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Kapitel 78 - Ein Weg, der nicht enden will

Aktualisiert: 17. Feb. 2025

Leyla befand sich in einem dunklen Raum.


Sie konnte sich nicht bewegen und aus ihrem Mund kamen keine Geräusche. Vor ihr befand sich nur ein Tisch, auf dem vier Kerzen standen.


Eine rote, eine grüne, eine braune und eine weiße.


,,Wieder dieser Traum? Wieso kommt dieser Traum immer wieder? Wird wieder eine Kerze erlöschen? Was bedeutet das? Warum sind es diesmal vier Kerzen? Warum? Warum? Warum? Warum? Warum? Warum? Warum? Warum? Warum? Warum? Warum? Warum? Warum? Warum? Warum? Warum? Warum? Warum?’’


Erneut versank Leyla in dem Strudel der Fragen. 


Eine der Kerzen, die rote, erlosch.


Leyla riss ihren Mund auf, wollte ihre Fragen in den Raum schreien, doch es war ihr nicht möglich.



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Ein scharfer, verbrannter Geruch stieg Leyla in die Nase und zog sie aus ihrer Bewusstlosigkeit. Langsam öffnete sie ihre Augen, ihr Blick schweifte über den klaren Sternenhimmel, der sich über ihr ausbreitete. Die Nacht war still, nur das leise Rascheln der Blätter im Wind war zu hören. 


Leyla schluckte trocken und begann, ihren Körper abzutasten. Ihre Schulter war heil, ihre Beine unversehrt. Nur ihr Kopf schmerzte etwas. Sie murmelte verwirrt: „Was zum…“ 


Plötzlich flackerten Erinnerungen an den Raum mit den Kerzen in ihrem Gedächtnis auf. „Was bedeuten diese Kerzen?“ fragte sie leise, während sie versuchte, die Bilder zu ordnen.


Sie ging die Situationen durch, in denen sie diesen Raum betreten hatte. Das erste Mal war im Kampf mit Maegnar gewesen. Damals hatte sie den Raum fast vergessen, doch nach dem zweiten Mal, im Kampf mit Bournadette, waren die Erinnerungen langsam zurückgekehrt.


Und nun war es das dritte Mal gewesen. Ein gelb leuchtender Krieger mit Flügeln hatte sie hoch in den Sturm geschleudert und mit einem Blitz getötet. Sie war gestorben, da war sie sich sicher. Aber warum hatte sie wieder überlebt?


Es war, als ob etwas – oder jemand – sie am Leben hielt. Sie konnte sich nicht erklären, warum das so war. Warum wurde sie am Leben gehalten? Und wer, oder was, war dafür verantwortlich?


„Und was bedeuten diese Kerzen?“ flüsterte sie, während eine dunkle Vorahnung in ihr aufstieg. Als die braune Kerze erloschen war, war Fer gestorben. „Was, wenn die Kerzen für Personen stehen? Für Personen, die mir nahe stehen?“


Leyla musste würgen, als ihr klar wurde, wer dann die rote Kerze gewesen sein musste. 


„Wenn die braune für Fer und die rote für Roxy standen, für wen stand die gelbe Kerze?“ fragte sie sich verzweifelt. Beim besten Willen fiel ihr niemand ein, der die erste Kerze hätte repräsentieren können.


Übersah sie etwas? Oder war ihre Theorie doch falsch?


„Was riecht hier eigentlich so verbrannt?“ fragte sie sich laut und sah sich um. Sie lag am Rand eines kleinen Waldstücks, angelehnt an einen verkohlten Baumstamm. Der Baum war von einem Blitz gespalten worden und anscheinend niedergebrannt. Die Luft war erfüllt vom Geruch des verkohlten Holzes.


Wo genau war sie? Das hier waren immer noch die Mittellande, so viel erkannte sie. Doch wo? Und wo war Nea?



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Erschöpft rappelte sich Leyla auf. Ihre Kleidung war wiederhergestellt worden, ähnlich wie ihr zerstörter Körper. Alles an Ausrüstung, abgesehen von dem Medallion der Kaiserlichen Kopfgeldjäger, war jedoch verschwunden. Sie blickte sich abermals um, versuchte, ihre Gedanken zu ordnen.


Sie musste herausfinden, wo genau sie war. Nea würde auf sich selbst aufpassen können, auch wenn Leyla sie lieber bei sich gehabt hätte. Ihr Auftrag konnte auch erstmal warten.


Die meisten der Fragen, die sich ihr stellten, schob sie vorerst beiseite. Jetzt war es wichtiger, ihre Situation unter Kontrolle zu bringen.


Ein Stück vom Wald entfernt entdeckte sie eine Sandstraße. Leyla entschied, der Straße in Richtung Süden zu folgen. Sie hatte keine Ahnung, wohin sie führen würde, aber sie musste irgendwo anfangen.


Und so betrat Leyla die Straße und lief langsam los. Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, als sie ein Dorf inmitten von gelben Getreidefeldern erreichte. Es war nicht irgendein Dorf – es war das Dorf Himmel.


Leyla blieb stehen und blickte auf die bekannten Häuser. Sie war hier einige Tage mit Roxy, Liam und Fer geblieben, nachdem sie gegen den Stahlbären gekämpft hatte. „Lange ist es her, huh?“ murmelte sie vor sich hin, während Erinnerungen an vergangene Zeiten in ihr aufstiegen.


Sie spürte das Bedürfnis, sich auszuruhen, Energie zu tanken, zu schlafen. Doch sie ignorierte das zehrende Gefühl und machte sich auf den Weg zu den Ställen. Es war kein Moment, um zu ruhen.


[???] „Guten Tag, junge Frau, kann ich dir helfen?“


Leyla hörte eine freundliche Stimme. Sie drehte sich um und sah den Pferdehändler, der sie von oben bis unten musterte. Dann weiteten sich seine Augen vor Überraschung. „Das gibt's doch nicht! Du bist doch die, die letztes Jahr das schwarze Pferd gekauft hat!“


Leyla musste schmunzeln. Sie hatte nicht erwartet, wiedererkannt zu werden. Gleichzeitig spürte sie ein Stechen in ihrem Herzen. Sie vermisste ihren treuen Begleiter. Ihren Himmel.


„Das stimmt“, antwortete sie mit einer leichten Handbewegung. „Ich würde gerne ein Pferd haben. Eines, das möglichst schnell ist.“ Während sie sprach, zog sie das goldene Medaillon hervor, das Zeichen der Kaiserlichen Kopfgeldjäger.


Der Verkäufer riss entsetzt die Augen auf und verbeugte sich tief. „Verzeiht mir, Edle Dame. Ich habe nicht gewusst, dass Ihr mittlerweile bei den Kopfgeldjägern seid.“

 

Viele Leute hatten große Angst vor der Eliteeinheit des Kaisers. Sie durften nahezu alles tun, ohne Konsequenzen zu erfahren.


„Es ist alles gut, du hast nichts falsch gemacht“, beruhigte Leyla den Händler. Am liebsten hätte sie ihm gesagt, dass er sich nicht verbeugen sollte. Doch sie wusste, dass sie in ihrer neuen Position eine gewisse Autorität wahren musste. „nun, welches ist dein schnellstes Pferd?“



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Am Horizont konnte Leyla die vertraute Stadtmauer Malyls erkennen. Sie war ohne eine Pause von Himmel aus losgeritten, und langsam spürte sie, wie die Erschöpfung sie einzuholen begann. Auch ihr Pferd war mittlerweile erschöpft, sein Atem ging schwer, und seine Schritte wurden langsamer.


„Bald sind wir da, dann kannst du dich ausruhen“, sprach sie sanft und strich beruhigend über sein Fell. Ihre Stimme war fest, aber sie spürte, wie ihre Kraft nachließ.


Als sie schließlich die Stadt erreichte, gab sie als Erstes ihr Pferd bei den Ställen ab. Der Stallbursche nickte respektvoll, als er das goldene Medaillon der Kaiserlichen Kopfgeldjäger sah. Dann machte sie sich auf den Weg zum „Elfenlied“, dem Stammplatz ihrer alten Gilde „Graue Federn“. Sie hoffte, dort etwas über Liam und Roxy herauszufinden.


Sie wollte daran glauben, dass ihre Theorie falsch war. Dass Roxy nicht tot war und es eine andere Erklärung gab. Doch je näher sie dem „Elfenlied“ kam, desto stärker nagte der Zweifel an ihr.


Doch gerade als sie in die Straße einbog, die sie zu ihrem Ziel führte, hörte sie eine vertraute Stimme hinter sich.


[???] ,,Hallo Leyla, eine Überraschung, dich hier zu sehen.’’


Leyla musste sich nicht umdrehen, um die Stimme des Mannes zu erkennen – Paul de Coteau. Sie zwang sich, freundlich zu wirken, obwohl sie am liebsten einfach nur ins Bett gefallen wäre.


„Ich bin müde, Paul“, erklärte sie erschöpft. „Ich will einfach nur schlafen.“ Sie ging weiter in Richtung „Elfenlied“, ohne sich umzudrehen.


„Dann begleite mich doch zu meinem Anwesen“, antwortete Paul, ihre Ablehnung wie gewohnt ignorierend. „Ich lass dir ein Zimmer einrichten, das einer Kaiserlichen Kopfgeldjägerin angemessen ist.“


Leyla seufzte leise. Wie immer drängte er sich ihr auf, ohne Rücksicht auf ihre Bedürfnisse. Doch sie wusste, dass Paul de Coteau, der Herzog der Mittellande, ihr Zugang zu Informationen verschaffen konnte, die sie sonst nicht so leicht bekäme.


„Von mir aus“, murrte sie und folgte ihm widerwillig in Richtung seines Anwesens.


 
 
 

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