Kapitel 24 - Schwarz
- empirewebnovel
- 9. Sept. 2024
- 11 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Jan. 2025

,,Wo bin ich?’’
Leyla blickte sich um. Sie stand in einem dunklen Wald, alleine, nackt.
Sie spürte die Panik nach und nach in ihrem Körper empor kriechen. Ihre Beine begannen zu zittern. Ihr Magen verkrampfte. Das Atmen fiel ihr schwerer und schwerer. Ihr Hände begannen zu schwitzen. Blut floss ihr Gesicht herab. Ihre Lippen kaputt gebissen. Die Augen weit aufgerissen.
Ein Geräusch drang in ihr Ohr — Fußschritte.
Sie sah den vermummten Mann, der sie entführt hatte.
Angst.
Der Mann griff nach ihrer Hand. Sie wollte schreien. Weglaufen. Sie bewegte sich nicht.
Plötzlich durchschnitten helle Flammen die Dunkelheit. Liam stürmte auf den Mann zu, tötete ihn.
Leyla wollte ihn umarmen, ihm danken. Sie bewegte sich nicht.
Ein Windstoß fegte durch den Wald und blies die Flammen aus.
Schwärze legte sich erneut über den Wald. Liam war verschwunden.
Leyla wollte nach ihm suchen. Sie bewegte sich nicht.
Dunkelheit.
Angst.
Angst.
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Leyla fuhr ruckartig hoch, ihr Atem ging schwer, und ihr Herz pochte wie ein Trommelwirbel in ihrer Brust. Der Albtraum war so lebendig gewesen, dass es ihr schwerfiel, sich davon zu lösen. Kalter Schweiß benetzte ihre Stirn, während sie versuchte, die zitternden Hände zu beruhigen, die sich in die Decke gekrallt hatten. Langsam begann sie zu erkennen, wo sie war – in ihrem Bett, sicher und weit entfernt von den Schrecken, die sie im Traum heimgesucht hatten.
,,Ein Albtraum…’’ murmelte sie und strich sich mit zitternden Fingern durch das klamme Haar. Die Worte hallten leise in dem stillen Raum wider, als ob sie sich selbst beruhigen wollte.
Durch das kleine Fenster fielen erste Strahlen des zarten Morgenlichts herein und tauchten den Raum in einen goldenen Schein. Der Anblick wirkte wie eine sanfte Erinnerung daran, dass sie frei war, dass ihre Tage in Ketten vorbei waren. Doch das Herzrasen wollte sich nicht sofort legen.
,,Heute werde ich wohl nicht mehr schlafen können…’’ sagte sie zu sich selbst, die Stimme kaum mehr als ein Flüstern. Sie schwang die Beine aus dem Bett und setzte sich auf den Rand, das Gesicht in den Händen vergraben, bevor sie tief durchatmete und aufstand.
Leyla wusch sich ausgiebig, das kalte Wasser half ihr, den Rest der Nacht aus ihren Gedanken zu spülen. Als sie fertig war, warf sie einen Blick auf ihre Kleidung. Sie trug immer noch die Sachen, die Liam ihr nach der Entführung besorgt hatte – schlicht und praktisch, aber weit entfernt von dem, was sie sich selbst ausgesucht hätte.
,,Wir wollten uns gegen Mittag treffen. Ich denke, ich sollte vorher noch ein paar neue Klamotten kaufen gehen.’’
Mit diesem Gedanken griff sie nach den drei verbliebenen Kupfermünzen in ihrer Tasche, prüfte ihr Schwert, das an der Wand lehnte, und schnallte es sich um. Die anderen Sachen ließ sie in der Taverne zurück. ,,Liam und Fer werden wohl noch schlafen’’, dachte sie und ging die knarrende Treppe hinunter.
Der Aufenthaltsraum der Taverne war menschenleer. Nur das leise Knistern der Glut im Kamin und das entfernte Zwitschern eines Vogels durchbrachen die Stille. Ohne jemanden zu treffen, schritt Leyla auf die Straße hinaus. Die kühle Morgenluft empfing sie, frisch und rein, und sie fühlte sich, als hätte der Tag ihr eine Chance gegeben, mit neuem Mut zu beginnen.
Während sie durch die noch schläfrigen Straßen ging, erinnerte sie sich an einen Kleidungsladen, den sie am Vortag gesehen hatte. Ihre Schritte wurden zielgerichteter, und ein Hauch von Aufregung ließ sie die Sorgen der Nacht für einen Moment vergessen. Es war ein neuer Tag, und sie wollte ihn nutzen.
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—DING—
Das helle Läuten der Glocke, das ihr Betreten ankündigte, ließ Leyla unwillkürlich zusammenzucken. Sie atmete tief ein, um sich zu sammeln, und trat dann weiter in den kleinen Laden ein.
Der Raum war angenehm und zugleich anregend. Der Duft von frisch gewebtem Stoff vermischte sich mit einem Hauch von Kräutern, und die Kleidungsstücke, die sorgfältig aufgestellt waren, wirkten fast wie Kunstwerke. Die Regale aus dunklem Holz verliehen dem Raum eine warme Atmosphäre, und ein gemütlicher Sessel in der Ecke vervollständigte das Bild.
Eine Elfe erschien aus dem hinteren Bereich des Ladens. Ihr langes, silbernes Haar schimmerte im Licht, und ihre Bewegungen waren so anmutig, dass Leyla sich unwillkürlich gefragt hatte, wie jemand so elegant sein konnte. Mit einem freundlichen Lächeln begrüßte die Elfe sie: ,,Guten Morgen, wie kann ich Ihnen helfen? Sie sehen aus, als könnten Sie ein paar neue Sachen gebrauchen.’’
Leyla nickte und versuchte, selbstsicher zu klingen, obwohl ihre Münzen in der Tasche sie daran erinnerten, dass sie eigentlich kaum etwas kaufen konnte. ,,Ja, das stimmt. Darf ich mich ein wenig umsehen?’’
,,Natürlich. Wenn Sie etwas brauchen, lassen Sie es mich wissen.’’
Die Elfe setzte sich mit einem Buch auf den Sessel, das sie offenbar gerade erst zur Seite gelegt hatte. Leyla beobachtete sie einen Moment lang, bevor sie durch den Laden zu schlendern begann. Die Anordnung der Kleidungsstücke war so geschickt, dass jedes Stück in seinem besten Licht erschien. Leyla fühlte sich fast ein wenig fehl am Platz, als hätte sie sich in einen Raum verirrt, der für eine bessere Version ihrer selbst gedacht war.
Der Laden war in zwei Bereiche aufgeteilt. Vorne gab es eine Auswahl an Kleidungsstücken, die locker zusammenpassten und einzeln gekauft werden konnten. Die Preise dort waren erschwinglich – zumindest für ihre momentanen Verhältnisse. Doch ihre Aufmerksamkeit wanderte schnell zu dem hinteren Bereich, der luxuriöser wirkte. Hier waren komplette Outfits aufgestellt, getragen von Holzstatuen, die die Eleganz und Stärke der Kleidungsstücke betonten.
Leylas Blick blieb an einer Statue hängen. Sie trug ein Ensemble, das sie nicht aus den Augen lassen konnte: ein schwarzes Kleid, das mit einer an eine Leggings erinnernden Hose kombiniert war. Das Oberteil war mit feinen Mustern verziert, und man konnte sehen, dass es verstärkt war – vermutlich für Abenteurer wie sie gedacht.
Schwarze Handschuhe bedeckten die Hände der Statue, und ein schwarzer Umhang mit einem funkelnden Edelstein am Verschluss rundete das Outfit ab. Am auffälligsten war jedoch der schwarze Hut mit einer blauen Blume an der Seite, der dem Ganzen eine geheimnisvolle Eleganz verlieh.
,,Wie schön…’’ murmelte Leyla, ohne es zu bemerken. Ihre Finger zuckten leicht, als sie sich vorstellte, wie sie in diesem Outfit aussehen würde. Für einen Moment war sie sich sicher, dass sie sich darin stärker und selbstbewusster fühlen würde.
Doch dann fiel ihr Blick auf das Preisschild, und die Realität holte sie ein: vier Goldmünzen. Ihr Herz sank. So etwas lag weit außerhalb ihrer Möglichkeiten. Sie konnte sich kaum ein einziges Teil aus dem vorderen Bereich leisten, geschweige denn dieses gesamte Outfit.
,,So viel Geld habe ich nun wirklich nicht…’’ murmelte sie enttäuscht und schüttelte den Kopf. Trotzdem konnte sie sich nicht ganz von der Statue losreißen, als ob der Gedanke, es eines Tages zu besitzen, ein leiser, aber beharrlicher Traum war.
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[???] ,,Ist meine Bestellung schon angekommen?’’
Enttäuscht kehrte Leyla in den vorderen Bereich des Ladens zurück. Während sie sich die Kleidungsstücke ansah, bemerkte sie, dass ein weiterer Kunde hereingekommen war. Er sprach gerade mit der Elfe, und obwohl sie es nicht beabsichtigt hatte, begann Leyla unauffällig zuzuhören.
,,Ist meine Bestellung schon angekommen?’’ fragte der Mann, seine Stimme glatt und selbstsicher.
,,Nein, bisher noch nicht, Euer Gnaden’’, antwortete die Elfe höflich, ihre Haltung respektvoll, aber nicht unterwürfig.
Leyla spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Die Anrede ,,Euer Gnaden’’ ließ keinen Zweifel daran, dass dieser Mann ein Adliger war. Eine Mischung aus Neugier und Unbehagen breitete sich in ihr aus. Sie versuchte, unauffällig zu bleiben, während sie sich weiter umsah.
,,Nun, das ist schade. Bitte melde dich, sobald sie da ist’’, sagte der Mann mit einem leichten Lächeln, bevor er sich von der Elfe abwandte. ,,Wie Ihr wünscht, Euer Gnaden’’, erwiderte diese.
Zu Leylas Unbehagen schritt der Mann nun in ihre Richtung. Sie hoffte, er würde einfach an ihr vorbeigehen, doch stattdessen blieb er direkt vor ihr stehen. Seine Augen musterten sie, und seine Lippen formten ein glattes, charmantes Lächeln.
,,Guten Tag, schöne Frau, Ihre Kleidung passen gar nicht zu so einer reizenden Person.’’
Leyla erstarrte, ihre Schultern zogen sich leicht nach oben. Seine Worte waren freundlich gemeint, doch sie trafen bei ihr auf taube Ohren. Die Schmeichelei wirkte leer und unecht, und ein unangenehmes Gefühl kroch ihr den Rücken hinauf. Sie mochte es nicht, wenn Menschen versuchten, sie auf ihr Äußeres zu reduzieren, und noch weniger mochte sie es, wenn diese Menschen Adlige waren.
,,Ich entschuldige mich, aber ich muss jetzt auch wieder los’’, sagte sie kühl, in der Hoffnung, die Situation schnell zu beenden.
Doch der Mann machte keine Anstalten, ihr den Weg freizugeben. Stattdessen trat er näher, gerade genug, dass es bedrängend wirkte. Leyla spürte, wie ihre Hände feucht wurden und ihr Puls schneller schlug. Sie zwang sich, ruhig zu bleiben, obwohl Panik in ihr aufstieg.
,,Ich würde Ihnen gerne etwas kaufen. Suchen Sie sich etwas aus’’, schlug der Mann vor, als wäre das ein großzügiges Geschenk.
,,Nein danke, kein Bedarf. Lassen Sie mich jetzt bitte vorbei?’’ Ihre Stimme war angespannt, doch sie versuchte, ruhig zu bleiben.
Als der Mann weiterhin den Weg blockierte, spürte sie, wie ihre Wut die Angst verdrängte. Ihr Körper spannte sich an, bereit, notfalls zu kämpfen.
,,Ich hab gesagt, lass mich durch’’, wiederholte sie, ihre Stimme nun lauter und eindringlicher. Sie griff langsam nach dem Griff ihres Schwertes, ihre Finger tasteten nach der vertrauten Kälte des Metalls.
Bevor die Situation weiter eskalieren konnte, ertönte plötzlich eine vertraute Stimme hinter ihr:
[???] ,,Guten Morgen Leyla, ich habe mir schon gedacht, dass ich dich hier finde!’’
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Leylas Blick schoss zum Eingang, aus dem die vertraute Stimme gekommen war. Liam kam mit seinem üblichen, lässigen Grinsen auf sie zu, die Hände in die Taschen gesteckt.
,,Hat meine Freundin Euch etwa Probleme bereitet?’’ fragte Liam in einem Tonfall, der zugleich freundlich und herausfordernd klang.
Der Adlige wandte seinen Blick von Leyla ab und richtete ihn auf Liam. Für einen Augenblick schien es, als würden die beiden ein stilles Duell austragen, ihre Blicke wie Schwerter kreuzend.
Zum ersten Mal konnte Leyla den Adligen genauer betrachten: Sein kurzes, pechschwarzes Haar war makellos geschnitten, und sein Lächeln hatte etwas Kaltes, Arrogantes. Seine tiefschwarzen Augen schienen eine Mischung aus Überlegenheit und Desinteresse zu spiegeln, als ob er es gewohnt war, dass die Welt sich nach seinem Willen richtete. Um seinen Hals hing eine goldene Kette, an der ein kleiner Drache prangte.
,,Das ist doch das gleiche Symbol wie auf den Schilden der Wachen’’, dachte Leyla, während ein mulmiges Gefühl sich in ihrer Magengegend ausbreitete.
,,Ich bin gerade in einer Unterhaltung mit dieser wunderschönen Frau’’, sagte der Adlige schließlich mit einem Hauch von Abfälligkeit in der Stimme, ,,würdet Ihr uns alleine lassen, Elf?’’
Liam zeigte keinerlei Anzeichen von Sorge oder Nervosität. Stattdessen umspielte ein selbstbewusstes Lächeln seine Lippen, und seine Augen funkelten fast spöttisch. Er zuckte mit den Schultern und wandte sich ohne weitere Beachtung des Adligen an Leyla.
,,Leyla, wollen wir nicht langsam zusammen zur Taverne gehen?’’ fragte er beiläufig, als ob der Mann nicht existierte.
Der Adlige schien kurz irritiert, fing sich jedoch schnell wieder.
,,Nun, hübsche Dame, ich sehe, Ihr habt schon etwas vor. Wenn Ihr etwas braucht oder Eure Meinung ändert, kommt zum Schloss meiner Familie’’, sagte er schließlich mit einem glatten Lächeln.
Leyla spürte, wie sich ihre Anspannung in Wut verwandelte. Die Selbstgefälligkeit des Mannes war unerträglich. Doch statt sich davon einschüchtern zu lassen, erwiderte sie sein Lächeln mit einem herausfordernden Grinsen.
,,Ihr meintet doch, dass ich mir etwas aussuchen darf, nicht wahr? Oder steht Ihr nicht zu Eurem Wort?’’
Einen Moment lang schien der Adlige überrascht, doch dann nickte er langsam. ,,Natürlich. Irgendwie muss ich Euch ja von mir überzeugen.’’
Ohne zu zögern, ging Leyla zu der Figur mit der schwarzen Kleidung, die sie zuvor bewundert hatte.
,,Dann nehme ich alles, was diese Puppe anhat’’, sagte sie fest.
Der Adlige zuckte leicht mit den Mundwinkeln und bezahlte, ohne mit der Wimper zu zucken. Als er ihr die Kleidung überreichte, sagte er: ,,Wollen wir noch etwas essen gehen? Ich bin mir sicher, wir würden uns blendend verstehen.’’
,,Nö, kein Bedarf’’, antwortete Leyla scharf und drehte sich um.
Zusammen mit Liam verließ sie den Laden. Während sie die Straße entlanggingen, fragte sie sich kurz, ob es klug gewesen war, den Adligen so herauszufordern. Doch die Freude über ihre neuen Kleider und das Gefühl, ihm eins ausgewischt zu haben, ließen diese Zweifel verblassen.
Hinter ihr rief der Adlige noch: ,,Wenn Ihr irgendwann Hilfe benötigt, fragt nach Paul de Coteau.’’
Leyla drehte sich nicht um, doch als sie spürte, dass der Adlige ihnen noch immer hinterherblickte, griff sie nach Liams Hand. Liam wirkte kurz überrascht, doch er sagte nichts. Stattdessen drückte er ihre Hand leicht, und sein typisches Grinsen kehrte auf seine Lippen zurück.
,,Du machst es dir wirklich nicht einfach, was?’’, murmelte er leise, während sie weitergingen.
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Als Leyla und Liam in den ,,Drachentreff’’ eintraten, sah Leyla schon Roxy und Fer an einem der Tische sitzen. Während sie sich zu ihnen setzte, konnte sie ein selbstzufriedenes Grinsen nicht verbergen, das ihre Augen förmlich zum Funkeln brachte. Die Erinnerung an den Adligen, den sie ausgetrickst hatte, erfüllte sie mit einem warmen Gefühl der Genugtuung.
,,Du strahlst ja richtig, ist etwas Schönes passiert?’’ fragte Roxy und schob einen Becher zur Seite, um Leyla besser ansehen zu können.
,,Ich hab einen arroganten Adligen meine Kleidung bezahlen lassen und bin dann vor seinen Augen mit Liam an der Hand weggegangen. Meine neue Kleidung ist echt schön, die muss ich dir später zeigen!’’ Leyla ließ sich auf den Stuhl sinken, die Arme triumphierend verschränkt.
Roxy lächelte, während Fer eine Augenbraue hob. Beide sagten jedoch nichts dazu.
Leylas Blick fiel auf einen Zettel, der auf dem Tisch lag. Sie zog ihn näher zu sich. ,,Was ist das? Ist das von der Gilde?’’
,,Genau, unser erster Auftrag. Willst du ihn dir durchlesen?’’ Fer sprach mit vollem Mund, ein halbes Stück Brot in der Hand.
Leyla überflog den Zettel. In klarer Schrift stand darauf, dass ein Dorf im Norden der Stadt, einige Tagesreisen entfernt, von einem unbekannten und gefährlichen Monster heimgesucht worden war. Ihre Aufgabe bestand darin, diese Kreatur aufzuspüren und unschädlich zu machen.
,,Was bedeutet das ,,D’’ unten in der Ecke?’’ fragte sie Liam und deutete auf das Symbol in der Ecke des Papiers.
,,Das ist der Schwierigkeitsgrad. Da wir bisher noch keinen Auftrag gemacht haben, sind wir als Anfänger angemeldet worden.’’
,,Ah, verstehe.’’ Leyla nickte und aß rasch etwas, bevor sie sich in ihr Zimmer zurückzog. Dort zog sie ihre neuen Kleider an, die sie von Paul de Coteau bekommen hatte. Der elegante schwarze Mantel endete knapp über ihren Knien, und die eng anliegende Hose betonte ihre schlanke Silhouette. Der Hut mit der blauen Blume verlieh ihr etwas Geheimnisvolles, fast Magisches. Zufrieden betrachtete sie sich im Spiegel, bevor sie ihre Sachen packte und wieder nach unten ging.
,,Und, wie sehe ich aus?’’ fragte sie mit einem Hauch von Stolz in der Stimme, als sie sich vor den Tisch stellte.
,,Gut’’, brummte Fer knapp und biss in ein weiteres Stück Brot. Leyla schmunzelte über seine wortkarge Reaktion.
,,Das steht dir echt gut, Leyla. Du siehst wunderschön aus! Das Schwarz passt perfekt zu deinen Haaren und die Blume ist einfach zauberhaft!’’ Roxy klang begeistert und schenkte Leyla ein aufmunterndes Lächeln.
Leyla blickte zu Liam, der etwas rot im Gesicht war. Ihre Augen funkelten schelmisch, und sie beschloss, die Situation auszunutzen. Sie ging langsam auf ihn zu, beugte sich vor und kam seinem Gesicht ganz nahe.
,,Bist du nervös? Du kannst mir ruhig sagen, wie hübsch du mich findest’’, flüsterte sie und blickte ihm direkt in die Augen.
Liam hielt ihrem Blick stand, öffnete den Mund, doch bevor er etwas sagen konnte, erklang Fers Stimme: ,,Jetzt küsst euch endlich, man hält das ja kaum aus.’’
Leyla fuhr hoch, während ihre Wangen heiß wurden. ,,Ähm, so ist das gar nicht... I-Ich wollte ihn nur ein bisschen ärgern.’’
,,Jaja, red dir das ruhig ein’’, kommentierte Fer trocken.
,,Roxy, sag doch auch mal etwas.’’ Leyla wandte sich mit einem verzweifelten Blick an ihre Freundin.
Roxy zuckte grinsend mit den Schultern und stand auf. ,,Wenn ihr beide genug geflirtet habt, könnten wir aufbrechen.’’
Leyla verschränkte die Arme und schwieg den Rest des Weges zum Stadttor. Liam war ebenso still, trug aber einen seltsam zufriedenen Gesichtsausdruck. Fer und Roxy unterhielten sich derweil lebhaft über die bevorstehende Reise.
Als sie durch das Tor traten, blieb Leyla kurz stehen. Sie atmete tief ein und ließ ihren Blick über die Landschaft schweifen. Vor ihnen erstreckten sich endlose grüne Wiesen, die sanft in Hügeln auf und ab schaukelten. Der Wind spielte in den Gräsern, ließ sie wie smaragdgrüne Wellen tanzen, während der Himmel in einem klaren Blau darüber erstrahlte.
,Liam, Roxy, Fer: Kommt ihr? Lasst uns aufbrechen, zu unserem ersten richtigen Abenteuer!’’ rief Leyla voller Elan und machte den ersten Schritt ins Ungewisse.



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