frau in diesem Raum – und jeder wusste es.


„Danke, dass ihr euch so kurzfristig einfinden konntet“, begann Yang. Ihre Stimme war ruhig, aber ihr Tonfall trug eine Autorität in sich, die keinen Widerspruch duldete. Es war keine übertriebene Strenge in ihrem Ausdruck, kein erhobenes Kinn oder harter Blick nötig. Die Tatsache, dass sie sprach, reichte aus, um jede Ablenkung im Raum zum Verstummen zu bringen.


„Wie ihr sicher wisst, stehen wir vor einer Prüfung. Bournadette hat uns verraten.“ Yangs Stimme blieb fest, doch Leyla glaubte, einen Anflug von Verachtung in ihr zu hören. „Sie ist mit einem Menschen in den Süden gereist und hat nicht nur ihre Pflicht vernachlässigt, sondern sich auch einem direkten Befehl des Kaisers widersetzt, indem sie versucht hat, sich mit dem verstorbenen Prinzen Eugenius zu treffen.“


Leyla kannte die Geschichte bereits. Bournadettes Verrat war für sie eine zwiespältige Sache. Einerseits hatte es sie beruhigt – ihre alte Rivalin war fort, eine Bedrohung weniger. Doch zugleich beunruhigte es sie. Bournadette war zu schlau, um diesen Schritt ohne Grund zu gehen. Was immer sie in den Süden getrieben hatte, es war sicher nicht bloße Dummheit. Und das machte sie gefährlicher denn je.


„Zusätzlich zu Bournadettes Verrat ist Colart in Randurin von einem Mitglied des Schwarzen Sterns getötet worden“, fuhr Yang fort. Ihre Worte hallten durch den Raum, ließen die Anwesenden spüren, dass das, was sie sagte, weitreichende Konsequenzen hatte. „Die Terroristen werden mutiger und gefährlicher. Ihre Vernichtung hat oberste Priorität. Einige von euch werden in den nächsten Monaten genau dafür eingesetzt.“


Colarts Tod war keine Überraschung mehr für Leyla, doch die Details waren es. Wer aus den Reihen des Schwarzen Sterns war stark genug gewesen, um ihn zu töten? Ihr erster Gedanke war Liam, doch sie verwarf ihn sofort wieder. Liam war geschickt, aber Colart? Er war eine lebende Festung gewesen. Nein, der Mörder musste jemand anderes sein. Jemand, der gefährlich war.


„Doch nicht nur Colart ist vom Schwarzen Stern getötet worden“, sagte Yang. Diesmal war ihre Stimme kälter, als hätte sie sich selbst darauf vorbereitet, die nächste Nachricht auszusprechen. „Bunj ist auf einer Mission in den Schneelanden von ihnen getötet worden. Die Tatsache, dass nicht nur Colart, sondern auch Bunj gefallen ist, ist besorgniserregend.“


Leyla spürte, wie ihr Innerstes für einen Moment auseinanderbrach.


Bunj.


Der Chimp, der sie aus der Gefangenschaft des Kronprinzen befreit hatte. Der Mann, der wie ein Vater für sie gewesen war, der ihr gezeigt hatte, wie sie in dieser Stadt überleben konnte, wie sie kämpfen musste, wenn sie nicht sterben wollte.


Und jetzt war er tot.


Der Schmerz, der sie durchbohrte, war scharf und allumfassend – doch nur für den Bruchteil einer Sekunde.


Dann kam die Kälte.


Leyla spürte den Einfluss des Runensteins der Erde. Seine Kraft tötete ihre Emotionen, ließ ihre Gefühle wie einen fernen Schatten erscheinen, der nicht ganz zu ihr gehörte. Der steinerne Mantel der Gleichgültigkeit umhüllte sie.


Bedauern regte sich in ihr, aber nicht für Bunj. Nicht einmal für das, was geschehen war.


Sondern für sich selbst.


Denn ein Teil von ihr wünschte sich, sie könnte trauern. Sie könnte weinen, sich verlieren in dem Schmerz, den sie eigentlich fühlen sollte. Doch der Runenstein ließ es nicht zu. Er schützte sie – und beraubte sie zugleich ihrer Menschlichkeit.


Sie hob den Blick und sah sich im Raum um.


Die anderen Kaiserlichen Kopfgeldjäger reagierten unterschiedlich, doch alle waren betroffen. Hepma, noch immer in Adlergestalt, hatte das Kauen auf ihren Keksen eingestellt. Nea sah auf ihren Knien, ihr wippender Körper war für den Moment erstarrt. Zuphoor legte sein Buch langsam beiseite, und sogar Vitalas, der selbst inmitten dieser düsteren Nachrichten kaum Emotionen zeigte, ließ den Blick kurz auf Yang ruhen.


Bunj war eine Legende gewesen. Ein Mann, von dem viele geglaubt hatten, er sei nur von Yang besiegbar.


Jetzt war er tot.


Doch niemand sprach.


Alle warteten auf Yangs Worte.



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Leyla spürte, wie sich die Atmosphäre im Raum veränderte. Die Luft war schwer, geladen mit Erwartung und Unsicherheit. Yangs Stimme zerschnitt die Stille mit einer Klarheit, die keinen Raum für Zweifel ließ.


„Der erste Schritt wird es sein, die Kaiserlichen Kopfgeldjäger neu zu strukturieren.“ Sie ließ die Worte einen Moment ruhen, als wolle sie jedem Einzelnen die Tragweite bewusst machen. „Zuphoor wird Bournadettes Platz als Nummer Zwei einnehmen. Cyntha rückt an Bunjs Stelle, auf die Drei. Vitalas wird Nummer Vier, Nea Nummer Fünf. Leyla, du wirst die Nummer Sechs werden und Hepma die Nummer Sieben.“


Leyla richtete sich unwillkürlich auf. Sie hatte stets angenommen, dass die Nummerierung nach dem Zeitpunkt des Beitritts erfolgte, doch das war offenbar nicht der Fall. Hepma war vor ihr dabei gewesen, und dennoch wurde sie nun hinter ihr eingestuft. Lag es an den Fähigkeiten? Oder folgte Yang einem Plan, den Leyla noch nicht verstand?


„Das bedeutet, dass wir die Plätze Acht bis Zehn neu besetzen müssen“, fuhr Yang fort. „Für Nummer Acht und Nummer Neun habe ich bereits neue Mitglieder gefunden.“


Ein kurzes Schweigen, dann öffnete Yang die Tür. Die Bewegung wirkte beinahe zeremoniell, als würde sie den Raum für etwas völlig Neues freigeben. Ihre Stimme, sonst immer von einem Hauch kaiserlicher Strenge durchzogen, klang jetzt beinahe einladend – aber mit der unausgesprochenen Erwartung, dass der nächste Schritt unausweichlich war.


,,Du kannst reinkommen, Franca.’’


Alle Augen richteten sich auf den Eingang. Leyla beobachtete die Frau, die in den Raum trat, mit einem Gang, so mühelos elegant, als würde sie über den Boden schweben. Sie hatte lange, blonde Haare, kunstvoll zu zwei dicken Lockenzöpfen geflochten, die ihr bis zur Taille reichten. Ihr roter Mantel aus feinstem Samt schmiegte sich wie ein kostbares Kunstwerk an ihren Körper. Eine große, sorgfältig gebundene Schleife schmückte ihr Haar, durchzogen mit feinen goldenen Fäden.


Alles an ihr schrie nach Hochadel. 


Die junge Frau lächelte sanft und neigte den Kopf leicht, eine Geste, die mehr über ihre Herkunft verriet als jede noch so aufwendige Robe. „Freut mich, werte Kollegen. Mein Name ist Franca Aldobrandini, und ich werde ab heute die achte Kaiserliche Kopfgeldjägerin sein.“


Aldobrandini?


Leyla konnte sich ein Stirnrunzeln nicht verkneifen. Die Familie Aldobrandini war die reichste und einflussreiche Dynastie des Kaiserreichs. Ihr Einfluss reichte bis in die höchsten Ämter, ihre Goldkisten waren endlos gefüllt, ihre Macht wuchs mit jedem Jahr. Doch Kopfgeldjäger? Sie hatte nicht gedacht, dass jemand aus dieser Familie den Willen – oder die Notwendigkeit – verspüren würde, in einer solchen Welt zu kämpfen.


Und doch gab es an Franca nichts, das schwach wirkte. Ihr Auftreten war nicht nur das einer Frau, die es gewohnt war, dass man ihr gehorchte – sondern auch das einer, die wusste, dass sie es sich verdient hatte.


Yang verschwendete keine Zeit mit Formalitäten. „Setz dich.“


Franca reagierte sofort. Ihr Körper spannte sich an. Ohne Zögern ließ sie sich auf den Platz neben Leyla nieder. Ein sanfter Duft von Jasmin und Rosen umgab sie, so subtil und perfekt abgestimmt, dass er fast unnatürlich wirkte.


Leyla beobachtete sie verstohlen aus den Augenwinkeln. Wie viel von ihr war Echt? War sie eine Kriegerin oder nur eine Marionette ihrer Familie?


Doch ehe Leyla ihren Gedanken weiter nachhängen konnte, sprach Yang erneut.


,,Die Nummer Neun konnte heute leider nicht kommen, ihr werdet ihn aber bald kennenlernen.’’


In dem Moment, wo Yang fertig gesprochen hatte, riss ein plötzlicher Knall die Stille auseinander.


Ein ohrenbetäubender, durchdringender Knall, laut wie das Donnern eines Sturmes, ließ die Wände erzittern.


Alles im Raum wurde schwarz.



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Leyla ließ ihre Magie in den Boden sickern, fühlte, wie sie sich in die Umgebung ausbreitete, bereit, jede Bewegung, jede Veränderung wahrzunehmen. Doch bevor sie überhaupt einen Hauch einer Präsenz spüren konnte, wurde die Dunkelheit mit einem einzigen Wimpernschlag vertrieben, als hätte jemand einen schweren Vorhang aufgezogen.


Der Raum war wieder erleuchtet, als wäre nichts geschehen.


Yang stand noch immer an ihrem Platz. Keine Veränderung in ihrer Haltung, keine Anspannung in ihrem Gesicht. Ihre Hand war leicht erhoben, ein kaum merkliches Lächeln spielte um ihre Lippen. Leyla wusste nicht, ob sie den Zauber selbst aufgelöst hatte.


Doch nun gab es eine neue Präsenz im Raum.


In der Mitte, wo vorher Leere geherrscht hatte, stand jetzt ein Mann, dessen Anblick jeden Blick auf sich zog.


Schneeweiße Haare fielen ihm in wilden Strähnen ins Gesicht, ungezähmt und chaotisch, als hätte er sie seit Tagen nicht mehr gekämmt. Seine Haut war fast gespenstisch blass, als hätte er nie auch nur einen einzigen Sonnenstrahl auf sich gespürt. Der schwarz-rote Anzug, den er trug, erinnerte an einen Narren – doch nicht an einen von der harmlosen Sorte. Nein, dieser Narr hatte etwas Unheilvolles an sich, etwas, das eine tiefere Bedrohung verbarg. Seine grauen Handschuhe waren mit winzigen, kaum sichtbaren Dornen besetzt, ein Detail, das Leyla nicht entging.


Aber es waren seine Augen, die alles übertrafen. Das linke Auge war ein helles, beinahe leuchtendes Blau – klar, fast kristallen. Das rechte hingegen schimmerte in einem intensiven, unnatürlichen Rot. Zwei Augen, die nicht zusammengehörten, zwei Welten, die in einer einzigen Person kollidierten.


Yang schien von seiner Ankunft nicht sonderlich beeindruckt. Ihre Stimme klang ruhig, ausdruckslos. „Du hast es ja doch geschafft.“ Sie sah ihn abwartend an. „Dann stell dich vor und setz dich.“


Der Mann legte eine tiefe, übertrieben theatralische Verbeugung hin, seine Bewegungen so flüssig, dass sie an einen Tänzer erinnerten. Doch in ihnen lag etwas Unwirkliches, etwas, das nicht ganz menschlich wirkte.


,,Mein Na~me ist Velver~de“, sang er fast, seine Stimme mit einem melodischen Schwung in bestimmten Silben. ,,Und ich werde fortan als Neunter Kai~serlicher Kopfgeldjä~ger im Dienst der Krone ste~hen!’’


Leyla zog unwillkürlich eine Braue hoch. Sein Singsang war irritierend, seine Betonungen unvorhersehbar. Sie konnte nicht entscheiden, ob seine Art faszinierend oder einfach nur beunruhigend war. Vielleicht beides.


Valverde ließ sich auf einen der noch freien Sessel fallen, mit einem selbstgefälligen Grinsen, das sich tief in sein Gesicht grub. Seine Augen wanderten langsam durch den Raum, nahmen jedes Detail auf, als würde er jeden einzelnen Kopfgeldjäger analysieren, bewerten, in irgendeiner unsichtbaren Liste kategorisieren.


Nea, die noch immer neben Leyla saß, hatte sich vorgebeugt, ihre Augen leuchteten vor Faszination. Sie musterte Velverde mit einer Mischung aus kindlicher Begeisterung und morbider Neugier. Leyla kannte diesen Blick. Nea liebte ungewöhnliche Dinge, und Valverde war voller davon.


„Er ist interessant“, flüsterte Nea kaum hörbar, ihre Stimme vibrierte vor Aufregung.


Yang jedoch ließ sich von der Spannung im Raum nicht beirren. Sie ignorierte die aufmerksamen Blicke, die Valverde auf sich zog, als wäre seine Ankunft eine Kleinigkeit.


„Gut“, sagte sie schlicht. „Da jetzt alle anwesend sind, besprechen wir das Vorgehen bezüglich des Schwarzen Sterns.“



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Die Anspannung im Raum war beinahe greifbar, als Yang das Wort ergriff. Ihre Stimme war ruhig, doch jedes Wort hatte eine Schärfe, die sich durch die Stille schnitt. Niemand wagte, sich zu bewegen, als sie zu sprechen begann.


„Soweit wir wissen, besteht der Schwarze Stern aus drei Truppen“, erklärte sie, und ihre dunklen Augen ruhten auf jedem Kopfgeldjäger, als wolle sie sicherstellen, dass sie ihre Worte genau verstanden. „Die erste ist die, die Randurin eingenommen hat. Sie selbst ist nicht außergewöhnlich stark, doch Randurin ist eine schwer zu erobernde Stadt. Sie haben dort eine Waffe – eine, die für jeden von euch tödlich sein könnte.“


Leyla fühlte, wie sich ihr Körper unwillkürlich verspannte. Randurin. Liam. Eine unbekannte Waffe.


Sie kannte Liam gut genug, um zu wissen, dass er keine Sekunde zögern würde, sie für seine Ideale einzusetzen. Würde er sie auch gegen sie einsetzen? Die Vorstellung, gegen ihn antreten zu müssen, ließ einen unangenehmen Knoten in ihrer Brust entstehen.


„Die zweite Gruppe ist die gefährlichste.“ Yangs Stimme wurde fester, und ihre Worte hallten durch den Raum. „Sie haben Bunj getötet. Sie sind derzeit unterwegs, um sich mit der ersten Einheit in Randurin zu vereinen. Wir werden es nicht schaffen, das zu verhindern.“


Leyla spürte ein unangenehmes Ziehen in der Brust, doch die Kälte des Runensteins ließ keine echte Trauer aufkommen. Dennoch blieb der Gedanke an Bunj bestehen, an das, was er ihr beigebracht hatte, an das, was er für sie gewesen war. Dass diese zweite Einheit ihn besiegen konnte, ließ nur eine Schlussfolgerung zu – sie waren außergewöhnlich stark.


Yang ließ ihren Blick durch den Raum wandern, als prüfe sie jeden Einzelnen, als könne sie erkennen, wer bereit war, sich diesem Feind zu stellen. Ihre Augen, dunkel und berechnend, schienen in die Seele der Kopfgeldjäger zu blicken. Niemand wagte, ihrem Blick auszuweichen.


„Und dann ist da noch die dritte Einheit“, fuhr sie fort. „Sie hält sich im Grünwald versteckt. Über sie haben wir nur wenige Informationen, doch ihre Eliminierung ist ein wichtiges Ziel.“


Leyla atmete langsam aus. Theol und Eleanor. Waren sie dort?


„Ihr werdet in der nächsten Zeit stets in Paaren auf Aufträgen sein“, verkündete Yang dann, ohne Raum für Diskussionen zu lassen. „Zuphoor, du wirst mit Valverde zusammen agieren. Cyntha, du wirst dich Franca annehmen. Hepma wird mit Vitalas ein Paar bilden, Nea wird sich um Leyla kümmern.“


Leyla spürte, wie ihr Herz für einen Moment schneller schlug. Nea.


Es war fast zu schön, um wahr zu sein. Nea war nicht nur eine ihrer engsten Vertrauten, sondern auch eine der wenigen, mit denen sie sich vorstellen konnte, zusammenzuarbeiten.


„Danke, Yaya!“ rief Nea laut, ihre Stimme überschlug sich fast vor Begeisterung. Ihre Freude war so ehrlich, dass Leyla ein kleines Lächeln nicht unterdrücken konnte.


Doch Yangs tödlicher Blick ließ Nea sofort verstummen.


Leyla musste sich zusammenreißen, um nicht zu lachen. Nea wusste genau, dass Yang solche Spitznamen nicht duldete, und trotzdem konnte sie sich einfach nicht zurückhalten.


Abgesehen von Zuphoor, dessen Gesichtsausdruck eine Mischung aus Missmut und Resignation zeigte, schienen alle mit der Verteilung zufrieden zu sein. Franca warf Cyntha einen neugierigen Blick zu, während Velverde sich in seinem Stuhl zurücklehnte und sich mit offensichtlichem Vergnügen Zuphoors Reaktion ansah.


„Ihr werdet in den nächsten Tagen eure Aufträge erhalten“, sagte Yang abschließend. Ihre Stimme klang endgültig. Dann wandte sie sich um und verließ den Raum.


Das Echo ihrer Schritte hallte noch lange nach.

 
 
 

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