Kapitel 46 - Aufbäumen
- empirewebnovel
- 25. Dez. 2024
- 10 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Feb. 2025

Einen Augenblick standen sie einfach nur da, wie eingefroren. Leyla spürte, wie ihre Wut erneut in ihr aufkochte, wie Lava, die kurz davor war, aus einem Vulkan auszubrechen. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten, die Fingernägel gruben sich in ihre Handflächen, doch der Schmerz war nebensächlich. Alles, was sie fühlte, war ein brennender Hass, der sich auf die Frau vor ihr richtete.
Bournadette Lacroix. Die Kaiserliche Kopfgeldjägerin stand mit einem überheblichen Lächeln vor ihr, als würde sie das Chaos um sie herum nicht im Geringsten beeindrucken. Ihr rotes Gewand war makellos, ohne einen einzigen Kratzer oder einen Hauch von Staub, als hätte sie den Einsturz des Tempels nicht nur überlebt, sondern wäre davon unberührt geblieben. Ihre Augen musterten Leyla abschätzend, fast wie ein Jäger, der seine Beute taxiert.
Leylas Atem ging schwer, während ihr Blick für einen Moment auf ihren Händen verweilte. Die braunen Linien auf ihrem Finger erinnerten sie an den Stein – den seltsamen, kraftvollen Stein, den sie berührt hatte.
,,Hat der Stein mir diese Macht geschenkt? Was hat es damit auf sich?’’
Doch die Gedanken waren wie ein flüchtiger Schatten. Leylas Wut fraß sie auf, ließ ihr keinen Raum für Zweifel oder Überlegung. ,,Egal’’, dachte sie. Alles, was zählte, war die Frau vor ihr. Die Frau, die für alles, was passiert war, verantwortlich sein musste.
Mit einem lauten Schrei sprang sie vor, ihr Körper war eine einzige Bewegung aus Zorn und Entschlossenheit. Der Kampf begann.
--------------------------------------------------------------------------
Leyla schoss mit einem wütenden Schrei auf Bournadette zu, ihr Schwert blitzte im Licht des Kraters. Sie führte einen kraftvollen Schlag aus, doch Bournadette bewegte sich mit einer mühelosen Eleganz. Mit einem schnellen Aufblitzen ihrer Dolche parierte sie Leylas Angriff und setzte im selben Atemzug einen Schlag mit dem Knauf ihres Dolches direkt in Leylas Bauch.
Der Schmerz war scharf und lähmend, doch anstatt sie zurückzuweichen zu lassen, trieb er Leyla nur noch weiter an. Ein wilder Sturm aus Hieben und Stichen prasselte auf Bournadette ein, Leylas Bewegungen wurden schneller, unkontrollierter. Doch nichts schien die Kopfgeldjägerin zu treffen. Jeder Schlag, den sie nicht abwehrte, schien auf unerklärliche Weise ins Leere zu gehen, als ob ihr Körper von einer unsichtbaren Kraft geleitet wurde.
,,Was ist das für eine Fähigkeit?’’ fragte Leyla sich, während ihr Atem schneller ging und ihre Bewegungen schwerer wurden. ,,Wenn ich sie nicht treffen kann verliere ich…’’
Bournadette hingegen blieb ruhig, fast spöttisch. In größeren Abständen setzte sie gezielte Gegenangriffe – ein Tritt, ein Knaufschlag, sogar eine Kopfnuss. Doch keiner dieser Angriffe war wirklich gefährlich. Sie verletzte Leyla nicht ernsthaft, sondern schien mit ihr zu spielen, als ob sie sie testen wollte.
Das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, machte Leyla wütender und wütender. Sie biss die Zähne zusammen und sprang einige Meter zurück, ihre Brust hob und senkte sich schnell, während sie schwer atmete.
,,Wenn ich diesen Krater erschaffen habe, dann müsste meine Erdmagie ja stärker sein…’’ dachte Leyla, während sie ihre Hand hob. Sie sammelte ihre Kraft, fokussierte ihr Mana und wollte einen Steinsplitter aus ihrer Handfläche auf Bournadette schießen.
Doch etwas war anders. Sie konnte fühlen, wie das Mana in ihre Hand floss, doch anstatt eines kleinen Projektils formte sich ein massiver Steinspeer. Leylas Augen weiteten sich, als der Speer immer größer wurde, bis sie ihn schließlich mit aller Kraft abschoss.
Der Rückstoß war so heftig, dass sie rückwärts geschleudert wurde und hart auf dem Boden aufprallte. Der Steinspeer raste mit ohrenbetäubender Geschwindigkeit auf Bournadette zu, doch diese wich ohne Probleme aus. Das Projektil schlug mit einem lauten Knall in die Trümmer am Rande des Kraters ein.
—WUMM—
Ein donnernder Knall erfüllte die Luft, gefolgt von einem massiven Luftstoß, der den Boden unter Leyla erzittern ließ. Steinbrocken, Holzstücke und Staub wurden in alle Richtungen geschleudert und regneten als tödliche Geschosse auf den Boden herab.
Leyla knirschte mit den Zähnen. ,,Scheiße, ich kann die Kraft nicht kontrollieren…’’ fluchte sie, während sie sich keuchend aufrappelte.
Bournadette lachte spöttisch. ,,Ich weiß nicht, woher du auf einmal so eine riesige magische Kraft hast, aber solange du damit nicht umgehen kannst, wirst du mich nicht treffen können.’’
Ihr Lächeln war kalt, arrogant, und in ihren Augen funkelte eine Mischung aus Neugier und Amüsement. Für sie war Leyla kein Gegner, sondern ein Spielzeug – ein Spielzeug mit zu viel Kraft und zu wenig Kontrolle.
--------------------------------------------------------------------------
,,Was ist das für eine Technik? Wieso treffen meine Angriffe dich nicht?’’ rief Leyla atemlos. Der Schmerz und die Anstrengung zogen an ihrem Körper, aber sie zwang sich, aufrecht zu bleiben. Wenn Bournadette sie weiterhin nur testete, sollte sie diese Gelegenheit nutzen, um sich etwas zu erholen – und eine Strategie zu finden.
,,Wer weiß?’’ erwiderte Bournadette mit einem schmalen Grinsen, während sie Leyla mit einem herausfordernden Blick musterte. ,,Vielleicht verrate ich es dir, wenn du einen Angriff landen kannst.’’
Leyla biss die Zähne zusammen und spürte, wie die Wut wieder in ihr aufloderte. Ohne eine Antwort zu geben, stürmte sie erneut auf Bournadette zu. Diesmal jedoch konzentrierte sie sich nicht nur auf ihr Schwert. Während sie ausholte, richtete sie ihren Fokus auf einen großen Felsen neben ihrer Gegnerin. Sie ließ ihn mit einem gedanklichen Befehl auf Bournadette zuschießen.
Der Felsen zischte durch die Luft, doch Bournadettes Bewegungen waren immernoch sauber und mühelos. Sie parierte Leylas Schwertangriff mit ihren Dolchen, und ihr Körper schien sich auf unnatürliche Weise um den Felsen herumzuwinden, als ob sie keine Knochen im Körper hätte. ,,Das ist nicht normal’’, dachte Leyla. ,,Kein menschlicher Körper kann sich so bewegen…’’
Leyla drückte ihre Ferse in den Boden, und eine massive Steinsäule brach unter ihren Füßen hervor und katapultierte sie in die Luft. Sie plante, von oben anzugreifen, wo Bournadette vielleicht ungeschützter war. Doch die Kraft der Säule war unkontrolliert. Leyla wurde mehr als fünfzehn Meter in die Höhe geschleudert, viel höher, als sie beabsichtigt hatte.
Ein Schwindelgefühl überkam sie, als sie den Boden unter sich immer kleiner werden sah. Doch die Angst wich ihrer Entschlossenheit. Sie dachte nicht daran, ihren Angriff abzubrechen.
Noch während sie fiel, begann sie, ihre Magie erneut zu formen. Unzählige Steinspeere manifestierten sich um sie herum, schwebten wie ein tödlicher Ring in der Luft. Mit einem gedanklichen Impuls ließ sie sie auf Bournadette niederregnen, jeder Speer zielte auf eine andere Stelle, um ihre Gegnerin zu überfordern.
Doch das war nicht alles. Leyla konzentrierte sich erneut und spürte, wie das nicht endende Mana aus ihrem Körper floss. ,,Der Boden soll beben’’, dachte sie, und zu ihrer Erleichterung gehorchte die Erde. Das Beben war intensiv, ließ Steine vom Rand des Kraters brechen und den Boden wie eine lebende Masse zittern.
Leyla stürzte mit rasender Geschwindigkeit in Richtung des Bodens, ihr Schwert auf Bournadettes Brust gerichtet. Die Hitze der Anstrengung ließ ihre Sicht verschwimmen, doch sie ignorierte den Schmerz in ihren Muskeln und die unkontrollierbare Wut in ihrem Inneren. Alles, was zählte, war, diese Frau zu treffen – sie irgendwie zu stoppen.
,,Egal, wenn ich hier verletzt werde’’, dachte sie, als der Boden immer näher kam. ,,Egal, wenn ich hier sterbe.’’
--------------------------------------------------------------------------
Bournadette schien für einen Moment überrascht, bevor ein wütender Ausdruck ihr Gesicht verzerrte. Ihre Augen funkelten gefährlich, und mit einer schnellen Bewegung ließ sie ihre Dolche fallen. Ohne zu zögern sprang sie Leyla entgegen. Leyla, die mit solch einer direkten Reaktion nicht gerechnet hatte, hielt ihr Schwert trotzdem fest auf die heranstürmende Frau gerichtet.
Doch Bournadette überraschte sie erneut. Mit einer schockierenden Mischung aus Kraft und Geschick packte sie die Klinge des Schwertes, ohne zu zögern, und zog Leyla mit einem kräftigen Ruck zu sich heran. Der scharfe Klang von Metall gegen Fleisch hallte durch die Luft, doch Bournadette zeigte keine Anzeichen von Schmerz.
In einer fließenden Bewegung stieß sie sich mit den Füßen von einem herabstürzenden Steinspeer ab und drehte sich in der Luft. Die beiden Frauen landeten hart auf dem Boden, einige Meter entfernt von der Stelle, an der Leylas mächtige Zauber kollidierten und eine ohrenbetäubende Explosion auslösten. Eine massive Staub- und Steinwolke hüllte den Bereich ein, das Echo des Aufpralls hallte über den Krater.
Bournadette nutzte die Gelegenheit und schleuderte Leyla mit brutaler Kraft auf den Boden. Leyla spürte den harten Aufprall in jedem Knochen, doch bevor sie reagieren konnte, trat Bournadette mit voller Wucht auf ihre linke Hand.
— KNACK —
Ein durchdringendes Knacken erfüllte die Luft, und Leyla schrie auf, ihre Stimme hinterließ ein rohes, von Schmerz erfülltes Echo. Der Schmerz war überwältigend, heiß und stechend, wie ein Messer, das durch ihre Nerven schnitt.
Bournadette sah auf sie herab, ihre Stimme kalt und schneidend. ,,Wieso wirfst du dein eigenes Leben so leicht weg? Du hast so eine große Kraft geschenkt bekommen und nun willst du dich umbringen, nur um mich einmal zu treffen.’’
Leylas Sicht verschwamm, ihr Kopf drehte sich, doch sie weigerte sich aufzugeben. Sie hob langsam ihren Blick und starrte Bournadette an. Ein grimmiges Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, und sie hob ihre unverletzte Hand, um auf Bournadette zu zeigen.
,,Ich hab dich verletzt’’, sagte sie mit einem schwachen, aber triumphierenden Ton. ,,Deine Hand blutet.’’
Für einen Moment starrte Bournadette auf ihre eigene Hand, wo ein dünner Blutfaden aus einer Schnittwunde floss. Ihre Augen weiteten sich, und dann begann sie zu lachen. Es war ein ehrliches, tiefes Lachen, das den angespannten Moment durchbrach und die Luft erfüllte.
,,Ja, ja, das hast du’’, antwortete sie schließlich und warf Leyla ihr eigenes Schwert zu. Es landete klirrend neben ihr auf dem Boden. Bournadette wandte sich um und trat zu einem nahegelegenen Trümmerhaufen. Dort zog sie ein weiteres Schwert aus den zerbrochenen Überresten und betrachtete es mit einem kurzen, prüfenden Blick.
,,Greif mich nochmal an’’, sagte sie und richtete das Schwert auf Leyla. Ihre Stimme war ruhig, aber durchdrungen von einer gefährlichen Entschlossenheit. ,,Dieses Mal werde ich nicht nur ausweichen.’’
--------------------------------------------------------------------------
Langsam richtete sich Leyla auf. Jeder Muskel in ihrem Körper schmerzte, und ihre Bewegungen waren schwerfällig, als würde jede Faser ihres Seins gegen sie arbeiten. Sie atmete tief durch, während sie die Situation das erste mal richtig erfasste. Sie hatte mittlerweile verstanden, dass sie keine Chance hatte – zumindest nicht mit den Methoden, die sie bisher versucht hatte. Ihre normalen Fertigkeiten hatten sie nicht weit gebracht, und die rohe Erdmagie hatte sie mehr verletzt als Bournadette.
Mit zittrigen Händen hob sie ihr Schwert vom Boden auf und ließ ihren Blick auf der Frau vor ihr ruhen. Bournadette stand mit ihrem charakteristischen Grinsen da, als hätte sie diesen Kampf schon längst gewonnen. Leyla schloss die Augen und atmete tief ein. In diesem Moment schlich sich ein Gedanke voller Trauer in ihren Kopf: ,,Hoffentlich geht es Roxy und Liam gut…’’
Als sie ihre Augen wieder öffnete, funkelte in ihnen eine neue Entschlossenheit. Sie hob das Schwert und richtete es auf Bournadette. Die Kopfgeldjägerin erwiderte die Geste mit einem leichten Nicken. Fer hatte Leyla einst erzählt, dass dieser Austausch ein Ausdruck von Respekt in einem Duell war.
Trotz der negativen Gefühle, die Leyla für Bournadette empfand, verspürte sie jetzt auch eine gewisse Achtung. Es waren Bournadettes Worte gewesen, die sie daran erinnert hatten, dass sie leben wollte. Nicht noch einmal würde sie ihr Leben durch unkontrollierte Angriffe gefährden.
Ihr ganzer Körper war übersät von Schürfwunden und Schnitten, und ihr schwarzes Kleid, das Geschenk von Paul, hing in Fetzen. ,,Wie schade’’, dachte Leyla wehmütig, während ihr Blick kurz über den Stoff glitt. Ihre linke Hand pochte heftig, und die Finger standen in unnatürlichen Winkeln ab. Doch da fiel es ihr auf: Das Pochen in ihrer Schläfe, das vor der Absorption des Steins begleitet hatte, war verschwunden. Ein seltsames Gefühl der Ruhe durchströmte sie.
Mit einem Kampfschrei stürmte sie auf Bournadette zu und holte zum Schlag aus. Die Kopfgeldjägerin reagierte sofort, ebenfalls mit einem Angriff. Die Klingen der beiden Frauen zischten durch die Luft, doch Leyla hatte einen Plan. Im letzten Moment schoss ein kleiner Stein von Leylas Magie gelenkt auf Bournadettes Hand zu. Zwar wich die Hand wie von selbst aus, doch die Ablenkung reichte aus. Bournadette konnte Leylas Schlag nicht vollständig parieren.
Wie erwartet begann Bournadettes Körper, der Klinge instinktiv auszuweichen. Doch Leyla war vorbereitet. Mit einem weiteren Gedankenbefehl ließ sie den Boden unter Bournadette aufreißen. Ein tiefes Donnern erfüllte die Luft, während eine breite Schlucht sich zwischen den beiden auftat.
Leyla erschuf eine Erdsäule unter sich, die sie zur Seite schleuderte, weg vom tobenden Chaos. Unsanft landete sie am Rand der neu geformten Schlucht, ihre Arme und Beine schmerzten noch stärker vom Aufprall.
,,Hab ich es geschafft? Ist sie runtergestürzt?’’ fragte Leyla sich keuchend, Hoffnung flackerte in ihren Augen. Sie kroch vorsichtig zum Rand der Schlucht und blickte in die Tiefe. Dort, einige Meter unter ihr, sah sie Bournadette. Die Kopfgeldjägerin hatte ihr Schwert in die Wand gestoßen und hielt sich mit einer Hand daran fest. Ihre rote Kleidung war leicht zerrissen, doch sie wirkte immer noch entschlossen.
Leyla hob ihre unverletzte Hand, bereit, die Schlucht wieder zu schließen und alles zu beenden. Doch gerade als sie die Magie spürte, die in ihr aufstieg, begann sich alles um sie zu drehen. ,,Huch? Wieso ist mir so schwind—’’ flüsterte sie noch, bevor sie ohnmächtig zusammenbrach.
Bournadette nutzte den Moment. Mit einer fließenden Bewegung zog sie sich aus der Schlucht und landete auf sicherem Boden. Sie blickte auf Leylas bewusstlosen Körper und seufzte. Ohne ein weiteres Wort hob sie Leyla an der Taille hoch und trug sie davon.
--------------------------------------------------------------------------
Bournadette blieb am Rand des Kraters stehen, ihre Augen ruhten auf der gewaltigen, zerstörten Landschaft vor ihr. Der einst malerische Ort war jetzt eine Szene purer Verwüstung, und inmitten all dessen dachte sie nur an eines: Dieses Mädchen, Leyla.
,,Sie hat Kräfte entwickelt, die weit über das hinausgehen, was ein normaler Mensch beherrschen sollte’’, dachte sie, während ihre Finger leicht über den Knauf einer ihrer Dolche glitt. Sie hatte nur einen nach dem Kampf wiederfinden können. „Ihre Erdmagie übersteigt sogar die eines Großmeisters. Und die von Varragil.“
Ihr Blick verharrte für einen Moment auf den immer noch rauchenden Trümmern, dann sprach sie leise, als würde sie mit sich selbst reden: ,,Wie hat sie so schnell die Stärke gewonnen… Vielleicht kann er mir dabei helfen, das herauszufinden…’’
Mit einem leichten Kopfschütteln wandte sie sich von der Zerstörung ab und ging zu ihrer Kutsche, die in sicherer Entfernung auf sie wartete. Sie legte Leylas bewusstlosen Körper vorsichtig auf die Rückbank und zog aus einem Lederbeutel ein Paar magieversiegelnde Handschellen. Die goldenen Runen auf den Manschetten glühten leicht, als sie Leyla sie anlegte.
Ein zufriedenes Lächeln legte sich auf ihr Gesicht. ,,Jetzt wird sie keine Magie mehr anwenden können’’, murmelte sie.
Während sie die Kutschentür zuschlug, wanderten ihre Gedanken in die Zukunft. Sie würde Leyla in die Kaiserstadt bringen, wo die besten Magieforscher den plötzlichen Kraftanstieg der blauhaarigen Frau untersuchen konnten. Doch das war nicht ihr einziges Ziel. Bournadette fühlte, wie ein Funken Wärme in ihrem Inneren aufstieg – ein vertrautes Gefühl, das sie jedes Mal empfand, wenn sie an ihn dachte: Kronprinz Eugenius.
,,Vielleicht wird ihm die Macht nutzen können’’, dachte sie, während ein Hauch von Zuneigung über ihr Gesicht huschte. Leyla war kein gewöhnlicher Fang – sie war ein Schlüssel zu etwas Größerem.
Sie lehnte sich zurück und ließ ihren Blick ein letztes Mal auf den Krater schweifen. Der Elf, den sie eigentlich gejagt hatte, war längst aus ihrem Fokus verschwunden. ,,Bestimmt ist der Elf mit der Rothaarigen in den Trümmern zu Tode gekommen. Wen interessiert’s?’’ sagte sie leise zu sich selbst, ohne einen Hauch von Bedauern.
Die Kutsche setzte sich langsam in Bewegung, das Holz knirschte unter der Belastung, und die Räder begannen leise über den unebenen Boden zu rollen. Der Wind trug den Geruch von Staub und Asche mit sich, als sie in Richtung Osten davonfuhr. Mit jedem Meter, den sie sich entfernte, wurde der Krater kleiner, bis er schließlich vollständig aus ihrem Blickfeld verschwand.



Kommentare