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Kapitel 77 - Ein Fluch der Leben fordert

Aktualisiert: 16. Feb. 2025

Der Elf hielt einen kurzen Moment inne. Seine Nervosität ließ seine Finger leicht zittern, und er ballte die Hände zu Fäusten, um sie zu beruhigen. „Komm schon, reiß dich zusammen“, murmelte er sich selbst ermutigend zu. Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, aber sie verriet die Anspannung, die ihn durchzog. Er atmete tief ein, spürte, wie die eiskalte Stadtluft seine Lungen füllte, und klopfte dann entschlossen an die Tür des kleinen Hauses.


—KLOPF— —KLOPF—


Das Geräusch durchbrach die Stille, und für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Dann öffnete sich die Tür, und der Mann, den der Elf zuvor gesehen hatte, stand vor ihm. 


Seine Augen waren schmal, sein Blick misstrauisch. „Was gibt’s?“ fragte er barsch, die Tür nur einen Spalt breit geöffnet. Seine Stimme klang abweisend, und sein Gesichtsausdruck verriet deutlich, dass er keine Lust auf unerwarteten Besuch hatte.


,,Mein Name ist Liam“, sagte er mit fester Stimme, „und ich würde gerne mit Roxy reden.“ 


Er verspürte den Drang, sich einfach vorbeizuschieben, ins Haus zu stürmen, aber er wusste, dass das alles nur schlimmer machen würde. Also blieb er stehen, die Hände leicht erhoben, um seine friedlichen Absichten zu zeigen.


Der Mann runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf. „Liam? Roxy? Die Namen sagen mir nichts“, antwortete er knapp und machte Anstalten, die Tür wieder zu schließen.


Blitzschnell stellte Liam seinen Fuß in den Türspalt. „Bitte“, sagte er, und seine Stimme wurde dringlicher, „nur einen kurzen Moment. Ich habe Roxy in deinem Wohnzimmer gesehen. Wir kennen uns.“


Der Mann seufzte laut, als wäre dies die lästigste Unterhaltung, die er je geführt hatte. Sein Gesicht verzog sich zu einer Grimasse, doch schließlich öffnete er die Tür wieder, wenn auch widerwillig. „Na gut“, brummte er, „komm rein. Aber ich sag dir von vornherein, dass du enttäuscht sein wirst.“


Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um und ging ins Haus, wobei er mit einer ungeduldigen Handbewegung andeutete, dass Liam ihm folgen sollte.



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Jamall ging langsam zu seinem Sessel und ließ sich schwer in ihn fallen. Sein Blick ruhte auf dem Elfen, der sich ihm als Liam vorgestellt hatte. Dieser Typ bedeutete Ärger, das spürte Jamall sofort. Er lehnte sich zurück, die Beine breit, und musterte den Fremden mit einem skeptischen Blick.


„Willst du ein Bier?“ fragte er höflich, aber mit einem Unterton, der deutlich machte, dass er keine wirkliche Einladung aussprach. Der Elf schüttelte nur den Kopf, seine Augen waren starr auf die rothaarige Frau gerichtet, die schweigend in der Ecke saß.


„R-Roxy, dir geht es gut…“ stammelte Liam und machte einen Schritt auf sie zu. Seine Stimme zitterte, und seine Hände ballten sich zu Fäusten, als versuchte er, sich selbst zu beruhigen.


Die Frau hob den Kopf und sah ihn verwirrt an. „Roxy? Wer soll das sein? Sie müssen mich verwechseln“, sagte sie ruhig, aber mit einem Hauch von Unsicherheit in der Stimme.


Liams Augen weiteten sich, und Entsetzen breitete sich in seinem Gesicht aus. „W-Was soll das, R-Roxy…“, stotterte er, als könne er nicht fassen, was er da hörte.


Jamall seufzte laut und lehnte sich vor, die Ellbogen auf den Knien abgestützt. „Sie hat ihr Gedächtnis verloren“, erklärte er mit einer perfiden Mischung aus Gleichgültigkeit und leichter Genugtuung. „Schon seit ich sie vor ein paar Wochen bei mir aufgenommen habe.“ Er wollte, dass der Elf endlich begriff, dass er hier nichts zu suchen hatte.


Liam starrte Jamall fassungslos an. Langsam ließ er die Schultern sinken, als ob die Last der Erkenntnis gerade begann, ihn zu erdrücken. „Verzeiht mein Stören“, murmelte er leise und drehte sich um, um zu gehen.


Jamall stand auf und begleitete ihn zur Tür. „Mach dir nichts draus“, sagte er mit einem Achselzucken. „Es gibt genug andere Frauen da draußen.“


Da fuhr Liam herum, seine Hand schnappte nach Jamalls Kragen und zog ihn nah heran. „Sag das noch einmal…“ drohte er voller Wut.


Jamall ließ sich nicht einschüchtern. Er schaute Liam direkt in die Augen, sein Blick war kalt und fest. „Das würde ich an deiner Stelle lassen“, sagte er ruhig, aber mit einem gefährlichen Unterton. „Du hast keine Chance gegen mich.“


Für einen Moment schien der Elf zu überlegen, ob er es darauf ankommen lassen sollte. Seine Finger krallten sich in Jamalls Hemd, doch dann ließ er los. Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um und verschwand in den dunklen Straßen Kartaffels.



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Jamall ließ sich erneut in seinen Sessel fallen. Sein Blick wanderte zu der rothaarigen Frau, die wieder schweigend in ihrer Ecke saß. „Scheint jemand aus deiner Vergangenheit zu sein“, sagte er mit einer Stimme, die neutral klang, aber eine leichte Spannung verriet. „Willst du lieber bei ihm sein?“


Die Frau schüttelte den Kopf, fast zu schnell, als wäre die Antwort schon lange in ihr verankert. „Nein“, sagte sie fest, „ich will bei dir bleiben, Jamall.“


Natürlich wollte sie das. Jamall nickte langsam, als würde er eine Entscheidung bestätigen, die er schon vorher getroffen hatte. „Ich werde morgen auf eine lange Reise aufbrechen“, erklärte er, seine Stimme ruhig, aber bestimmt. „Du wirst dann mitkommen müssen.“


„Das macht mir nichts“, antwortete sie ohne zu zögern. „Ich komme gerne mit…“ Sie hielt inne, als würde sie nach den richtigen Worten suchen. Dann fügte sie leise hinzu: „Ich will, dass du mir einen Namen gibst.“


Jamall zögerte einen Moment, seine Augen ruhten auf ihr, als würde er versuchen, etwas in ihrem Gesicht zu lesen. „Wie wäre es mit Lillia?“ schlug er schließlich vor, die Silben langsam aussprechend, als teste er, wie sie klangen.


Er beobachtete ihre Reaktion, oder vielmehr das Fehlen einer Reaktion. Stattdessen sah er, wie sich ihre Augen nach oben drehten und ihr Körper schlaff nach vorne fiel, direkt auf den Tisch. Jamall sprang auf, sein Sessel kippte nach hinten, als er zu ihr rannte.


„Hey, was ist mit dir?“ rief er, seine Stimme schärfer als gewöhnlich. Er kniete neben ihr nieder, seine Hände griffen nach ihren Schultern, um sie aufzurichten.


Auch wenn Jamall es nicht zugeben wollte. Auch wenn er es nicht wahrhaben wollte. Er hatte die Frau ins Herz geschlossen. Zum ersten Mal in seinem langen, einsamen Leben hatte er jemanden gefunden, der ihm etwas bedeutete. Und jetzt, in diesem Moment, spürte er, wie etwas in ihm zerbrach.


Er zog sie in eine aufrechte Position und prüfte ihren Puls. Seine Finger drückten gegen ihre Haut, aber er spürte nichts. Kein Herzschlag, kein Leben.


„Tot…“ stellte Jamall fest, seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Er fühlte, wie ihn seine Kraft verließ, als ob alle Energie aus seinem Körper wich. Langsam sank er neben ihr auf den Boden, die Augen geschlossen, als versuchte er, die Realität auszusperren.


Doch dann, fast wie von selbst, stand er wieder auf. Seine Hand griff nach dem Schwert, das an der Wand lehnte, und er ging zur Tür. Seine Bewegungen waren ruhig, aber entschlossen. Er würde den Elf finden. Er war sich sicher, dass Liam etwas damit zu tun hatte.



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Liam saß in einer dunklen Ecke der Taverne, ein halbleerer Krug Bier vor sich. Eigentlich hatte er sich mit Theol, Ralf und einigen Mitgliedern der Gruppe „Schwarzer Stern“ treffen wollen, aber jetzt brauchte er Zeit für sich. Zeit, um nachzudenken. Um zu vergessen.


„Leyla ist eine Kopfgeldjägerin, huh?“ grübelte er vor sich hin, seine Gedanken bereits trüb vom Alkohol. „Roxy hat ihre Erinnerungen verloren, und Fer ist tot…“


Die Zeit, die er einst als die beste seines Lebens bezeichnet hatte, war längst Vergangenheit. Er war als letzter übrig geblieben. Und was nun? Was sollte er jetzt tun?


Plötzlich flog die Tür der Taverne mit einem lauten Krachen auf. Liam schenkte dem keine Beachtung. Er war zu sehr in seinen Gedanken versunken, um sich um den Lärm zu kümmern.


,,Was soll das Jamall? Du kannst hier nicht einfach randalieren!’’ rief der Wirt wütend, seine Stimme überschlug sich fast vor Empörung.


„Liam, da bist du, du Scheißkerl!“ brüllte eine tiefe, zornige Stimme.


Liam hob langsam den Kopf und blickte in die Richtung des Mannes, der da stand. Es war der Alte, bei dem Roxy gewesen war. 


„Du heißt also Jamall?“ fragte Liam mit einer Stimme, die müde und gleichzeitig gereizt klang. „Was willst du? Mir nochmal unter die Nase reiben, dass Roxy bei dir ist?“


„Du wagst es noch, über sie zu sprechen?“ fauchte Jamall, sein Gesicht war vor Wut verzerrt. Mit einer schnellen Bewegung zückte er sein Schwert und stürzte auf Liam zu.


Liam rollte sich zur Seite, gerade noch rechtzeitig, um dem Angriff zu entgehen. Er zog seine eigene Klinge, die Hand fest um den Griff geschlossen. Die beiden Männer standen sich nun gegenüber, ihre Blicke gefüllt mit Misstrauen und Zorn.


Was wollte dieser Mann von ihm? Was hatte er getan, um Jamall so wütend zu machen?


Liam stürzte vorwärts, sein Schlag zielte auf Jamalls Bein. Er wollte ihn nicht töten, nur außer Gefecht setzen. Doch Jamall parierte den Angriff mühelos und versetzte Liam einen harten Tritt in die Magengrube. Liam flog rückwärts, knallte gegen ein Weinfass, das durch den Aufprall zerbrach. Roter Wein goss sich über ihn, als er versuchte, sich aufzurappeln. Doch bevor er sich wieder aufrichten konnte, packte Jamall ihn und schleuderte ihn gegen die Wand.


„Du hast Roxy getötet, gib’s zu!“ brüllte Jamall, seine Augen funkelten vor Zorn. Er rammte sein Schwert direkt neben Liams Kopf in die Holzwand. „Du warst sauer, weil sie sich nicht mehr an dich erinnern konnte!“


Liam starrte ihn an, verwirrt und erschrocken. „Roxy ist tot?“ fragte er beklommen, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. Sein Schwert fiel klirrend aus seiner Hand auf den Boden. ,,Und ich soll sie getötet haben?’’


„Ja“, fauchte Jamall, „wie soll sie sonst auf einmal gestorben sein?“


„Warte…“ Liams Stimme wurde noch leiser, als eine böse Vorahnung in ihm aufstieg. „Wie genau ist sie gestorben?“


„Sie ist einfach tot zusammengesackt“, antwortete Jamall, seine Stimme zitterte jetzt leicht. „Von einem auf den anderen Moment war sie einfach tot…“ Er zog die klinge aus der Wand, und Liam konnte sehen, wie auch seine Hände zitterten.


„Ich glaube, ich weiß, warum sie tot ist…“ wisperte Liam, während ihn ein eiskaltes Entsetzen durchfuhr.



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Nachdem sie sich beruhigt hatten, bezahlte Jamall den Wirt für die Schäden in der Taverne. Die beiden Männer setzten sich an einen abgelegenen Tisch, jeder von ihnen tief in ihre eigenen Gedanken versunken. Dann begann Liam zu erzählen. 


Jamall hörte Liam schweigend zu, während dieser von der Gilde „Graue Federn“ erzählte, die er mit Roxy, einer jungen Frau namens Leyla und einem Zwerg namens Fer gegründet hatte. Liam schien viele Details auszulassen, aber Jamall drängte nicht. Es war ihm egal, solange er die Wahrheit über Roxys Tod erfahren würde.


„...und bei dem letzten Auftrag gab es einen Moment, in dem es so wirkte, als wäre Leyla getötet worden“, erzählte Liam, seine Stimme war ruhig, aber mit einem Unterton von Unsicherheit. 


„Sie war definitiv tot, aber einen kurzen Moment später stand sie wieder auf, unversehrt.“ Er nahm einen Schluck Bier, als bräuchte er eine Pause, bevor er fortfuhr. „Statt ihr war Fer, der eigentlich unversehrt war, tot. Er ist genauso zusammengebrochen, wie Roxy laut dir.“


Jamall musste schlucken. Langsam begann er zu verstehen, was Liam ihm sagen wollte. „Also meinst du, dass, wenn Leyla stirbt, stattdessen jemand, der ihr nahe steht, stirbt?“ fragte er skeptisch. Der Gedanke war absurd. Eine solche Magie konnte es nicht geben, da war Jamall sich sicher.


„Das ist die einzige Erklärung, die ich habe“, antwortete Liam und leerte seinen Krug. Als der Wirt ihm nachschenken wollte, lehnte er mit einer Handbewegung ab. Seine Miene war ernst.


„Wer ist diese Leyla denn eigentlich? fragte Jamall nachdenklich. Liam hatte kaum etwas über sie erzählt. Generell schien er viele Details über seine Freunde auszulassen.


Liam schaute Jamall gequält an, als würde er einen inneren Kampf führen. Nach einem kurzen Moment begann er zu antworten. „Ich habe Leyla verletzt in einem Waldstück gefunden“, sagte er langsam, als würde er jedes Wort abwägen. „Wir haben uns angefreundet und sind zusammen durch die Mittellande gezogen. Zwar hat sie sich stetig verbessert, aber vor der Sache mit Fer war sie nicht besonders stark.“


Er hielt inne, und Jamall konnte den Schmerz in seinen Augen erkennen. „Dann wurden wir getrennt“, fuhr Liam fort, seine Stimme wurde leiser, „und Leyla wurde von Bournadette Lacroix entführt. Sie wurde in die Kaiserstadt gebracht.“


Liams Stimme versagte, und er schloss kurz die Augen, als würde er versuchen, die Erinnerungen zu verdrängen. „Ich wollte sie retten“, flüsterte er, „doch in der Kaiserstadt habe ich mit angesehen, wie sie zur Kaiserlichen Kopfgeldjägerin geworden ist. Sie ist in so kurzer Zeit so viel stärker geworden…“


Jamall verengte seine Augen. Er hatte keinen Respekt vor den Kaiserlichen Kopfgeldjägern, aber er wusste, dass sie über unerklärliche Fähigkeiten verfügten. 


„Liam“, sagte er schließlich, seine Stimme war ungewöhnlich sanft, „es tut mir Leid, wie ich mit dir geredet habe.“


Liam winkte ab. „Nein, du hattest jedes Recht dazu“, antwortete er müde. „Ich glaube, ich habe dieses Gespräch gebraucht.“


Jamall zog den Schlüssel zu seinem Haus aus der Tasche und warf ihn Liam zu. „Hier“, sagte er, „du kannst mein Haus haben. Ich werde Kartaffel sowieso verlassen.“


Ohne ein weiteres Wort stand er auf und verließ die Taverne.



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Auch Liam stand nun auf, sein Körper fühlte sich schwer an, als würde ihn die Last seiner Gedanken nach unten ziehen. Er ging langsam zum Ausgang der Taverne, die kalte Nachtluft schlug ihm entgegen, als er die Tür öffnete. Er hatte vor, jetzt zu Theol und Ralf zu gehen, sich zu entschuldigen und dann nach vorne zu blicken. Er hatte begriffen, dass er sich mies verhalten hatte – nicht nur in den letzten Tagen und Wochen, sondern schon lange davor.


Er hatte Leyla unterschätzt. Nein, das stimmte nicht ganz. Er hatte sie bewusst klein halten wollen, aus Angst, aus Unsicherheit, aus was auch immer. Jetzt erkannte er, wie falsch das gewesen war.


„Ich bin schon ein Idiot…“ murmelte er vor sich hin, während er die verschneite Straße entlangschritt. Seine Schuhe hinterließen Abdrücke im Schnee, die schnell wieder von den fallenden Flocken bedeckt wurden.


Leylas vermutliche Fähigkeit machte ihm Angst. Es war gut möglich, dass er irgendwann selbst ihr Opfer werden würde. Doch das nahm er in Kauf. Es war ein Risiko, das er bereit war zu tragen, denn er hatte eine Entscheidung getroffen.


Er blieb stehen und blickte in den verschneiten Himmel, als würde er dort nach Antworten suchen. „Ich werde verhindern, dass deine Fähigkeit nochmal aktiviert wird“, erklärte er mit fester Stimme, die in der stillen Nacht deutlich zu hören war. „Ich werde diese Welt zu einem Ort machen, an dem du nicht noch einmal sterben wirst.“



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Jamall blieb stehen und ließ seinen Blick über die Festungsstadt Kartaffel schweifen, die so lange sein Zuhause gewesen war. Die vertrauten Türme und Mauern ragten in den dunklen Himmel, als würden sie ihn zum Bleiben auffordern. Doch er wusste, dass er gehen musste. Nach Süden, weit über die Grenzen des Kaiserreichs hinaus, wo ein besonderer Mann auf ihn wartete.


Er hatte seinen Weg für Roxy – oder war es Lillia gewesen? – verlassen. Doch jetzt, da er mit klarem Blick zurückdachte, spürte er eine Entschlossenheit, die ihn fast überwältigte. Es war, als hätte er seinen Weg verlassen müssen, um das Ende erreichen zu können.


„Ich bin schon ein Idiot…“ murmelte er leise, während er seine Kapuze tiefer ins Gesicht zog. Die Kälte der Nacht kroch unter seinen Mantel, aber sie war ihm vertraut. Er war härtere Nächte gewöhnt.


Doch was ihn wirklich frösteln ließ, war die Fähigkeit der Kopfgeldjägerin. Dieser Fluch, der Leben forderte, nur weil ein anderer gestorben war. Es war widernatürlich, ungerecht – ein Makel auf der Welt, den er nicht hinnehmen konnte.


Er blieb stehen und blickte in den verschneiten Himmel, als würde er dort nach Antworten suchen. „Ich werde verhindern, dass diese Fähigkeit nochmal aktiviert wird“, erklärte er mit fester Stimme, die in der stillen Nacht deutlich zu hören war. „Ich werde das Schwert der fünf Monde erreichen und dann werde ich sie töten.’’

 
 
 

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