Kapitel 199 - Doch Zensa flog noch.
- empirewebnovel
- 15. Juni 2025
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,,Wann treffen wir wieder auf die anderen?’’
Zensas Stimme durchschnitt die vielstimmigen Laute des Dschungels. Es war mittlerweile Abend geworden, die Sonne hing tief zwischen den Bäumen und tauchte das Blätterdach in ein unruhiges Spiel aus Licht und Schatten. Seit vier Tagen waren sie nun schon im Denja-Dschungel unterwegs – vier Tage voller Hitze, Nässe, Mücken, seltener Momente der Ruhe… und der wachsenden Gewissheit, dass sie beobachtet wurden.
Vor einigen Stunden hatten sie sich getrennt. Oder besser gesagt: Sie hatten sich bewusst aufgeteilt. Zwei Grauschnäbel – flinke, scheue Vögel mit glänzendem Gefieder und besonders nahrhaftem Fleisch – waren durch das Unterholz geflogen, einer links, einer rechts. Zwei Chancen, einen seltenen Fang zu machen. Also hatten sie sich entschieden, beide zu verfolgen und sich danach an einem verabredeten Ort wiederzutreffen.
Leyla saß nun auf einer kleinen Lichtung, den Vogel in der Hand. Das Tier war ruhig, fast wie betäubt von ihrer Magie. Zensa stand nur wenige Schritte entfernt, unruhig, nervös, ein Fuß tappte unbewusst im Takt seines Herzschlags auf den moosigen Boden.
„Sobald sie fertig sind“, sagte Leyla ruhig. Sie versuchte, Gelassenheit auszustrahlen – für ihn, aber auch für sich selbst. „Ich vertraue Alexandra. Wir müssen einfach nur warten.“
Zensa nickte nicht. Er schluckte. Seine Augen wanderten unruhig durch den Dschungel, als erwartete er, dass jeden Moment etwas aus jedem Schatten springen könnte.
Dann donnerte es. Dumpf, grollend, tief – wie eine Stimme aus der Tiefe. Regen setzte ein, schwer, warm, in großen Tropfen, wie jeden Tag. Der Dschungel kannte keine Trockenphasen. Jeder Regen war wie ein kleiner Weltuntergang – und jedes Mal wurde er begleitet von Blitzen und Donner.
Leyla verkrampfte sich unmerklich. Wieder dieser Gedanke. Wieder dieses beklemmende Gefühl: Was, wenn Bläsk jetzt zuschlug? Was, wenn gerade dieser Regen nicht nur Wasser war, sondern Vorbote des Erzdämons? Und das, während Alexandra nicht bei ihr war.
„Hörst du das auch?“ Zensa hatte sich aufgerichtet. Sein Blick ging nach oben, in das dunkler werdende Blätterdach, das vom Regen zerzaust wurde. Er war angespannt, seine Pupillen verengt, seine Muskeln bereit.
Leyla hob den Kopf. „Was meinst du?“
„Das Gewitter…“ Er sprach langsam, fast flüsternd. „Es… atmet.“
Ehe sie reagieren konnte, sprang Zensa nach oben. Er konzentrierte seine Magie, stieß sich ab und verschwand von zuckenden Blitzen begleitet in den Himmel – mitten hinein in die peitschenden Regenmassen, den Nebel, das Grollen, das Flackern.
„Zensa!“ rief Leyla, doch er war bereits verschwunden. Zwischen Blättern und Wolken, zwischen Blitzen und Dunst.
„Fuck.“
Es entfuhr ihr lauter, als sie wollte. Sie ballte die Faust. Natürlich. Zensa wollte sich beweisen. Er war jung, voller Stolz, voller Ideale. Er hatte gespürt, dass da etwas lauerte – und er wollte der Erste sein, der es konfrontierte. Doch er wusste nicht, was dort wirklich war.
Sie hatte ihm nichts gesagt. Nichts von Bläsk. Nichts von der Gefahr. Sie hatte ihn schützen wollen. Hatte geglaubt, ihn aus dem Kampf heraushalten zu können. Jetzt verfluchte sie sich dafür.
Ihre Augen suchten die Himmelsdecke ab. Keine Spur von ihm. Kein Lichtblitz. Kein Ruf. Nichts.
Regen.
Donner.
Und ein bedrohlicher Hauch von Magie in der Luft.
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Zensa schwebte hoch über dem Dschungel, die feuchte, warme Luft klebte an seiner Haut. Um ihn herum brodelten die Gewitterwolken, erfüllt von Druck, Spannung – und Leben. Das Prickeln der Elektrizität, das Summen der aufgeladenen Luft: Es war mehr als nur die Natur. Es war wie ein Ruf, ein Echo seiner selbst.
Er sog die Luft ein, spürte das Knistern in seiner Lunge. Es war vertraut. Es war… richtig. Aber warum? Er konnte es nicht sagen. Als würde der Himmel selbst ihn kennen.
Die Flügel, die er vor einiger Zeit noch voller Stolz getragen hatte, waren längst verschwunden. Zu viel Kraft hatten sie gekostet. Jetzt trug ihn allein der Wind. Er lenkte ihn mit dem Willen, mit dem Fokus, den er dank Leyla erlernt hatte.
Dann spürte er es. Direkt vor ihm. Etwas war da. Ein Wesen. Es war kein Tier. Keine gewöhnliche Magie. Es war wie ein Herzschlag aus purer Macht, pochend, lauernd, uralt.
Und dann kam die Stimme.
,,Wer bist du?’’
Sie kam von überall. Von den Wolken, vom Wind, vom Donner selbst. Sie war kein Laut, sie war ein Beben. Zensa zuckte zusammen, sein Herz raste. Doch seine Entschlossenheit wich nicht.
„Wer bist du, sollte ich wohl eher fragen?“ rief er, und seine Stimme hallte schwächer zurück, wie gegen eine riesige Wand.
Es donnerte. Nein – es war ein Lachen. Dröhnend, übermächtig. Ein Hohn, der wie ein Tropensturm auf ihn herabstürzte.
„Du bist stark“, sagte die Stimme nun ruhiger, gefährlich ruhig. „Aber warum reist du mit der Jüngerin? Was kann sie dir geben, außer eine Zukunft voller Qualen?“
Zensa kniff die Augen zusammen. Um ihn herum begannen Blitze zu tanzen, auf seiner Haut, in seinem Haar. Seine Hände zuckten vor Energie.
„Sie hat einen Namen“, sagte er, ruhig, aber fest. „Leyla. Und von jemandem, der sich versteckt, will ich kein Urteil über meine Entscheidungen.“’
Kaum hatte er es ausgesprochen, zuckte ein greller Blitz auf ihn zu. Reflexartig warf er sich zur Seite, spürte die Hitze, das Licht, das Dröhnen in seinen Ohren. Der Blitz war so präzise, so schnell – genau wie seiner. Oder besser.
Da wusste er, wer vor ihm stand. Oder vielmehr, was.
Der Gegner war wie er.
Ein Meister des Donners.
Zensa grinste. Die Angst wich dem Rausch. Dies war sein Himmel, seine Bühne, sein Element. Wenn er hier nicht siegen konnte – wo dann?
Er würde kämpfen. Nicht um zu gewinnen. Sondern um zu zeigen, dass niemand ihn unterschätzen durfte.
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Vielleicht war es ein uralter Instinkt, tief vergraben im Herzen des jungen Kriegers. Vielleicht war es eine angeborene Fähigkeit, ein ungeschliffener Edelstein in seiner Seele, der nun zu leuchten begann. Vielleicht war es aber auch schlicht Glück. Das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein – dem richtigen Gegner zu begegnen, im exakt passenden Moment seiner eigenen Entwicklung.
Denn als Zensa den geworfenen Blitz des Erzdämons – ohne zu wissen, dass es Bläsk war – näherkommen sah, geschah etwas in ihm. Kein bewusstes Nachdenken. Kein taktischer Plan. Es war ein Reflex. Ein Schalter, der sich in seinem Innersten umlegte – lautlos, unwiderruflich.
Noch während der goldene Tod auf ihn zuraste, pumpte sein Mana durch seinen Körper. Es sammelte sich in seinen Beinen, verdichtete sich, komprimierte sich zu einer einzigen, explosiven Bewegung. Dann entlud es sich – durch seine Füße, durch den Raum, durch sein gesamtes Wesen.
Der Blitz, der ihn hätte töten sollen, war kein gewöhnlicher Angriff.
Es war der wahre Blitz.
Der eine, der einst Leyla getötet hatte. Der sich durch Magier, Engel und Mauern gleichermaßen gefressen hatte. Der vier Erzengel ausgelöscht und Bläsk damit zu einer Macht erhoben hatte, vor der alle Erzwesen den Kopf senken mussten.
Und nun – dieser gleiche Blitz, gelenkt von der Wut des Hasses, zischte direkt auf Zensas Brust zu.
Leyla, die in einem Anfall panischer Vorahnung den höchsten Baum der Umgebung erklommen hatte, sah es geschehen. Sie sah den Riss in den Wolken, aus dem der Todesstrahl hervorbrach. Sie sah Bläsk, seinen Arm noch ausgestreckt, das Gesicht ausdruckslos. Und sie sah Zensa.
Sie sah die roten Blitze, die aus seinen Beinen schossen, ihn mit brutaler Geschwindigkeit zur Seite schleuderten. Für den Bruchteil einer Sekunde wurde der Raum um ihn gebogen, der Himmel selbst schien den Atem anzuhalten.
Der tödliche Blitz traf. Natürlich traf er. Niemand wich diesem Angriff vollständig aus. Kein Dämon. Kein Engel. Kein Mensch. Nicht einmal Yang konnte ihm ausweichen.
Aber Zensa hatte den Pfad des Todes verlassen. Der Strahl bohrte sich nicht durch sein Herz. Stattdessen traf er das linke Bein, genau am Knie. Ein schmerzhafter, brutaler Treffer. Das Gelenk explodierte in einem Feuer aus Licht, Rauch und geschmolzenem Fleisch. Das Bein war weg. Abgetrennt, verbrannt, zerstört.
Leyla sog scharf die Luft ein. Für einen Moment stockte ihr der Atem. Hatte sie gerade zugesehen, wie ihr junger Schüler starb?
Doch Zensa flog noch.
Oder besser gesagt – er fiel nicht.
Irgendwie, entgegen jede Logik, blieb er in der Luft. Schwebte. Trieb. Und inmitten des Rauchs, der noch von seinem zerschossenen Bein aufstieg, sah sie etwas anderes.
Etwas Irritierendes. Etwas Erschütterndes.
Er grinste.
Nicht aus Wahnsinn. Nicht aus Schmerz. Es war das Grinsen eines jungen Kriegers, der gerade die Grenze überschritten hatte. Der nicht mehr zurückkonnte. Und das wusste. Und es liebte.
Er hatte überlebt. Er hatte überlebt, was keiner hätte überleben sollen.
Er war kein Kind mehr.
Er war ein Monster geworden.
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Zensa spürte keinen Schmerz. Die Energie, die durch ihn pulsierte, war wie ein Rausch. Alles in ihm war elektrifiziert, durchflutet von einer Kraft, die ihn über seine Grenzen hinaustrug. Zweifel existierten nicht mehr. Angst war ein Konzept aus einem anderen Leben. Nur Macht – reine, brennende Macht – blieb.
„War das alles? War das dein Trumpf? Wenn ja, dann hast du keine Chance.“
Seine Stimme war ruhig. Ruhiger, als sie sein sollte. Und genau das war es, was den gehörnten Krieger kurz aus dem Gleichgewicht brachte. In seinen Augen glomm zum ersten Mal seit langem so etwas wie Verwunderung auf.
Zensa grinste. Und dann war er verschwunden.
Ein einzelner Blitz zuckte durch den Himmel, schlug ein – direkt in Bläsks Körper. Oder besser gesagt: Zensa schlug ein.
Er schlug zu. Noch ein Schlag. Noch einer. Hunderte. Vielleicht tausende. Jeder Schlag war elektrisch geladen, jeder Schlag traf genau dieselbe Stelle – den Bauch des Erzdämons.
Bläsk spuckte goldenes Blut. Kein Laut entwich seinen Lippen.
Der Wind hatte sich gedreht. Noch vor Sekunden hatte er Zensa durch den Himmel geschleudert wie ein lästiges Insekt. Jetzt trug er ihn wie einen Verbündeten. Zensa war nicht länger nur ein Kind. Er war der Sturm selbst.
Bläsk knurrte, verzog das Gesicht und schleuderte Zensa mit einem magischen Impuls von sich. Die Distanz wuchs wieder. Raum zwischen den beiden. Platz zum Atmen. Zum Denken.
„Du… du bist ein Mensch! Was fällt dir ein, mich, den Erzdämonen des Donners, zu verhöhnen? Mich? Bläsk?“ brüllte er. Sein Blick flackerte. Zorn, Entsetzen – und etwas, das wie Furcht aussah.
Zensa erstarrte.
Der Name. Der Titel.
Erzdämon des Donners.
Bläsk.
Die Legenden, die Geschichten. Die Schlacht der Himmel, das Sterben der Engel, das Donnern über die Schlachtfelder des Alten Reichs. All das formte sich in Zensas Kopf. Er wusste Dinge, die er nie gelernt hatte. Dinge, die niemand ihm beigebracht hatte.
Woher dieses Wissen kam – er konnte es nicht sagen. Doch es war da. Glasklar.
Bläsk hob die Arme.
Der Himmel riss auf, als würde ein Schleier der Welt zerreißen. Das Donnern schwoll an, wurde ohrenbetäubend. Bläsk stand wie ein Gott in der Luft, die Augen geschlossen, die Flügel weit ausgebreitet.
,,Weltenblitz.’’
Nicht geschrien – gesprochen. Ruhig. Respektlos. Wie ein Richter, der das Urteil verkündet.
Ein Licht explodierte am Himmel. Die Wolken formten eine gewaltige Kugel – ein Kugelblitz von monströser Größe. Hunderte Meter breit. Er leuchtete in Gold, in Weiß, in tödlicher Klarheit. Der Himmel war nicht mehr zu sehen. Nur noch Licht. Nur noch Zerstörung.
Zensa hatte keine Zeit zum Denken. Keine Zeit zum Fühlen.
Sein Körper bewegte sich, bevor sein Verstand begriff. Die Arme schnellten nach oben, sein gesamtes Mana schoss aus ihm heraus wie ein Strom, der sich selbst befreite. Kein geformter Zauber. Kein kontrollierter Angriff.
Ein einziger, instinktiver Schrei aus Licht.
Ein roter Blitz, dick wie ein Baumstamm, schoss in den Himmel. Er brannte, er zischte, er tobte. Und er traf auf den Weltenblitz.
Die beiden Magien kollidierten.
Leyla stand auf der höchsten Wipfelkrone und starrte in die apokalyptische Himmelslandschaft.
Zwei Energien. Zwei Pole. Zwei Wesen. Die Entladung war so gewaltig, dass selbst der Wald unter ihr zu beben begann.
Sie wollte schreien, wollte aufspringen, fliegen, helfen – irgendetwas tun.
Doch sie konnte nur zusehen.
Nur hoffen.
Dass der Junge, den sie mitgenommen hatte, überleben würde.
Und dass Bläsk – der Erzdämon des Donners – zum ersten Mal seit tausend Jahren einen Fehler gemacht hatte.
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Der rote Blitz stieß mit ungebändiger Wucht gegen den Weltenblitz. Ein gleißendes Aufeinandertreffen zweier Gewalten, die nicht dafür gemacht waren, gleichzeitig zu existieren. Über dem Dschungel tobte ein Sturm, der alles übertraf, was dieser uralte Wald je erlebt hatte. Blitze zerschnitten den Himmel wie Messerklingen. Sie schlugen in Baumkronen, zerrissen Stämme, legten Schneisen der Verwüstung.
Leyla war wie erstarrt. Von ihrer Position auf dem Wipfel aus hatte sie keinen Zugriff. Sie war zu tief. So hoch konnte sie nicht springen – nicht ohne sich selbst aufzugeben. Und selbst wenn sie es schaffte, wäre sie dort oben kein Gegner. Nicht in dieser Höhe, nicht gegen einen Feind wie Bläsk.
Was sie jedoch nicht losließ, war die Frage, die wie ein Messer durch ihre Gedanken schnitt:
Warum war Zensa so stark?
Für einen flüchtigen Moment schien es, als würde der Weltenblitz – diese goldene Kugel der Vernichtung – den roten Blitz verschlucken. Doch dann geschah es. Ein Donnerschlag, der mehr war als nur Schall. Eine Explosion, die die Welt erbeben ließ. Die Druckwelle fegte über das Blätterdach hinweg, riss die Baumkronen auseinander und ließ tausende Blätter in der Luft tanzen wie Asche nach einem Brand.
Dann – Stille.
Der Weltenblitz war verschwunden. Aufgelöst. Verdrängt. Zerschlagen.
Zensa hatte es geschafft. Er hatte den mächtigsten Zauber des Erzdämons nicht nur überlebt – sondern neutralisiert.
Doch Leyla empfand keine Freude. Kein Stolz. Nur Entsetzen.
Denn Zensa fiel.
Wie ein ausgebrannter Stern stürzte er vom Himmel, und hinter ihm raste ein letzter, gezielter Blitz – eine feige, hinterhältige Klinge aus Licht, geschleudert von einem Erzdämon, der Rache am Menschen mehr liebte als alles andere.
Er traf.
Leyla reagierte instinktiv. Ohne zu zögern sprang sie los, hetzte über die Wipfel wie über festes Land, ihre Füße kaum spürbar auf den Ästen. Sie fing Zensa auf, wenige Meter über dem Boden – gerade noch rechtzeitig.
Was sie in den Armen hielt, war kaum wiederzuerkennen.
Sein Körper war verbrannt bis zur Unkenntlichkeit. Die Haut – schwarz, verkohlt. Die Lider – geschmolzen, als hätte jemand sie mit glühendem Eisen versiegelt. Kein Laut kam über seine Lippen. Kein Zucken. Nur Leere.
„Nein… bitte nicht…“
Leyla spürte, wie ihr Herz zu brechen drohte. Nicht vor Angst, sondern vor Schuld. Es war ihr Fehler. Sie hätte ihn aufhalten müssen. Hätte ihm die Wahrheit sagen sollen. Ihn nicht allein lassen sollen. Ihr Herz verzieh sich selbst in diesem Moment, auch dank dem Einfluss der Erde – doch ihr Verstand tat es nicht. Und er würde es nie tun.
Da – ein Hauch. Ein flüchtiger Atemzug. Schwach, aber da.
Ohne Zögern ließ Leyla ihr Mana in ihn fließen. Der Runenstein der Heilung erwachte in ihr und begann einen Kampf, den kaum jemand gewinnen konnte. Die Wunden, die sie sah, gehörten nicht mehr in die Welt der Lebenden.
Und doch – sie gab nicht auf.
Das Mana arbeitete wie ein Strom aus Licht und Leben. Knochen bildeten sich neu, Zellen erneuerten sich, Muskeln spannten sich wieder. Seine Haut – sie verlor langsam das verbrannte Schwarz und wurde wieder hell. Die Lider wuchsen nach, geschlossen wie bei einem Kind im tiefen Schlaf. Und schließlich sprossen erneut seine grünlich schimmernden Haare.
Leyla keuchte, ihre Kräfte stark erschöpft. Zum Abschluss formte sie einen stabilen Würfel aus Holz um Zensa, ließ ihn sanft und sicher zum Waldboden hinabgleiten.
Dann hob sie den Blick.
Bläsk schwebte herab. Langsam, gelassen. Ein genügsames, beinahe belustigtes Grinsen lag auf seinem Gesicht – als wäre das Ganze für ihn nicht mehr als ein Spiel gewesen.
Leyla stand auf. Die Runensteine pulsierten in ihrem Körper. Ihr Mana kochte, bereit, jede Form anzunehmen – eine Waffe, eine Rüstung, eine Barriere. Was auch immer nötig war.
Sie hatte keine Wahl. Sie konnte nicht fliehen. Nicht verhandeln.
Bläsk kam.
Und Leyla musste gegen ihn kämpfen.



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