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Kapitel 51 - Alleine im Misstrauen?

7. Jan. 2025
6 Min. Lesezeit

Der Kamerismus ist die vorherrschende Religion des Kaiserreichs. Er verehrt die Göttin Kamera als die allmächtige Beschützerin des ewigen Friedens und Heils. Die Lehren des Kamerismus durchdringen alle Aspekte des Lebens im Kaiserreich, von den Gesetzen bis hin zu den Traditionen der Bevölkerung.


Der Glaube besagt, dass Kamera einst die Erde erschuf und sie mit Leben und Magie erfüllte. Sie formte die verschiedenen Völker, jedes mit einzigartigen Gaben, und gab ihnen spezifische Aufgaben, die im Dienst der göttlichen Ordnung stehen sollten.


Die Oger, gesegnet mit enormer Körperkraft, wurden geschaffen, um die schwersten Arbeiten zu verrichten. Sie sind das Rückgrat der körperlichen Arbeit, die das Fundament der Gesellschaft bildet.


Die Elfen, deren Weisheit und Schönheit als unübertroffen gelten, wurden mit der Aufgabe betraut, die Geheimnisse der Welt zu erforschen und das gesammelte Wissen weiterzugeben. Ihr Einfluss zeigt sich in der Magie und den Künsten, die das Kaiserreich prägen.


Doch die Menschen, geschaffen nach dem Ideal Kameras, erhielten die höchste Ehre und die größte Verantwortung: Sie sollten über alle anderen herrschen. Nur die Menschen, so lehrt der Kamerismus, sind in der Lage, das Gleichgewicht der Welt zu wahren und alle Völker zu führen. Alle anderen Völker sollen den Menschen dienen und ihnen helfen, das Paradies, das allen Wesen nach ihrem Tod versprochen wird, auf der Erde zu verwirklichen.


Diese Lehren bilden die Grundlage für die gesellschaftliche Ordnung des Kaiserreichs und begründen die dominierende Rolle der Menschen. In den Augen der kameristischen Kirche ist diese Hierarchie nicht nur gerecht, sondern gottgegeben.


Der Sitz der Kameristischen Kirche befindet sich in Karintes, einer imposanten Stadt inmitten der endlosen Wüste des Ostens. Karintes ist nicht nur ein Ort des Glaubens, sondern auch ein Symbol für die Macht und den Einfluss des Kamerismus. An ihrer Spitze steht der Papst, der als religiöses Oberhaupt die Gläubigen führt und ihre spirituelle Bindung zur Göttin Kamera aufrechterhält.


Dem Papst stehen drei göttliche Krieger zur Seite, die als Verkörperung der Macht Kameras gelten. Jeder von ihnen besitzt einzigartige Fähigkeiten, die sie im Dienst des Glaubens einsetzen.


Die Priesterin, eine Elfe namens Garda, hat die Fähigkeit, jeden, der mit ihr spricht, zu einem treuen Anhänger der Göttin zu machen. Ihre Worte sind so überzeugend und durchdrungen von Kameras Gnade, dass sie Herzen und Geister wandeln kann.


Das Schwert, eine Menschin namens Jasmin, ist eine mächtige Kriegerin. Sie kann im Kampf die göttliche Macht Kameras kanalisieren, um selbst die stärksten Feinde zu überwältigen. Ihre Stärke ist legendär, und sie gilt als der Schutzschild der Gläubigen.


Der Prophet, ein Mensch namens Filu, besitzt die Gabe, in die Zukunft zu blicken. Durch diese Fähigkeit kann er Geschehnisse voraussehen und die Gegenwart so lenken, dass das göttliche Ziel erreicht wird. Seine Visionen sind sowohl ein Segen als auch eine Bürde, denn er trägt die Verantwortung, die Botschaften der Göttin zu deuten.


Zusammen bilden diese drei Krieger die unerschütterlichen Säulen des Kamerismus. Sie sind nicht nur Verteidiger des Glaubens, sondern auch ein lebendiger Beweis für die Macht und Gegenwart der Göttin Kamera.



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Erschöpft zog Leyla das schwarze Kleid von ihren Schultern, das ihr wie eine zweite Haut vorgekommen war. Sie legte es vorsichtig zur Seite, griff nach dem blauen Buch, ,,Die Reisen des Gheng Chu’’, und ließ sich auf das weiche Bett fallen. Ihre Augen wanderten träge durch den Raum, über das gedämpfte Licht, das die Wände streifte, und schließlich hinaus zum Fenster. Dort draußen spannte sich ein dunkelgrauer Himmel über die Kaiserstadt, mit Wolken, die, schwer wie ihre Gedanken, über den Frühlingshimmel krochen.


,,Wer dieser Bekannte vom Prinzen wohl sein wird..?’’ murmelte Leyla leise und ließ die Worte wie eine Feder durch den Raum gleiten. Sie schloss die Augen, und eine vage Vorstellung formte sich vor ihrem inneren Blick. Ein alter Magier vielleicht, mit strengem Blick und scharfen Worten, der sie bei ihren Übungen überwachte.


Plötzlich durchzuckte sie ein Gedanke. Ihr Atem stockte. ,,Warte’’, flüsterte sie, ,,vielleicht kann ich dann fliehen. Wenn ich die Handschellen nicht mehr anhabe, kann ich meine Magie wirken.’’ Hoffnung flackerte wie eine kleine Flamme in ihrem Inneren auf.


In ihrem Kopf malte sie sich eine Flucht aus, wild und dramatisch: Die Wände des Palastes bebten unter ihrer Magie, während sie triumphierend auf einer mächtigen Steinwelle davonritt, zurück nach Malyl. Ein Grinsen stahl sich auf ihre Lippen, doch es war flüchtig, und sie öffnete ihre Augen wieder.


Der Traum war zu schön, um wahr zu sein. Selbst wenn sie die Kräfte des Steins kontrollieren könnte, war die Realität unerbittlich. Die Kaiserstadt war voller Personen, die viel mächtiger waren als sie. Eine Flucht würde sie nur von einer Gefangenen zu einer Gejagten machen.


,,Leyla, wie war das Treffen mit Kronprinz Eugenius?’’


Filias Stimme riss sie aus ihren Gedanken wie ein plötzlicher Windstoß, der eine Kerze ausbläst. Leyla fuhr zusammen und richtete sich hastig auf. In der Tür stand Filia, ihr Gesicht von einem warmen Lächeln erhellt. In ihrer Hand hielt sie eine elegante Glasamphore mit einem tiefroten Getränk, das wie flüssiges Feuer im Licht schimmerte.


Misstrauen durchzog Leylas Gedanken wie ein dunkler Schatten. ,,Ich muss aufpassen. Filia hat dem Kronprinzen von mir berichtet. Alles, was ich sage oder tue, könnte an ihn weitergeleitet werden.’’


,,Es war gut, er ist ein netter Mann’’, antwortete Leyla, ihre Worte knapp und vorsichtig gewählt. Sie sah, wie Filias Augenbraue sich leicht hob, eine Spur von Zweifel in ihrem Blick, doch sie schwieg.


Filia ließ sich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Mit der linken Hand hob sie das Gefäß leicht in die Höhe, ihr Lächeln blieb freundlich. ,,Ich habe uns etwas Wein besorgt, hast du Lust, dich etwas zu unterhalten?’’


Leyla musterte die Dienerin für einen langen Moment. ,,Ist das eine Falle?’’ Seit dem Gespräch mit Eugenius war der Argwohn in ihr gewachsen, und er baute sich wie eine unsichtbare Mauer zwischen ihr und Filia auf. Sie fühlte sich noch nicht in der Lage, diese Mauer zu durchbrechen.


,,Nein, danke.’’ Die Worte kamen schärfer heraus, als Leyla beabsichtigt hatte. Ein stechendes Gefühl der Schuld durchzuckte sie.


Filia zog ihren Kopf leicht zurück, das Lächeln auf ihrem Gesicht wurde schmaler. ,,Ist etwas vorgefallen Leyla? Du wirkst distanzierter als heute Morgen.’’ 



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Die Worte platzten einfach aus Leyla heraus, bevor sie sie zurückhalten konnte: ,,Du hast dem Kronprinzen davon erzählt, wie es mir gestern ging. Was hast du ihm noch alles erzählt?’’ Ihre Stimme war nicht laut, aber der Vorwurf darin war unüberhörbar. Sie hatte nicht vor, Filia schlecht zu behandeln, doch das Misstrauen nagte an ihr und ließ ihr keine Wahl.


Filia schien für einen Moment überrascht, doch sie fing sich schnell wieder.


Ihre Haltung blieb ruhig und gelassen, als sie antwortete: ,,Ich verstehe, wieso du das denkst. Meine Aufgabe ist es, mich um dein Wohlbefinden zu kümmern. Ich habe ihm nur erzählt, dass es dir nicht so gut ging, allerdings keine Details.’’


Ihre Worte waren sanft, und ihr Blick spiegelte Verständnis wider. Filia lächelte, doch Leyla konnte sich nicht entspannen. Sie musterte Filias Gesicht, suchte nach Anzeichen für eine Lüge oder einen versteckten Hintergedanken. Doch alles, was sie sah, war Aufrichtigkeit – oder war es nur gut gespielte Höflichkeit?


Leyla kämpfte innerlich mit sich selbst. Sie wollte Filia vertrauen, wollte eine Freundin haben, auf die sie sich verlassen konnte. Doch das Misstrauen, das das Gespräch mit dem Kronprinzen in ihr geweckt hatte, ließ sie zögern. Seit der Trennung von Roxy und Liam, seit Fers Tod, fühlte sie sich einsam wie nie zuvor.


,,Und du erzählst nichts von unseren Gesprächen?’’ fragte Leyla schließlich, ihre Stimme vorsichtig, fast zaghaft.


,,Nein, die bleiben unter uns, versprochen.’’ Filia legte eine warme Hand auf Leylas Schulter und begann sie sanft zu streicheln. Die Geste war beruhigend, und Leyla spürte, wie ein Kloß in ihrem Hals aufstieg.


Ohne Vorwarnung schossen ihr Tränen in die Augen. Bevor sie reagieren konnte, hatte Filia sie bereits in eine feste Umarmung gezogen. Leyla fühlte die Wärme und Weichheit von Filias Brust, die sie an das Gefühl erinnerte, das sie zuletzt in Liams Nähe empfunden hatte. In diesem Moment fühlte sie sich sicher, ein Gefühl, das ihr seit Tagen fremd geworden war.


Die Umarmung schien ewig anzuhalten, doch schließlich löste sich Filia sanft von ihr und setzte sich auf einen Stuhl. Mit ruhigen Bewegungen begann sie, den Wein in zwei Gläser zu füllen. Sie reichte Leyla eines davon und nahm selbst einen Schluck. Der Wein war tiefrot und hatte ein sanftes Aroma, das Leyla an die Spätsommerabende in Malyl erinnerte.


,,Möchtest du, dass ich dir von mir erzähle? Vielleicht kannst du mir dann mehr vertrauen.’’


Leyla zögerte nur kurz, bevor sie nickte. Sie nahm einen Schluck Wein und stellte überrascht fest, wie gut er schmeckte. Viel besser als die Weine, die sie in den Tavernen getrunken hatte. Filias Lächeln wurde breiter, als sie Leylas Reaktion bemerkte. Sie stellte ihr Glas auf den Nachttisch und lehnte sich leicht zurück.


Dann begann sie zu erzählen, ihre Stimme ruhig und warm, wie das Knistern eines Feuers an einem kalten Abend.

 
 
 

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