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Kapitel 57 - Die Flammen der Hoffnung

18. Jan. 2025
7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 19. Jan. 2025

Auf dem Boden kauerte ein Mann – ein Soldat der Kaiserlichen Armee. Seine Arme waren mit rostigen Nägeln an die rauen Holzbohlen der Wand geheftet, und sein Körper war eine Leinwand aus blutigen Schnitten und blauen Flecken. Die Stunden der Folter hatten ihn schwer gezeichnet. Sein Atem war flach, seine Haut bleich, und der Schmerz hatte jede Spur von Würde aus seinem Blick gelöscht. Lange würde er das nicht mehr durchhalten.


[???] ,,Ich frage dich noch ein letztes Mal. Wo hat Bournadette das blauhaarige Mädchen hingebracht?’’ Die Stimme war kalt, ruhig und vollkommen emotionslos. Es war eine Stimme, die mehr Grauen hervorrief als das Brüllen eines Monsters.


Der Soldat hob mühsam seinen Kopf. Sein verbliebenes Auge war glasig, doch seine Stimme trug einen letzten Hauch von Trotz. ,,Ich… Ich sag dir gar nichts. Niemals verrate ich das Kaiserre…’’


—BAMM—


Der Stiefel krachte mit einer brutalen Wucht in seinen Magen. Ein nasses, ersticktes Keuchen entwich den Lippen des Soldaten, gefolgt von einem Schwall Blut, das auf den dreckigen Boden tropfte. Röchelnd kämpfte er um Luft, sein Gesicht verzog sich vor Qual.


[???] ,,Wenn du in deiner Loyalität sterben willst, dann lässt sich das einrichten. Du kannst deine beiden Kinder mit dir mitnehmen.’’


Der Soldat erstarrte. Trotz des Schmerzes öffneten sich sein Auge weit, und ein Zittern durchlief seinen gequälten Körper. ,,Da—Das würdest du nicht wagen… Sie haben nichts hiermit zu tun.’’ Seine Stimme klang jetzt flehend, die brüchigen Worte zeugten von wachsender Verzweiflung.


[???] ,,Was sind schon zwei Kinderleben im Vergleich zu dem Leben, das ich retten möchte? Schlucke deinen Stolz herunter und rette deine Kinder.’’


Die Worte trafen den Soldaten wie ein Messer. Sein Gesichtsausdruck wechselte von Schmerz zu Entsetzen, dann zu einem Ausdruck völliger Kapitulation. Der Funke Widerstand in seinem Auge erlosch.


,,Bournadette’’, begann er mit einer Stimme, die kaum mehr als ein Flüstern war. ,,Bournadette hat das Mädchen in die Kaiserstadt zu Seiner Hoheit Kronprinz Eugenius gebacht.’’


[???] ,,Na, geht doch. Warum nicht gleich so?’’


,,Dann, dann lässt du mich und meine Kinder jetzt gehen?’’ fragte der Soldat, seine Worte zitternd, flehend. In seinem Blick lag eine Hoffnung, die wie ein Funke in der Dunkelheit schimmerte.


[???] ,,Deine Kinder? Ach stimmt ja, ich hatte vergessen zu erzählen, dass sie von den Carne bereits mitgenommen wurden.’’


,,Den Carne? Du hattest gesagt, dass ihre Leben gerettet werden würden, wenn ich dir es verrate!!’’ Die Stimme des Soldaten wurde laut, seine Worte vor Verzweiflung erstickt.


[???] ,,Hatte ich das? Mein Fehler, sorry. Naja, machs gut.’’  Ohne den Mann noch eines Blickes zu würdigen, drehte sich der Elf um und ging zur Tür.


,,Du...’’ Der Soldat keuchte die Worte, doch der Elf blieb ungerührt. Seine Schritte hallten auf dem knarrenden Boden, und seine Hand schloss sich um den Griff der Tür. ,,Du hattest es versprochen!!! DU HATTEST ES VERSPROCHEN!!!’’ Die Stimme des Soldaten brach, wurde zu einem verzweifelten Schrei, der den Raum füllte.


Der Elf trat hinaus in die kalte Nachtluft. Er atmete tief ein, ließ die Tür hinter sich zufallen und hielt kurz inne. Dann hob er seine Hand, und eine kleine, flackernde Feuerkugel erschien in seiner Handfläche. Mit einem beiläufigen Schwung warf er sie auf das Dach der Hütte. Die trockenen Holzbalken fingen sofort Feuer, und die Flammen begannen gierig, das Gebäude zu verschlingen.


Er wandte sich seinen beiden Begleitern zu, die in der Nähe auf ihn gewartet hatten. Die Schreie des Soldaten drangen gedämpft durch die wachsenden Flammen. Doch der Elf würdigte sie keines Blickes mehr. Sein Gesicht war wieder vollkommen ruhig, ohne Reue, ohne Bedauern.


Die Hütte brannte lichterloh, und der Elf ging weiter. Sein Blick war geradeaus gerichtet, seine Schritte ruhig und gemessen. Die Schreie des Soldaten wurden leiser, bis sie von dem Knistern der Flammen verschluckt wurden.



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[???] ,,War das wirklich nötig, Liam?’’ Die tiefe Stimme des großen Mannes durchbrach die Stille. Der muskulöse Mann musterte seinen Anführer, den blonden Elf, mit einer Mischung aus Unbehagen und Respekt. Sein Ton war ruhig, aber die Frage trug einen Hauch von Vorwurf in sich.


Liam hob nur kurz den Kopf, sein Blick kalt und emotionslos. ,,Wer weiß?’’ Seine Stimme war flach, fast genervt. ,,Ich hab die Information bekommen, die ich wollte, oder Ralf?’’


Ralf öffnete den Mund, als wolle er etwas erwidern, doch dann schloss er ihn wieder und schüttelte leicht den Kopf. Er wandte sich dem dritten Mitglied der Gruppe zu, einem Vishap mit glänzenden, schwarzen Schuppen. ,,Und das ist wirklich okay für dich, Theol?’’


Theol zuckte nur mit den Schultern, seine reptilienartigen Augen wirkten kühl und distanziert. ,,Wenn das dem Boss seine Freundin zurückbringt, ist das in meinen Augen kein Problem.’’ Er sprach mit einer gelassenen Gleichgültigkeit, die fast zynisch klang. Dann wandte er sich Liam zu. ,,Und? Wo ist Leyla?’’


Liam schien für einen Moment in Gedanken versunken, seine Augen blickten in die Ferne. Erst als Theol die Frage wiederholte, reagierte er. ,,Leyla ist beim dritten Kronprinzen in der Kaiserstadt.’’


Theols Augen weiteten sich, und seine entspannte Haltung verschwand. ,,In der Kaiserstadt? Dann können wir die Rettung vergessen.’’ Seine Stimme war von plötzlicher Nervosität durchdrungen.


Plötzlich flammte Wut in Liams Augen auf. Ohne zu zögern packte er Theol fest an der Schulter, seine Finger gruben sich in die schwarzen Schuppen. ,,Vergessen?’’ Seine Stimme war tief und vibrierte vor Zorn. ,,Wir werden sie retten und wenn es uns alle umbringt. Hast du das verstanden?’’


Theol zischte auf vor Schmerz, versuchte aber, ruhig zu bleiben. Schließlich nickte er und senkte den Blick. ,,Ja, du hast Recht, Liam. Wir beide folgen dir, das weißt du doch.’’ Seine Stimme war leise, fast entschuldigend.


Liam ließ ihn los und trat zurück. ,,Gut.’’ Seine Stimme klang wieder beherrschter, aber die brennende Wut in seinen Augen blieb unverändert. ,,Dann lasst uns in Richtung Kaiserstadt aufbrechen. Wir müssen aber vorher einen Stopp in Inhantes machen, ich habe dort einen Freund, der uns helfen wird.’’ 


Er ging zu dem schwarzen Pferd, das geduldig am Rand des Lagers wartete. Seine Finger glitten zärtlich über das weiche Fell, und für einen Moment schien Liams strenges Gesicht weicher zu werden. Er legte seinen Kopf gegen den Hals des Tieres, als würde er sich Trost holen.


,,Ich werde Leyla retten, Himmel. Verlass dich darauf.’’ Seine Stimme war leise, fast ein Flüstern. Das Pferd schloss die Augen, als könnte es die Worte des Elfen verstehen.


Liam schwang sich auf Himmels Rücken und sah zu seinen beiden Gefährten zurück. ,,Kommt jetzt, wir sollten aufbrechen, bevor noch mehr Soldaten kommen.’’ 


Ralf und Theol folgten ihm wortlos. Sie schwangen sich auf ihre Pferde, und die drei Krieger bildeten eine entschlossene Linie. Liam griff nach dem Trinkschlauch mit Whiskey, der an seinem Gürtel hing, und nahm einen tiefen Schluck. Der Alkohol brannte in seiner Kehle, doch er verzog keine Miene. Dann setzte er sich in Bewegung, seine Augen fest auf den Weg vor ihm gerichtet.



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Während Liam, Theol und Ralf schweigend durch den dichten Wald ritten, arbeitete Liams Verstand unaufhörlich. Die rhythmischen Hufschläge der Pferde waren das einzige Geräusch, das die Stille durchbrach, doch in Liams Kopf tobte ein Sturm.


,,Sie hat Leyla also in die Kaiserstadt gebracht, hmm?’’ murmelte er, seine Stimme kaum mehr als ein Hauch, den nur der Wind hören konnte. Sein Blick war dunkel, zielgerichtet, als ob er die Hindernisse, die vor ihm lagen, durch bloße Willenskraft zerstören wollte. 


Die Kaiserstadt – allein der Gedanke daran ließ Liams Magen sich zusammenziehen. Es war der gefährlichste Ort im Kaiserreich, wenn man jemanden entführen wollte. Oder, wie Liam es nannte, wenn man jemanden retten musste. Denn das war es, was er tun wollte – Leyla retten. Auch wenn das bedeutete, dass es auf die Welt wie eine Entführung wirken würde.


Er ließ den Gedanken an die Gefahren nicht los. Die Stadtwachen? Sie wären das geringste Problem. Liam hatte oft gegen sie gekämpft und wusste, wie man sie umgehen konnte. Aber das Kaiserliche Militär? Tausende Soldaten, die in der Kaiserstadt stationiert waren, stellten eine völlig andere Bedrohung dar. 


Und dann war da noch der Goldene Löwe – die Privatarmee des Kaisers, eine Eliteeinheit, die keine Fehler machte. Doch selbst sie verblassten im Vergleich zu der größten Gefahr: den zehn Kaiserlichen Kopfgeldjägern.


Liam biss die Zähne zusammen, während er sich die Konsequenzen ausmalte. Die Kopfgeldjäger waren tödlich, berüchtigt, und sie genossen den persönlichen Schutz des Kaisers. Er hatte keine Ahnung, wer von ihnen in der Kaiserstadt sein könnte. 


Ihre Aufträge führten sie in alle Ecken des Kaiserreichs, doch ihr Ruf reichte weit über ihre physische Präsenz hinaus. Jeder von ihnen wäre allein schon eine unüberwindbare Hürde. Gegen sie hätte er keine Chance.


,,Selbst wenn alle anderen von ihnen außerhalb sind, wird Yang da sein. Und wenn der Kaiser entscheidet, sie einzusetzen, dann kann ich Leyla vergessen…’’ Der Gedanke war wie eine eisige Klinge in seinem Herzen, doch er schüttelte ihn ab, sein Blick verfinsterte sich noch weiter.


Die schöne Landschaft, die ihn umgab, ließ Liam völlig unberührt. Der Wald war ein grünes Paradies, voller Leben. Vögel zwitscherten in den Baumwipfeln, und die klaren Teiche, die sich zwischen den Bäumen versteckten, spiegelten das Licht der Sonne wider. Es war eine Welt voller Ruhe und Harmonie – das genaue Gegenteil von dem Sturm in Liams Innerem. Doch er sah nichts davon. Seine Gedanken waren auf die Kaiserstadt und Leyla fixiert, und die Natur um ihn herum verblasste. 


Schließlich erreichten sie den Rand des Waldes. Vor ihnen erstreckte sich die weite Ebene, und in der Ferne erhoben sich die Larifen, das mächtige Gebirge im Osten, wie ein unüberwindbares Bollwerk. Die Gipfel waren in Nebel gehüllt, ein Symbol für die Herausforderungen, die vor ihnen lagen. Liam bedeutete Himmel anzuhalten und richtete seinen Blick darauf, und ein Hauch von Hoffnung kehrte in seine Augen zurück.


Er begann zu flüstern, seine Stimme war kaum hörbar, doch sie trug eine unerbittliche Stärke in sich. ,,Warte nur Leyla. Ich rette dich. Und dafür werde ich alles tun, was in meiner Macht steht.’’ Die Worte hingen in der Luft wie ein Schwur, unerschütterlich und voller Leidenschaft. Dann setzte er sich wieder in Bewegung, seine Hände fest um die Zügel des Pferdes gelegt.

 
 
 

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