top of page

Kapitel 34 - Die Leere, die folgt

30. Sept. 2024
11 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 26. Jan. 2025

Der Lupid wartete bereits ungeduldig am Stadttor, nervös auf den Füßen wippend. Seine Augen suchten unaufhörlich die Umgebung ab, während seine Hände immer wieder die Zügel seines Esels umfassten. Leyla und Roxy hatten sich beeilt, ihn nicht warten zu lassen. Kaum hatten sie den Treffpunkt erreicht, sah er zu ihnen hinüber, die Erleichterung in seinem Blick war deutlich.


„Da seid ihr ja… Ich hatte schon Angst, dass ihr es euch anders überlegt habt“, sagte er mit einer zittrigen Stimme.


Der Lupid wirkte, als würde er mit jeder vergehenden Minute panischer werden. Sein Fell war leicht gesträubt, und seine unruhigen Bewegungen machten seine Anspannung deutlich. Leyla trat einen Schritt auf ihn zu und legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter.


„Ich hab dir doch versprochen, dass wir dir helfen“, sagte sie sanft. „Wie weit ist es bis zu dem Wald?“


„Es ist nicht weit, nur einige Stunden von hier“, antwortete er und schenkte ihr ein erschöpftes, aber dankbares Lächeln. Kurz darauf schwang er sich auf seinen kleinen Esel, der geduldig neben ihm gestanden hatte.


„Wir müssen noch kurz bei den Ställen vorbeischauen. Ich will Himmel mitnehmen“, fügte Leyla hinzu und blickte in Richtung der Stallungen. Es war zwar möglich, die Strecke zu Fuß zu gehen, aber der Gedanke, ihren treuen Gefährten wiederzusehen, ließ sie kaum warten.


Nachdem Leyla und Roxy ihre Pferde abgeholt hatten, machten sie sich auf den Weg. Das vertraute Gefühl von Himmels seidigem Fell unter ihren Fingern löste eine Welle der Erleichterung in ihr aus. Sie hatte ihn vermisst – viel mehr, als sie sich selbst eingestanden hatte. Auch Himmel schien die Wiedervereinigung zu genießen, denn er trabte fröhlich neben dem Esel her.


Der Weg führte sie durch weite Felder und sanfte Hügel, die in bedrückender Stille dalagen. Selbst der Wind, der leise durch die Bäume streifte, wirkte zögerlich und zurückhaltend.


„Wie ist eigentlich dein Name?“, fragte Leyla schließlich, ihre Hände fuhren sachte über Himmels schwarzes Fell.


„Ich heiße Arne“, antwortete der Lupid, während er mit einer Hand über den Nacken seines Esels strich.


„Arne also“, wiederholte Leyla und blickte ihn aufmerksam an. „Es muss schwer für einen Lupid im Kaiserreich sein, oder?“ Die Frage kam sanft, doch der Hauch von Ungerechtigkeit, den sie selbst empfand, schwang in ihrer Stimme mit. Es war ein Teil dieser Welt, den sie nie akzeptieren konnte – dass Wesen wie Arne nur wegen ihrer Andersartigkeit verachtet wurden.


Arne zögerte, bevor er leise antwortete: „Nun ja, wir haben es schon schwerer. Wir kriegen kaum Arbeit, und, wie du vorhin gesehen hast, behandeln uns die Wachen und Soldaten oft schlecht. Aber Anja und ich… wir kommen ganz gut durch.“


Leyla spürte, wie sich ihr Herz bei seinen Worten zusammenzog. „Anja ist dann wohl seine Frau“, dachte sie, während sie ihren Blick nachdenklich auf die Straße richtete.


„Und? Seid ihr beide glücklich miteinander?“, fragte Roxy unvermittelt und durchbrach die Stille, die nur vom sanften Hufgetrappel begleitet wurde.


„Ja, sehr sogar“, sagte Arne, doch seine Stimme zitterte. „Wir kennen uns erst seit einem Jahr, aber ich weiß, dass ich ohne sie nicht mehr leben könnte. Wir wollten eine Familie gründen…“ Seine letzten Worte waren kaum mehr als ein Flüstern, und die Angst, die in seinen Augen aufblitzte, sprach Bände.


Die Sonne warf goldenes Licht durch die dichten Baumkronen, und die Schatten der Äste tanzten auf dem Waldboden. Das leise Rascheln von Laub unter den Hufen und das Zwitschern der Vögel begleiteten sie auf ihrem Weg. Doch trotz der natürlichen Schönheit, die sich in Leylas Augen widerspiegelte, des Waldes lag eine spürbare Spannung in der Luft – als ob der Wald selbst ihre Sorge teilte.


Leyla lenkte ihren Blick wieder zu Arne und sprach mit fester Stimme: „Keine Sorge, Arne. Roxy und ich werden alles tun, um deine Frau zurückzubringen. Das verspreche ich dir – und ich halte meine Versprechen.“


Arne nickte langsam, als ob er Leylas Worte in sich aufnahm. Sein Blick war voller Hoffnung, während sie tiefer in den Wald ritten, das Versprechen der Rettung wie ein Licht in der bedrückenden Dunkelheit.



--------------------------------------------------------------------------



„Hier habe ich den Hut meiner Frau gefunden“, sagte Arne, seine Stimme zitterte vor Angst und Verzweiflung. Mit bebenden Händen zog er den Hut aus seinem Beutel. Leylas Blick wanderte zu den Blutspritzern auf dem Boden, die wie stille Zeugen des Geschehens wirkten.


Sie kniete sich hin, um die Umgebung genauer zu betrachten, in der Hoffnung, eine Spur zu finden. „Wenn Liam doch nur hier wäre“, dachte sie mit einem Anflug von Traurigkeit. Er hatte die Fähigkeit, Dinge zu erkennen, die ihr verborgen blieben. Der Gedanke an seine Abwesenheit ließ eine Welle der Hilflosigkeit über sie rollen, doch sie schüttelte sie entschlossen ab. Sie musste tun, was in ihrer Macht stand.


Leyla seufzte leise. „Ich kann nicht sehen, wohin die Blutspuren führen“, gestand sie mit einem Anflug von Frustration.


Roxy verschränkte die Arme und musterte die Umgebung. „Wir müssen wohl oder übel die Gegend Stück für Stück absuchen“, stellte sie fest und richtete ihren Blick auf Arne. „Kannst du auf Himmel und Rost aufpassen, während wir suchen?“


Arne nickte und nahm die Zügel entgegen, seine Bewegungen waren steif vor Anspannung. Leyla trat noch einmal zu Himmel, streichelte ihm den Kopf und flüsterte leise: „Ich bin bald wieder da. Pass bitte gut auf Arne und Rost für mich auf, okay?“


Himmel hob den Kopf, schnaubte sanft und stieß Leylas Hand leicht mit seiner Schnauze an. Es war, als wollte er ihr versichern, dass er verstanden hatte. Die kurze Verbindung zu ihrem treuen Gefährten beruhigte sie, bevor sie sich zusammen mit Roxy auf den Weg machte.


Zuerst suchten sie die Wege ab, die von der Lichtung wegführten, doch die Suche brachte keine Ergebnisse. Frustriert und unermüdlich begannen sie, die schwer zugänglichen Bereiche des Waldes zu durchforsten. Das Dickicht schien jede Spur zu verschlucken, und die Minuten zogen sich qualvoll in die Länge.


„Das gibt’s doch nicht…“, murmelte Leyla, ihre Stimme von Unruhe durchzogen. Mit jeder weiteren verstrichenen Minute zog sich ihr Magen noch fester zusammen. Die Unsicherheit und die stumme, bohrende Angst, was mit Anja geschehen sein könnte, nagten an ihr.


Roxy schob eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht und seufzte schwer. Ihre Augen wirkten müde, doch ihre Stimme blieb ruhig. „Es bleibt eigentlich nur noch das Tal im Süden.“


Leyla nickte stumm, und die beiden setzten ihren Weg fort. Das kleine Tal lag düster und unheilvoll vor ihnen, umrahmt von hohen Felsen und Baumkronen, die kaum Licht durchließen. Es schien ein Ort zu sein, an dem die Welt ihre Schatten verbarg. Sie erreichten einen Vorsprung, von dem aus es steil nach unten ging.


Leyla trat an den Rand des Vorsprungs und warf einen Blick hinunter. Das Tal wirkte wie ein undurchdringliches Geheimnis, doch etwas weiter unten, zwischen den Schatten und Felsen, entdeckte sie etwas, das ihr den Atem raubte. Ihr Herz setzte für einen Moment aus, und ein eisiger Schauer lief ihr über den Rücken.


Sie spürte, wie ihre Finger sich fest um den Griff ihres Schwertes schlossen. „Roxy“, brachte sie mit gedämpfter Stimme hervor und deutete nach unten. „Da unten… siehst du das auch?“



--------------------------------------------------------------------------



Drei Männer saßen um ein prasselndes Lagerfeuer. In ihren Händen hielten sie Fleischkeulen, während sie lachten und redeten. Die Szenerie wirkte beinahe banal, hätte da nicht einige Meter weiter die grausame Realität gelegen. Neben einem kleinen See lag eine Lupidenfrau am Boden. Ihr zerrissenes Kleid war blutgetränkt, ihre Beine offensichtlich gebrochen. Leyla musste nicht dabei gewesen sein, um zu wissen, welche Grausamkeiten dieser Frau angetan worden waren.


Ihr Atem stockte, als sie die reglose Gestalt erblickte. Die Welt schien für einen Moment stillzustehen, und Leyla spürte, wie ihre Knie schwach wurden. Sie musste sich an einem Baum abstützen, um nicht umzufallen. Der Anblick trieb ihr die Luft aus den Lungen, und eine kalte Welle der Hilflosigkeit überkam sie.


Roxy legte ihr eine Hand auf die Schulter. Leyla drehte sich langsam zu ihr um und blickte in das vor Wut verzerrte Gesicht ihrer Freundin. Roxys Augen funkelten vor Zorn, ihre Hände zitterten leicht, und ihre Kiefermuskeln waren so angespannt, dass es aussah, als müsse sie sich zurückhalten, um nicht sofort loszustürmen.


„Lass uns die Wichser erledigen“, zischte Roxy. Ihre Stimme war nicht mehr als ein Flüstern, doch der Hass darin war greifbar.


Leyla sah Roxy an und spürte ein Unbehagen. Diese unkontrollierte Wut war ihr fremd. Normalerweise war Roxy diejenige, die Ruhe bewahrte, die besonnen blieb. Jetzt schien sie von einer ungezügelten Rage überwältigt, die Leyla fast mehr Angst einjagte als die Männer vor ihnen.


„Ich stimme dir zu“, sagte Leyla mit ruhiger Stimme. „Aber du musst dich beruhigen, Roxy.“


Zunächst schien es, als würden Leylas Worte nicht zu ihr durchdringen, doch als sie ihre Freundin in eine Umarmung zog, begann Roxys Zorn allmählich nachzulassen. Leyla hielt sie fest, spürte die angespannte Wärme ihres Körpers und flüsterte beruhigend: „Wir schaffen das, aber nicht so. Wir müssen überlegt handeln.“


Langsam entspannte sich Roxys Haltung. Ihr Atem wurde ruhiger, und schließlich erwiderte sie die Umarmung, als suche sie Halt. „Danke, Leyla…“, murmelte sie leise.


„Ist schon okay. Wir ziehen das durch, aber bedacht. Wir werden sie zur Rechenschaft ziehen und Anja retten, das verspreche ich dir.“ Leyla lächelte leicht, um ihrer Freundin Mut zu machen.


Roxy nickte dankbar, ihr Gesicht wieder gefasster, bevor sie vorausging. Lautlos schlichen die beiden um das Tal herum, suchten nach einer besseren Position. Der steile Abhang war rutschig, und jeder Schritt auf den Felsen ließ die Spannung steigen. Das leise Knacken von Zweigen unter ihren Füßen hallte wie ein Mahnmal in der stillen Umgebung.


Als sie unten ankamen, versteckten sie sich hinter einem großen Strauch. Leyla spähte vorsichtig durch das dichte Blattwerk. Die Stimmen der Männer drangen zu ihnen, lallend und laut.


„Meinst du, ich kann gleich noch mal eine Runde mit der Hündin Spaß haben?“, fragte einer der Männer mit einem ekelerregenden Unterton in der Stimme.


„Du kriegst auch wirklich nicht genug, oder? Das wievielte Mal ist das jetzt?“, antwortete ein anderer und lachte dreckig. „Du holst dir noch Flöhe, du Idiot.“


Das widerliche Gelächter kroch Leyla wie Gift unter die Haut. Sie spürte, wie sich ihr Magen zusammenkrampfte und ihr Herz schneller schlug. Der Abscheu, der in ihr brodelte, war kaum zu bändigen. Diese Männer hatten kein Recht, noch einen Atemzug zu tun, geschweige denn, die Frau noch einmal anzurühren.


Das Unheil, das die Männer angerichtet hatten, würde heute enden. Leyla und Roxy würden sicherstellen, dass Gerechtigkeit geschah.



--------------------------------------------------------------------------



Das Lagerfeuer flackerte unruhig, als ob es die drohende Gefahr spüren würde. Die Dunkelheit des Waldes umschloss das Lager wie eine schwere Decke, und die Stille wurde nur gelegentlich durch das entfernte Rascheln von Blättern durchbrochen. Die Männer lachten und tranken, ahnungslos, dass ihr Ende bereits in der Luft lag.


„Ich greife sie von links an. Wenn sie sich auf mich fokussieren, greifst du sie von rechts an“, flüsterte Roxy mit einem Blick, der vor Entschlossenheit brannte.


Leyla nickte stumm. Es war ihr erster richtiger Kampf gegen Menschen. Zwar hatte sie mit Maegnar bereits gegen einen „menschlichen“ Gegner gekämpft, doch bei ihm hatte es sich mehr wie ein Kampf gegen ein Monster angefühlt. Diesmal war es anders. Sie würde gegen Menschen kämpfen – und sie möglicherweise töten. Der Gedanke daran zog ihren Magen zusammen, und ein kaltes Gewicht legte sich auf ihre Brust. Doch sie wusste, dass sie keine Wahl hatte.


Ihre Nervosität wuchs mit jedem Atemzug, aber die Zeit für Zweifel war vorbei. Roxy war bereits aufgesprungen. Ihre Augen brannten vor Zorn, doch ihre Schritte waren fest und entschlossen, als sie auf die Männer zustürmte. Jeder Muskel ihres Körpers war angespannt, bereit, ihre Wut in einen tödlichen Schlag zu verwandeln.


„Ihr Bastarde! Wie könnt ihr einer Frau so etwas antun und dann noch darüber lachen?!“ Roxys Stimme schnitt wie ein Messer durch die Nacht.


Die Männer drehten sich überrascht zu ihr um. Einer von ihnen grinste breit. „Wer bist du denn? Was willst du von uns?“ Seine Worte tropften vor Arroganz, und sein Blick wanderte über Roxy. „Aber ich hab nichts gegen Abwechslung. Du kommst wie gerufen!“


Leyla nutzte den Moment der Ablenkung und schlich lautlos um die drei Männer herum. Ihr Herz pochte heftig in ihrer Brust, doch ihre Schritte blieben leise und bedacht.


Roxy zog ihr Schwert und stürmte auf einen der Männer zu. Der ließ die Fleischkeule in seiner Hand fallen und griff hastig nach der Axt an seinem Gürtel. Auch die anderen beiden zogen ihre Waffen, bereit, sich zu verteidigen.


Leyla, die sich unbemerkt hinter den hintersten Mann geschlichen hatte, zog nun ebenfalls ihr Schwert. Sie machte einen Satz nach vorn, und mit einem gezielten Stoß bohrte sich die Klinge in seinen Rücken, genau dort, wo sein Herz saß. Sie spürte den Widerstand, als ihr Schwert das Fleisch durchdrang, und warmes Blut spritzte auf ihre Hände.


Ein Teil von ihr wollte zurückschrecken, doch sie hielt den Griff fest und drückte die Klinge tiefer. Der Mann stieß ein gurgelndes Geräusch aus, und Blut lief ihm aus dem Mund, während er versuchte, etwas zu sagen. Doch es war zu spät – er tat seinen letzten Atemzug und brach leblos zusammen.


Roxy kämpfte bereits gegen den Mann, der ihr am nächsten war. Mit einer schnellen, fließenden Bewegung ließ sie ihr Schwert durch die Luft sausen. Die Klinge schnitt sauber durch seinen Hals, und mit einem dumpfen Geräusch fiel sein Kopf zu Boden, während sein Körper leblos zusammensackte.


Nur noch einer war übrig – der Mann, der so widerlich über Anja gesprochen hatte. Panik spiegelte sich in seinen Augen, als er realisierte, dass er allein war. Seine Axt fiel klirrend zu Boden, und er warf sich auf die Knie, während er rückwärts krabbelte.


„Bitte, tut mir nichts! Es war doch alles nicht so ernst gemeint. Sie… sie hat uns verführt! Ja, genau, sie wollte das alles!“


Leyla war fassungslos. Nicht nur hatte er einer hilflosen Frau solche Grausamkeiten angetan, jetzt wagte er auch noch, ihr die Schuld zu geben. Ekel, Hass und Abscheu überkamen sie, und sie konnte ihren Blick nicht von ihm abwenden.


Roxy trat einen Schritt nach vorne, ihr Schwert fest in der Hand. Ihre Stimme war kalt und schneidend. „Hätte es auch nur einen Funken Reue in dir gegeben, hätte ich dich vielleicht den Wachen überlassen. Aber deine Seele ist so verdorben wie dein Herz…“


Der Mann schrie vor Panik und versuchte, sich weiter zurückzuziehen, doch es gab kein Entkommen. Mit einem einzigen, tödlichen Stoß durchbohrte Roxy sein Herz. Sein letzter Blick war eine Mischung aus Verzweiflung und Entsetzen, bevor er reglos zu Boden sank.


Als der letzte der Männer fiel, fühlte Leyla, wie eine eisige Leere in ihr aufstieg. Sie hatte getötet. Auch wenn es notwendig gewesen war, lastete die Schwere dieser Taten wie ein Stein auf ihrer Seele. Ihr Herz hämmerte in ihrer Brust, und ihr Atem ging schwer, während die Realität auf sie einprasselte. Sie spürte, wie ihre Hände zitterten, doch sie zwang sich, ruhig zu bleiben.


Roxy sah sie an, ihre Augen noch immer erfüllt von einer Mischung aus Zorn und Traurigkeit. „Wir müssen nach ihr sehen“, sagte sie leise, fast flüsternd. Leyla nickte stumm, ihr Blick glitt zu den reglosen Gestalten am Boden.


--------------------------------------------------------------------------



Leyla stand wie betäubt da, ihre Augen auf die reglosen Körper vor ihr gerichtet. Die Welt um sie herum schien sich aufzulösen, während ein einziger Gedanke durch ihren Kopf hämmerte: „Ich habe einen Menschen getötet. ICH HABE EINEN MENSCHEN GETÖTET!“


Die Worte hallten wider, wieder und wieder, wie ein endloser, unerbittlicher Widerhall. Ihre Brust fühlte sich eng an, und mit jedem Atemzug schien die Luft schwerer zu werden. Die Frage, ob es keinen anderen Weg gegeben hätte, fraß sich wie ein giftiger Dorn in ihren Geist. Hätte sie die Männer aufhalten können, ohne zu töten? Der Zweifel nagte an ihr, bohrte sich tief in ihre Seele.


Ihr Inneres schien in tausend Stücke zu zerspringen. Ihre Knie gaben nach, und sie sackte kraftlos zu Boden. Tränen strömten aus ihren Augen, während ihr Körper vor Schluchzen bebte. Ihre Brust hob und senkte sich in rasendem Tempo, und ihr Herz schien jeden Moment zerspringen zu wollen. Der Boden unter ihr schien zu schwanken, ihr Magen krampfte sich schmerzhaft zusammen, bis sie sich schließlich übergab.


Die Welt um sie herum verlor jede Bedeutung. Sie war allein mit dem bodenlosen Abgrund ihrer Gedanken, gefangen in einem Chaos aus Schuld und Selbsthass. Die Realität war wie ein ferner, unerreichbarer Traum.


„Was habe ich getan? Was habe ich getan? WAS HABE ICH GETAN?“


Die Worte wirbelten durch ihren Kopf wie ein tosender Sturm. Sie konnte sie nicht stoppen, nicht einmal für einen Augenblick. Ein schrilles Pfeifen begann in ihren Ohren, erst leise, dann immer lauter, bis es fast unerträglich wurde. Es war, als würde ein unsichtbarer Dolch sich durch ihren Kopf bohren.


Plötzlich hörte sie Roxys Stimme, ein leises Flüstern, das durch die Dunkelheit ihres Geistes drang. „Leyla?“ Die Stimme war wie ein Seil, das sie zurück ins Hier und Jetzt ziehen wollte, doch die Worte, die folgten, stießen sie erneut in den Abgrund.


„Sie atmet nicht mehr…“


Die Bedeutung dieser Worte schnitt durch die Lähmung, die sie umgab, wie ein Messer. Leylas Atem stockte, und ein Gefühl von Panik verschlang sie. Ihre Umgebung verschwamm, und ihr Körper fühlte sich plötzlich schwer und fremd an. Alles wurde dunkel, während sie das Bewusstsein verlor.

 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page