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Kapitel 61 - Wenn Träume verblassen

Aktualisiert: 24. Jan. 2025

Langsam glitt Leylas Pinsel über die Leinwand. Strich für Strich formte sich das Bild der Kaiserstadt vor ihr. Sie hatte die Kaiserstadt zwar noch nie wirklich betrachten können, aber in ihrer Vorstellung entstand eine friedvolle Stadt, in der alle glücklich leben konnten. Eine Stadt, die nicht von Intrigen, Machtkämpfen und Ungerechtigkeit geprägt war – ganz anders als die reale Version, die sie erlebt und von der sie gelesen hatte.


Die hochwertige Leinwand und die kostbaren Farben fühlten sich ungewohnt an, fast fremd. Noch nie hatte sie mit so edlen Materialien gearbeitet, und obwohl sie Filia lediglich um eine einfache Leinwand und Pinsel gebeten hatte, war ihr dieser Luxus gewährt worden.


Auf der anderen Seite, hätten sie gewöhnliche Utensilien im Kaiserpalast mehr gewundert. Jede Bewegung ihres Pinsels war bedacht, fast liebevoll, und sie verlor sich in der friedlichen Illusion, die sie auf die Leinwand brachte. Malen war schon immer ihr kreativer Ausweg gewesen – eine Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen und etwas Eigenes zu schaffen.


,,Irgendwann würde ich gerne Kunst studieren…’’ murmelte sie, ein leises Lächeln auf den Lippen. Es war ein Gedanke, der sie wärmte, selbst wenn sie wusste, wie fern dieser Traum in ihrer aktuellen Lage war.


Die letzten Wochen waren wie im Flug vergangen. Leyla hatte sich an ihre Umgebung gewöhnt, zumindest so weit, dass sie ihre Tage erträglicher gestalten konnte. Sie war sich jedoch bewusst, dass diese Anpassung nicht bedeutete, dass sie ihre Pläne aufgeben würde. Die Flucht war weiterhin ihr Ziel – sie wollte nur nicht, dass ihre Situation schwerer wurde, als sie ohnehin schon war.


Ihr Training hatte Fortschritte gemacht. Ihre Erdmagie, die einst so unkontrollierbar gewesen war, ließ sich mittlerweile präzise und mit weniger Anstrengung einsetzen. Die enorme Kraft, die sie unmittelbar nach der Absorption des Steins kurzzeitig gespürt hatte, schien zwar noch unerreichbar, aber das störte sie nicht. 


Sie fühlte sich selbstbewusster als je zuvor – und, was ihr ein kleines Lächeln entlockte, stärker als Liam. Bei diesem Gedanken konnte sie nicht anders, als sich zu fragen, wie er wohl damit umgehen würde, wenn er das wüsste?


Doch ihre Vorstellungen wurde abrupt unterbrochen, als ein Klopfen an der Tür erklang. Das Geräusch riss sie aus ihrer ruhigen Welt, und sie stellte den Pinsel beiseite, bevor sie rief: ,,Herein.’’


Die Tür öffnete sich, und Charles Winson, der Leibdiener des Kronprinzen, trat in den Raum. Seine Schritte waren ruhig, fast lautlos, und sein Gesicht trug wie immer denselben leeren Ausdruck.


,,Miss Leyla’’, begann er mit seiner höflichen, aber nüchternen Stimme, ,,ich muss Ihnen etwas bezüglich Ihrer Zukunft mitteilen.’’



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,,Bezüglich meiner Zukunft? Was meint er damit?’’ Leyla begann augenblicklich, sich hunderte Szenarien auszumalen. Würde sie freigelassen werden? War ihre Magie zu stark geworden und sie würde dafür hingerichtet werden? Oder würde man sie in einen richtigen Kerker werfen, weit weg von diesem Zimmer, das sich zumindest ein wenig wie ein Zuhause anfühlte?


Doch die Nachricht, die Charles ihr überbrachte, war schlimmer als alles, was sie sich selbst in ihren furchtbarsten Albträumen ausgemalt hatte. ,,Miss Leyla, Seine Hoheit Kronprinz Eugenius wünscht, Euch zur Frau zu nehmen. Die Hochzeit wird nächste Woche stattfinden.’’


Für einen Moment setzte ihr Herz aus. Der Boden unter ihren Füßen schien sich zu neigen, und sie musste sich am Tisch abstützen. Heiraten? Einen Adligen? Einen Kronprinzen? Das war keine Zukunft, die sie wollte. Es war eine Falle, ein Käfig, aus dem sie sich niemals befreien könnte. 


,,W-Wie kommt das auf einmal?’’ Ihre Stimme zitterte, und sie hasste sich dafür. In letzter Zeit war sie besser geworden, ihre Gefühle zu verbergen, ein Talent, das sie sich von Filia abgeschaut hatte. Doch diese Nachricht sorgte dafür, dass ihre Masken zerbrachen.


,,Der Kronprinz liegt im Prinzenspiel momentan hinten. Die Hochzeit wird Seiner Hoheit die Punkte einbringen, die benötigt werden, um nicht ins Exil geschickt zu werden. Ihr solltet Euch geehrt fühlen. Ihr werdet Teil der mächtigsten Familie der Welt, und Eure Kinder werden eines Tages das Kaiserreich regieren.’’


Geehrt. Das Wort hinterließ einen bitteren Geschmack in ihrem Mund. Nichts an dieser Situation fühlte sich wie eine Ehre an. Leyla wollte kein Teil der Familie Algavia sein, und sie hatte absolut kein Interesse daran, Kinder zu bekommen, die eines Tages das Kaiserreich regieren würden. 


Die Vorstellung, dass ihre Magie dazu benutzt werden sollte, die Linie der Herrscher zu stärken, machte sie krank. Doch sie wusste, dass sie keine Wahl hatte. Ihre Meinung war bedeutungslos. Ein Einspruch würde sie nur in größere Schwierigkeiten bringen.


Leyla schluckte schwer, versuchte, ihre aufgewühlten Gedanken zu ordnen. Ihre Stimme war schwach und voller Traurigkeit, als sie schließlich fragte: ,,Warum hat er mich ausgewählt?’’ 


Charles blieb für einen Moment still, bevor er antwortete. Seine Worte waren kalt und emotionslos: ,,Seine Gründe sind für Euch nicht von Belangen. Ich werde Yaga mitteilen, dass bis zur Hochzeit das Training ausgesetzt wird.’’


Trotz seiner distanzierten Haltung glaubte Leyla, in seinen Augen einen flüchtigen Hauch von Traurigkeit zu erkennen. Es war nur ein Moment, ein winziger Schimmer, aber sie hatte ihn bemerkt. Sie fragte sich, was dieses Glimmen bedeutete. War es Mitleid? Bedauern? Doch sie wusste, dass Charles ihr keine ehrliche Antwort geben würde, und ließ die Frage unausgesprochen.


Stattdessen sprach sie leise, fast resigniert: ,,Ich habe verstanden. Ich würde gerne alleine sein, wenn es möglich ist.’’


Charles verneigte sich leicht. ,,Wie Ihr wünscht, Miss Leyla. Teilt Filia bitte Eure Wünsche bezüglich des Hochzeitskleides mit.’’


Mit diesen Worten drehte er sich um und verließ den Raum, seine Schritte so leise, dass Leyla sie kaum hörte. Die Tür schloss sich hinter ihm, und die Stille, die folgte, war ohrenbetäubend.



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Grau. So wirkte die strahlend weiße Wand ihres Zimmers auf Leyla. Ihr Blick war leer, halbtot, und haftete auf der glatten Oberfläche der Tapete, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Ihr Körper lag schlaff und kraftlos auf ihrem Bett, ihre Glieder fühlten sich an, als gehörten sie nicht mehr zu ihr.


Es war, als wären all ihre Träume auf einmal zerstört worden. Schon bei ihrer Ankunft in der Kaiserstadt hatte sie begriffen, dass sie sich unterordnen musste. Gefangenschaft ertragen, bis sich die Möglichkeit zur Flucht ergab – das war ihr Plan gewesen. Es war kein guter Plan, das wusste sie, aber es war immerhin ein Plan gewesen. Er hatte ihr etwas gegeben, woran sie sich klammern konnte.


Natürlich hätte sie nach einer erfolgreichen Flucht verfolgt und gesucht werden können. Doch der Aufwand, so dachte sie, wäre wahrscheinlich nicht sehr hoch gewesen. Vielleicht hätte sie es geschafft, sich irgendwo in der Wildnis zu verstecken, oder in einem der kleinen Dörfer am Rand des Kaiserreichs. Vielleicht hätte sie ein neues Leben beginnen können. Doch jetzt, mit der bevorstehenden Heirat mit dem Kronprinzen, war dieser Traum endgültig zerstört.


Sobald sie den Prinzen geheiratet hatte, würde es keinen Ausweg mehr geben. Sie würde nicht fliehen können. Sie würde für immer an diesen Palast, an diesen Mann gebunden sein, der sie nur als Mittel zum Zweck sah. Es war, als hätte sich ein weiteres unsichtbares Gitter um sie geschlossen – ein letzter Käfig, der keine Türen hatte.


Eine Sackgasse ohne Ausweg, die Tür hinter ihr verschlossen. Ein Fallen ohne Ende. Dies war ihr Schicksal.


Erschöpft schloss Leyla die Augen und atmete tief ein, bevor sie schwer seufzte. Tränen quollen unter ihren geschlossenen Augenlidern hervor, erst langsam, dann unaufhaltsam. Ihr ganzer Körper begann zu zittern, als das Schluchzen sie übermannte. Sie hatte gedacht, sie hätte all ihre Tränen längst vergossen. Doch diese Trauer, diese Verzweiflung, war anders. Sie war tiefer, schwerer – wie ein Stein, der auf ihre Brust drückte.


Ihr fiel nur eine einzige Möglichkeit ein, um dem Schicksal als ewige Gefangene zu entkommen. Dem Schicksal, das sie dazu verdammte, für einen Mann, den sie weder wirklich kannte noch liebte, Kinder zu gebären, die sie niemals frei sein würden. Der Ausweg war ein Gedanke, der sie erschreckte, und doch schien er das Einzige zu sein, das ihr ein Gefühl von Kontrolle geben konnte.


Selbstmord. Das Wort hallte in ihrem Kopf wider, wie ein Echo, das nicht enden wollte. Es war etwas, das sie ihr Leben lang verabscheut hatte. Sie hatte immer geglaubt, dass es ein feiger Ausweg war, ein Weg, den nur die wählten, die nicht kämpfen wollten.


Doch da kam ihr ein Gedanke; Was, wenn man nicht mehr kämpfen konnte, was wenn der einzige Ausweg aus diesem, ihrem, goldenen Käfig war.


Eine solcher Entschluss fühlte sich nicht mehr wie Feigheit an. Es fühlte sich an wie die einzige Entscheidung, die noch wirklich ihr gehörte.


Während sie immer tiefer in den Sog ihrer eigenen Gedanken gezogen wurde, merkte Leyla nicht, wie sich ihr eine Person näherte. Die Welt um sie herum war nur noch ein dumpfer, grauer Schleier.


Erst als sie die Wärme spürte, die weichen Arme, die sich um sie legten, wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. Die Umarmung war vertraut, tröstlich. Leyla öffnete die Augen und blickte in das Gesicht von Filia, die stumm an ihrer Seite saß.



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Leyla hatte fast eine Stunde lang ohne ein einziges Wort in Filias Armen gelegen. Die Nähe war ihr Anker, der Halt, den sie brauchte, um nicht völlig den Verstand zu verlieren. Die Wärme ihrer Freundin hatte sie zurückgehalten, während die dunklen Gedanken wie ein Sturm in ihrem Kopf tobten.


Jetzt, da die Wogen sich ein wenig geglättet hatten, richtete Leyla sich langsam auf. Ihr Blick war leer, ihre Stimme klang tonlos, als sie fragte: ,,Hast du gehört, was mir bevorsteht?’’


Filia nickte nur und strich ihr sanft über die Wange. Ihre Finger wischten die letzten Tränen weg, während ihre Augen voller Mitgefühl und Schmerz waren. Nach einem Moment des Schweigens begann sie zu sprechen, ihre Stimme war ruhig, aber traurig. ,,Ja, das habe ich. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass dir so etwas widerfährt. Es macht mich traurig…’’


Leyla öffnete den Mund, um zu antworten, doch die Worte blieben in ihrer Kehle stecken. Sie wollte sagen: ,,Dir geht es doch fast genauso.’’ Doch etwas in Filias Augen hielt sie davon ab. Stattdessen formte sich ein anderer Gedanke in ihrem Kopf, ein Gedanke, der wie ein Messer durch die Stille schnitt.


,,Ich werde die Hochzeit nicht antreten. Und wenn ich dafür sterben muss.’’


Filias Augen weiteten sich vor Schreck, und bevor Leyla auch nur einen weiteren Atemzug machen konnte…


—KLATSCH—


…traf Filias flache Hand ihr Gesicht mit einer solchen Wucht, dass Leyla reflexartig die Augen schloss. Die Wange brannte, und überrascht rieb sie die schmerzende Stelle. Ihre Gedanken wirbelten, als sie Filia ansah. Tränen glitzerten in den Augen ihrer Freundin, und ihre Stimme zitterte vor brodelndem Schmerz.


,,Wie kannst du so etwas nur sagen?’’ Filia blickte Leyla mit einer Mischung aus Enttäuschung und Wut an. ,,Der Tod soll ein besseres Schicksal sein? Und was wird aus denen, die dich lieben? Denjenigen, die dich brauchen? Was wird aus mir?’’ Ihre Stimme brach, und sie holte tief Luft, bevor sie weitersprach. ,,Alleine, dass du es aussprichst, tut mehr weh, als alles, was mir angetan wurde…’’


Leyla spürte, wie sich eine Welle aus Scham und Reue über sie ergoss. Wie hatte sie nur annehmen können, dass ihre Entscheidung nur sie selbst betreffen würde? Sie hatte war dem Glauben verfallen, niemanden zu verletzen, wenn sie ihren eigenen Schmerz beendete. Doch sie hatte sich geirrt – so sehr geirrt. Ihr Versuch, ihrem eigenen Schicksal zu entkommen, hätte ein Loch in die Herzen all derer gerissen, die sie liebten.


,,Tut… Tut mir leid…’’ stammelte sie. Ihre Stimme klang klein, und sie wagte es nicht, Filia anzusehen.


Filia legte ihre Hände auf Leylas Schultern und sprach mit einem Nachdruck, der sie beinahe erschreckte. ,,Versprich mir, dass du dir das nicht antun wirst, okay? Wir finden einen anderen Weg, ganz bestimmt…’’ 


Doch ihre Stimme versagte, und sie musste einen Moment innehalten, um die Fassung zurückzugewinnen. Sie atmete tief ein und sprach dann weiter, ihre Worte leiser, aber nicht weniger entschlossen: ,,Wenn ich den Kronprinzen für dich vergifte, dann wirst du nicht verheiratet. Vielleicht kommst du sogar frei.’’


Leylas Kopf fuhr hoch, ihre Augen weiteten sich, und ohne Vorwarnung…


—KLATSCH—


…traf ihre eigene Hand Filias Gesicht. Die Stille, die darauf folgte, war schwer und bedrückend.


Filia hielt sich die Wange, sah Leyla überrascht an, doch diese ließ ihr keine Zeit zu reagieren. ,,Du sagst mir, dass ich mich nicht umbringen soll, und schlägst dann etwas vor, was dich garantiert das Leben kosten würde? Bist du dumm? Ja, du bist dumm. Ich bin noch viel dümmer, das ist mir klar, aber du bist auch ziemlich dumm.’’ 


Leyla schloss kurz die Augen, holte tief Luft, und als sie weitersprach, war ihre Stimme ruhiger, aber voller Nachdruck. ,,Wir beide lassen die andere Person nicht alleine, okay?’’


Filia blickte Leyla an, ihre Augen voller Tränen, doch sie nickte schließlich stumm. Ohne ein weiteres Wort zog sie Leyla erneut in ihre Arme, und die beiden Frauen hielten sich fest, als würden sie einander vor der Dunkelheit schützen.



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Nach einigen weiteren Stunden, die Nacht war bereits über die Kaiserstadt hereingebrochen, verabschiedete sich Filia und ließ Leyla alleine zurück. Der Raum fühlte sich auf einmal größer an. Leerer. Kälter.


Leyla lag auf ihrem Bett, die Decke bis zum Kinn hochgezogen, und starrte gedankenverloren an die Decke. Unsicherheit nagte an ihr, ein lähmendes Gefühl von Hilflosigkeit. Was sollte sie tun? Alles fühlte sich an wie eine Sackgasse. Kein Ausweg, nur Mauern, die immer näher kamen.


Ihr Blick wanderte zu ihrem Kunstwerk. Das Bild einer Kaiserstadt, die es so niemals geben würde. Die Farben waren lebendig, das Licht strahlte Hoffnung aus, die in der echten Kaiserstadt nicht existierte. Die Wahrheit war hässlich, ernüchternd. Die wahre Kaiserstadt war verkommen.


Leyla seufzte leise und ließ die Decke noch ein Stück höher rutschen, bis sie fast ihr ganzes Gesicht bedeckte. Vielleicht war es besser, sich einfach zu fügen. Widerstand erschien sinnlos, und die Konsequenzen schienen nur noch mehr Schmerz zu versprechen.


,,Vielleicht sollte ich einfach dankbar sein…’’ dachte sie, ein bitteres Lächeln auf ihren Lippen. Dankbar dafür, genug zu essen zu haben, ein Dach über dem Kopf, und wenigstens eine gute Freundin wie Filia an ihrer Seite. Es hätte schlimmer kommen können, oder?


–KLOPF— —KLOPF—


Leyla zuckte zusammen, ihr Herz schlug plötzlich schneller. Woher kam das Geräusch? Es klang nicht wie ein Klopfen an der Tür. Ihr Kopf drehte sich hastig zum Fenster, und ihr Atem stockte.


Das Fenster war geöffnet worden, und in der Öffnung saß... Bunj.


Das Grinsen, das er ihr schenkte, war alles andere als beruhigend. Es wirkte eher wie das Grinsen eines Raubtiers, das seine Beute gefunden hatte. Seine knurrende Stimme durchbrach die Stille: ,,Guten Abend, Kleinerr Wellensittich. Leistest du mirr Gesellschaft?’’


Leyla starrte ihn an, zu überrascht, um zu antworten. Die Worte blieben ihr im Hals stecken, doch es schien Bunj nicht zu stören. Mit den geschickten Bewegungen kletterte er ins Zimmer, seine Bewegungen schnell, aber nicht bedrohlich. 


Bevor Leyla reagieren konnte, hob er sie mit einer Leichtigkeit auf seine Arme. Er war nicht grob, und dennoch war die Situation surreal. Sie hatte nicht das Gefühl, dass er ihr etwas antun wollte, doch sein plötzliches Erscheinen und die Entschlossenheit in seinen Bewegungen ließen sie sprachlos zurück.


Ohne ein weiteres Wort kletterte Bunj mit ihr wieder nach draußen. Der kühle Nachtwind schlug ihr ins Gesicht, während sie sich krampfhaft an seinen Arm klammerte, unsicher, was als Nächstes geschehen würde. Doch Bunj wirkte vollkommen unbeeindruckt, als er sie auf das Dach des Palastes setzte.


Leyla wagte es, den Blick zu heben, und zum ersten Mal sah sie die Kaiserstadt aus dieser Perspektive. Ein endloses Meer aus Häusern breitete sich vor ihr aus, die Dächer glänzten silbern im Mondlicht, und die Straßen schimmerten wie dunkle Flüsse unter dem sternenklaren Himmel.


,,Wie schön…’’ dachte Leyla, ihre Sorgen für einen Moment vergessen. Sie hatte die Kaiserstadt noch nie so gesehen, und für einen kurzen Augenblick fühlte sie sich frei.


 
 
 

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