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Kapitel 8 - Allein mit der Angst

Aktualisiert: 14. Mai

Leyla spürte, wie ihr Herz gegen ihre Brust hämmerte – so laut, dass es alle anderen Geräusche des Waldes zu übertönen schien. 


Direkt über ihnen hing die gigantische Spinne zwischen den Ästen. 


Die Arachne war größer, als Leyla sie sich vorgestellt hatte. Ihr dunkler Körper spannte sich über mehrere dicke Äste hinweg, während lange, behaarte Beine langsam über die Rinde glitten. Acht schwarze Augen reflektierten das Licht der schwebenden Kugel und wirkten wie feuchte, glänzende Perlen in der Dunkelheit. 


Dann waren alle acht Augen auf Leyla gerichtet. 


Sie spürte diesen Blick förmlich auf ihrer Haut. Das stille, geduldige Abwägen eines Raubtiers, das längst entschieden hatte. 


„Wenn sie sich fallen lässt, musst du sofort ausweichen", erklärte Liam ruhig neben ihr. Seine Stimme klang dabei so entspannt, als würde er ihr den Weg zu einem nahegelegenen Dorf beschreiben. „Verpasst du das Timing, bist du tot. Weichst du zu früh aus, korrigiert sie ihre Landung. Zu spät…" 


Er zuckte leicht mit den Schultern. 


„… na ja. Dann wirst du eben gefressen." 


Leyla warf ihm einen kurzen, fassungslosen Blick zu. 


Dieser verdammte Elf! Wie konnte er bitte so ruhig bleiben? 


Ihr gesamter Körper zitterte inzwischen. Kalter Schweiß lief ihr langsam den Rücken hinunter, ihr Atem wurde hektischer. Trotzdem zwang sie sich, den Blick wieder nach oben zu richten. 


Die Arachne bewegte sich kaum. 


Und genau das machte alles schlimmer. 


Jedes kleine Geräusch hallte überdeutlich in Leylas Kopf wider. Das leise Knacken der Äste unter dem Gewicht der Kreatur. Das langsame Kratzen der Beine über die Rinde. Das widerliche Klicken der gewaltigen Kieferzangen – trocken, rhythmisch, geduldig. 


Leylas Finger glitten zittrig zum Griff des Schwertes. Mit stockendem Atem zog sie die Klinge aus der Scheide und nahm die Haltung ein, die Roxy ihr gezeigt hatte. Zumindest versuchte sie es. Ihre Knie fühlten sich weich an, kaum verlässlich. 


„Wie in einem Horrorfilm…" 


„Zum Glück bin ich wenigstens nicht alleine." 


Genau in diesem Moment tropfte Speichel aus dem Maul der Arachne hinab und landete mit einem feuchten Platschen direkt vor Leyla auf dem Waldboden. 


Dann erklang Liams Stimme neben ihr. 


„Ich geh dann schon mal weiter." 


Leyla brauchte einen Moment, um überhaupt zu verstehen, was er gesagt hatte. Dann sah sie noch, wie er mit einer fließenden Bewegung auf einen Ast sprang. 


„Was?!" 


Ihre Stimme überschlug sich beinahe. 


„Komm gefälligst zurück, du verdammter Wichser!" 


Doch Liam reagierte kaum. Er warf ihr lediglich einen kurzen, fast gelangweilten Blick zu – dann verschwand seine Silhouette ruhig zwischen den Ästen, bis die Dunkelheit ihn vollständig verschluckt hatte. 


Leyla starrte ihm hinterher. Fassungslos. 


,,Das darf doch nicht wahr sein…’’


Sofort breitete sich ein schweres, beklemmendes Gefühl in ihrer Brust aus. Ihre Hände zitterten nun so stark, dass das Schwert leicht wackelte. Der Wald wirkte plötzlich noch dunkler als zuvor. Noch stiller. Noch enger, als wären die Stämme ein winziges Stück näher gerückt. 


Einen langen Moment geschah überhaupt nichts. 


Nur ihr eigener Herzschlag in den Ohren. Laut. Schnell. Panisch. 


Die Arachne bewegte sich nicht. 


Sie wartete. 


Und genau dieses Warten war fast schlimmer als jeder Angriff. Leylas Muskeln spannten sich schmerzhaft an, während sie versuchte, jede noch so kleine Bewegung der Kreatur zu verfolgen. Das Licht der schwebenden Kugel warf verzerrte Schatten zwischen die Stämme und ließ die langen Beine noch länger, noch bedrohlicher wirken. 


Dann bewegte sich etwas. Ein einzelnes Bein spannte sich an. 


Und im nächsten Moment ließ das Monster sich fallen.



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Als die Arachne sich fallen ließ, schien die Welt für einen einzigen Moment stillzustehen. 


Der gigantische Körper raste direkt aus der Dunkelheit der Baumkronen auf Leyla herab. Lange, schwarze Beine spreizten sich in der Luft auseinander, während das fahle Licht der schwebenden Kugel über den glänzenden Panzer der Kreatur glitt. Die Fangzähne wirkten viel zu groß, viel zu nah, und zwischen ihnen tropfte grünlicher Speichel auf den Waldboden. 


In genau diesem Moment flackerten Bilder vor Leylas Augen auf. 


Das Auto. Der Arm. Das Geräusch von brechendem Metall. 


„Beweg dich!’’


„Wenn du stehen bleibst, stirbst du!" 


Leyla sprang zur Seite. Zu früh.


Die Arachne reagierte augenblicklich. Noch während sie fiel, stieß sie sich mit einem Bein von einem Baumstamm ab und korrigierte mitten in der Bewegung ihre Flugbahn. 


Leylas Augen weiteten sich. 


Dann traf eines der Beine sie mit voller Wucht. 


Der Aufprall schleuderte sie quer über die Lichtung. Äste zerbrachen unter ihr, Erde und trockenes Laub wirbelten auf, bevor sie hart gegen einen alten Baumstumpf krachte. 


Ein schmerzhafter Laut entwich ihr. 


Die Luft wurde brutal aus ihren Lungen gepresst, und sofort breitete sich brennender Schmerz in ihrem Rücken aus – heiß und stechend, als hätte jemand glühende Nadeln durch ihren Körper getrieben. 


Einen Moment lang verschwamm ihre Sicht. 


Der Wald drehte sich leicht. 


Doch Leyla blieb nicht liegen. 


Hustend stemmte sie sich wieder hoch. Ihre Hände zitterten so stark, dass das Schwert vibrierte. Vor ihr richtete die Arachne sich langsam auf. 


Im silbrigen Licht der Kugel wirkte die Kreatur noch monströser. Ihr dunkler Körper spannte sich zwischen den Bäumen auf, acht Augen fixierten Leyla regungslos. Das widerliche Klicken der Kieferzangen hallte durch die Stille. 


Dann tropfte erneut Speichel aus ihrem Maul. Diesmal zischte es leicht, als die grüne Flüssigkeit den Boden berührte. 


Gift?


Leyla schluckte schwer – zwang sich aber, nicht zurückzuweichen. 


Die Arachne stieß ein schrilles Kreischen aus und schoss erneut auf sie zu. 


Diesmal reagierte Leyla schneller. Sie sprang zur Seite, spürte jedoch sofort, wie ihr Fuß auf losem Boden wegrutschte. Noch bevor sie sich stabilisieren konnte, verlor sie das Gleichgewicht und schlug hart auf dem Waldboden auf. 


Der Schmerz in ihrem Rücken explodierte erneut. Die Arachne war bereits direkt über ihr. 


Instinktiv rollte Leyla sich zur Seite. Im nächsten Moment krachte eines der gewaltigen Beine genau dort in den Boden, wo ihr Kopf eben noch gewesen war. Erde, Wurzeln und Steine wurden durch die Luft geschleudert. 


Leyla rappelte sich auf. Ihr Atem ging stoßweise, viel zu schnell. Die Arachne griff sofort wieder an. 


Diesmal wich Leyla besser aus. Ihr Körper begann langsam zu begreifen, wie die Kreatur sich bewegte. Die riesige Spinne war schnell, doch ihre Bewegungen wirkten gleichzeitig schwerfällig. Immer wieder brauchte sie kurze Momente, um ihr Gewicht neu zu verlagern. 


Als eines der Beine an ihr vorbeischoss, schlug Leyla reflexartig mit dem Schwert zu. 


Die Klinge traf den Panzer. 


Ein kreischendes Geräusch hallte durch den Wald. Funken sprühten auf. Das Bein blieb unversehrt. 


„Scheiße!" Sie taumelte zurück und umklammerte den Griff fester. „Das bringt überhaupt nichts!" 


Die Arachne kreiste langsam um sie herum, ihre Beine knirschten über Äste und Wurzeln. Zwischen den Stämmen spannten sich dicke Netze durch die Dunkelheit, manche so groß wie Segel. Knochenreste lagen zwischen feuchtem Moos und klebrigen Fäden verstreut. 


Je länger Leyla hinsah, desto klarer wurde es. Dieser gesamte Teil des Waldes war das Jagdgebiet der Kreatur. 


Und sie stand mitten darin. 


Die Spinne stürmte erneut los. Leyla wich aus – diesmal sauberer, schneller, fast schon instinktiv. 


„Sie ist groß… aber nicht besonders beweglich." 


Die Arachne war brutal und schnell, doch ihre Größe machte enge Richtungswechsel schwierig. Leyla biss die Zähne zusammen und zwang sich weiterzudenken, obwohl ihr gesamter Körper vor Angst zitterte. 


Gleichzeitig verfluchte sie Liam innerlich mit wachsender Inbrunst. 


„Ich wusste doch, dass ich ihm nicht trauen sollte! Dieser verdammte Elf lässt mich einfach allein!" 


Für einen kurzen Moment sah sie ihn vor sich – entspannt auf einem Ast sitzend, köstlich amüsiert. 


Der Gedanke machte sie nur noch wütender. Aber genau diese Wut half ihr, klarer zu denken. 


Ihre Augen huschten fieberhaft über die Lichtung. Netze zwischen den Stämmen, dicht und silbrig im Licht der Kugel. Der Boden voller Wurzeln, Gestrüpp und alter Knochenreste. 


Dann blieb ihr Blick an etwas hängen. 


Ein massiver Baumstamm ragte einige Meter entfernt aus dem Boden auf. Breit. Alt. Stabil.



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Langsam bewegte Leyla sich vor den massiven Baumstamm. 


Jeder Schritt fühlte sich schwerer an als der vorherige. Ihre Hände umklammerten das Schwert so fest, dass ihre Finger schmerzten, ihr Atem ging hektisch und unregelmäßig. Kalter Schweiß lief ihr über den Rücken, während der Schmerz des Aufpralls noch immer durch ihren Körper pulsierte. 


Trotzdem zwang sie sich weiter. 


Vor ihr bewegte die Arachne sich langsam durch die Dunkelheit der Lichtung. Das silbrige Licht der schwebenden Kugel glitt über ihren schwarzen Panzer und ließ die langen, behaarten Beine glänzen. Zwischen den Stämmen spannten sich dicke Netze, die im Licht schimmerten wie feuchte Fäden aus Glas. 


Die acht schwarzen Augen ruhten ununterbrochen auf Leyla. Beobachtend. Abwartend. Als würde die Kreatur ganz genau wissen, dass Leyla, ihre Beute, langsam schwächer wurde. 


Leylas Beine zitterten leicht. Trotzdem hob sie das Schwert wieder höher und stellte sich direkt vor den Stamm. 


„Komm schon…" flüsterte sie. 


Die Arachne bewegte sich auf sie zu. Langsam. Bedrohlich. Das Knacken ihrer Beine auf Ästen und Wurzeln hallte unnatürlich laut durch die Stille. Speichel tropfte aus ihrem Maul und zischte leicht, sobald er den Boden berührte. 


Sie spannte die Beine an und zwang sich, stehen zu bleiben. 


„Warte…" 


Ihr Herz schlug so laut, dass sie kaum noch etwas anderes hörte. 


Die Arachne hob ihren Vorderkörper an. Die Fangzähne öffneten sich. 


,,JETZT!’’ 


Mit einem verzweifelten Schrei warf Leyla sich zur Seite. 


Die Arachne reagierte zu spät. Mit voller Geschwindigkeit raste der gigantische Körper direkt gegen den massiven Baumstamm. 


Das Krachen hallte durch den gesamten Wald. Der Boden vibrierte unter Leyla, Holz splitterte und mehrere Äste brachen knirschend auseinander. Die Wucht des Aufpralls ließ den Stamm erzittern. 


Leyla nutzte den Moment sofort. 


Noch während die Kreatur benommen gegen den Baum gedrückt war, wirbelte sie herum und stieß ihr Schwert mit aller verbliebenen Kraft nach vorne. Die Klinge drang tief in den Kopf der Arachne ein. 


Ein schrilles, markerschütterndes Kreischen zerriss die Nacht. 


Blaues Blut schoss hervor und spritzte über Leylas Arme, ihre Kleidung, ihr Gesicht. Warm. Dickflüssig. Widerlich.


Sie taumelte rückwärts. Ihre Beine gaben beinahe sofort nach. Hart sank sie auf den kalten Waldboden. 


Keuchend blieb sie dort sitzen und starrte die Kreatur an. Ihr ganzer Körper zitterte vor Erschöpfung. Schweiß durchnässte ihre Kleidung, ihre Haare klebten feucht in ihrem Gesicht, und jeder Atemzug brannte in ihrer Brust.  


Vor ihr lag die Arachne regungslos zwischen zerbrochenen Ästen und aufgewühlter Erde. Nur einzelne Beine zuckten noch leicht. 


„Hab ich's geschafft…?" Ihre Stimme war kaum mehr als ein heiseres Flüstern. 


Keine Bewegung. Kein Kreischen. Langsam breitete sich etwas Warmes in ihrer Brust aus. Echte, überwältigende Erleichterung. 


„Ich hab's geschafft…" murmelte sie ungläubig. 


Dann begann sie zu lachen. Erst leise, dann lauter, fast hysterisch vor Erleichterung. Leyla riss die Arme hoch und schrie in die Dunkelheit des Waldes: 


„ICH HAB'S GESCHAFFT!" 


Ihre Stimme hallte zwischen den Bäumen wider und scheuchte irgendwo in der Ferne Vögel auf. 


Leyla grinste erschöpft vor sich hin. Dann dachte sie an Liam. 


Sofort verzog sie das Gesicht. „Wenn ich diesen dämlichen Elf wiedersehe", murmelte sie schwer atmend, „schlage ich ihm dieses arrogante Grinsen aus dem Gesicht." 


In genau diesem Moment traf sie etwas mit voller Wucht im Rücken. 


Sie wurde brutal nach vorne gerissen und hart auf den Boden gedrückt. Ein stechender Schmerz explodierte in ihrer linken Schulter. Lange, gebogene Fangzähne bohrten sich tief in ihr Fleisch.


Leyla schrie auf. Sofort schossen ihr Tränen in die Augen. Panisch drehte sie den Kopf – und erstarrte. 


Die Arachne lebte noch. Das Schwert steckte tief in ihrem Kopf, und trotzdem blickten die schwarzen Augen Leyla noch immer an – voller Hunger, voller Gier, unvermindert. 


Der Anblick ließ ihr den Atem stocken. 


Fast sofort breitete sich ein Kribbeln von ihrer Schulter aus. Erst leicht, dann stärker. Heiß. Brennend. Es fühlte sich an, als würde flüssiges Feuer durch ihre Adern strömen. Ihre Finger wurden taub, ihre Arme schwer, und langsam begann ihr Körper nicht mehr richtig auf sie zu hören. 


„Nein… nein…" 


Ihr Atem wurde flach und hektisch. Sie versuchte sich zu bewegen, doch ihre Kraft verschwand zu schnell. 


Tränen liefen ihr unkontrolliert über das Gesicht. 


„Ich will nicht sterben…" Ihre Stimme brach mitten im Satz. „Bitte… irgendjemand…" 


Plötzlich flammte grelles Licht zwischen den Bäumen auf. Hitze breitete sich explosionsartig aus. 


Das Gewicht der Arachne verschwand abrupt von ihrem Rücken. Ein schrilles Kreischen hallte durch den Wald, begleitet vom Geruch verbrannten Fleisches. Zwischen verschwommener Dunkelheit und flackerndem Licht erkannte Leyla eine vertraute Gestalt. 


Liam. 


In seiner Hand brannte ein glühender Feuerball, dessen orangefarbenes Licht die gesamte Lichtung erhellte. Flammen spiegelten sich in seinen grünen Augen, während Rauch langsam zwischen den Stämmen aufstieg. 


Er trat näher, betrachtete erst die tote Arachne, dann Leyla.  


Er grinste. 


„Okay", meinte er trocken, „das war ziemlich passabel." 


Leyla wollte ihm sofort irgendetwas an den Kopf werfen. Oder ihn schlagen. Oder beides. Doch ihr Körper fühlte sich viel zu schwer an. 


Liam ging vor ihr in die Hocke. „Du hast dich wirklich gut geschlagen", sagte er diesmal deutlich ruhiger. „Die meisten Leute hätten gegen so ein Ding nicht mal eine Minute überlebt." 


Er deutete kurz auf die Arachne. „Aber kleiner Tipp fürs nächste Mal: Wenn ein Monster noch zuckt, solltest du lieber noch nicht anfangen zu feiern." 


Leyla starrte ihn erschöpft an. „Du bist so ein Arsch…" murmelte sie schwach. 


Liam legte vorsichtig eine Hand auf ihre verletzte Schulter. Sofort begann wieder das warme weiße Leuchten aufzuflackern – Heilmagie, die durch ihren Körper floss. 


„Na super…" 


Ihre Gedanken wurden bereits langsamer. 


„Jetzt bin ich schon wieder auf ihn angewiesen…" 


Das Letzte, was sie wahrnahm, war Liams verschwommenes Gesicht im flackernden Schein der Flammen. Dann wurde alles schwarz.



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Liam blieb noch einen Moment neben der toten Arachne stehen und betrachtete die Kreatur schweigend. 


Das Licht seiner Magie flackerte über den dunklen Panzer des Monsters und ließ das blaue Blut auf dem Waldboden beinahe schwarz wirken. Der süßlich-verbrannte Geruch hing schwer zwischen den Bäumen – vermischt mit Rauch, feuchter Erde und dem säuerlichen Gestank der Netze. 


Langsam griff Liam nach dem Schwert, das noch immer tief im Kopf der Arachne steckte. Mit einem kräftigen Ruck zog er die Klinge heraus. 


Kurz betrachtete er die Waffe. Eine einfache Klinge. Nichts Besonderes – kein Zauber, keine Runen, kein besonderer Stahl. Und trotzdem hatte Leyla damit eine ausgewachsene Arachne besiegt. 


Ein leichtes Schmunzeln erschien auf seinem Gesicht. 


„Dafür, dass du keine Ahnung hast, was du tust, war das ehrlich gesagt ziemlich gut." 


Natürlich konnte sie ihn nicht hören. 


Bewusstlos lag Leyla einige Schritte entfernt zusammengesunken am Boden. Ihre Kleidung war voller Erde, Schweiß und blauem Blut, einzelne Haarsträhnen klebten feucht an ihrem Gesicht. Selbst im Schlaf wirkte sie noch angespannt – als würde ihr Körper auch unbewusst nicht loslassen. 


Liam kniete sich kurz neben sie und befestigte das Schwert wieder an ihrem Gürtel. Sie hatte die Situation wirklich erstaunlich gut gelöst. 


Vorsichtig hob Liam sie schließlich hoch und legte sie über seine Schulter – behutsam, damit ihre gerade erst geheilte Schulter nicht zusätzlich belastet wurde. 


Das Gift der Arachnen war unangenehm, aber nichts wirklich Gefährliches. Zumindest nicht für jemanden mit Heilmagie. Die Lähmung würde nachlassen.


Trotzdem war er erleichtert, dass sie sich nicht ernsthafter verletzt hatte. 


Langsam begann Liam weiterzugehen und verließ die Lichtung. 


Während er durch den dunklen Wald lief, musste er immer wieder über zerrissene Netze, abgetrennte Beine und tote Körper steigen. Zwischen den Stämmen lagen mehrere verbrannte Arachnen – manche zusammengesackt zwischen Wurzeln, andere halb verkohlt gegen Baumstämme gelehnt, als wären sie dort einfach eingeschlafen. 


Der Geruch von verbranntem Chitin hing schwer in der Luft. 


Liam legte leicht den Kopf schief und ließ den Blick beiläufig über das Chaos wandern. 


,,Wie viele habe ich wohl erledigt?’’ fragte er in den Wald hinein.


Kurz dachte er darüber nach. 


Dann zuckte er nur mit den Schultern und ging weiter. 

 
 
 

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