Kapitel 81 - Der Erzdämon Bläsk
- empirewebnovel
- 17. Feb. 2025
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Der Schönheit der Erzdämonen - Falm Marcess
Kapitel III, Absatz XIV
Wahrlich, die holdeste Gestalt im Reiche der Schöpfung tragen die Erzdämonen. Ein einz'ger Blick auf ihr göttlich Antlitz genüget, das Innerste zu erleuchten, das Seelenglück zu künden, der heißesten Sehnsucht Linderung zu schenken.
Ihre Augen, gleissend wie funkelnde Edelgesteine, leuchten in der Düsternis gleich himmlischem Feuer. Die Hörner, wie des Sieges mächt'ge Äste ragend, thronen auf ihrem Haupte als Zeichen erhabener Hoheit. Die Zähne, gleich scharfgeschliff'nen Dolchen aus der Schmiede der Götter, glänzen im Munde, bereit, Recht und Unheil zu künden. Ihre Flügel, weiten Segeln gleich, fangen die himmlischen Stürme, auf dass sie die Winde durchmessen, als trügen sie selbst den Lauf der Monde. Und ihre Klauen – scharf, unbändig, stark – vermögen Felsen zu zerreißen, als sei's bloßer Sand.
O Glücklichster, der ihr Angesicht erblicket, denn wahrlich, solch Schönheit ward dem Irdischen nicht eigen. Aus ihnen fließet Macht, aus ihnen strömet Segen, und wo ihr Antlitz sich zeiget, da wandelt die Erde sich in reines, hehres Licht.
Wahrlich, aus ihren Händen ist diese Welt geformet, und in ihrer Schönheit offenbart sich des Daseins höchster Sinn.
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Die Erzwesen - Tahl Dagrar
Kapitel II, Absatz I
Nun lasset uns sprechen von den Erzdämonen. Zehn an der Zahl waren sie, und in jenen Tagen wandelten sie unter den Sterblichen, die Erde zu ihrem Reiche machend. Ihre Macht war unergründlich, ihre Herrschaft unumstößlich, ihr Wille Gesetz.
Ein jeder von ihnen gebot über ein Element, ein Fundament der Welt. In ihrer Präsenz beugte sich die Natur, bebte das Erdreich, zürnten die Winde, erhob sich das Meer.
Den Sterblichen aber waren sie ein Rätsel, ein Wunder wie ein Schrecken zugleich. An einem Tage spendeten sie Gnade, teilten ihre Kraft, ließen Wunder geschehen, deren Pracht kein Mensch je begriff. Am nächsten waren sie der Schatten selbst, ein Albtraum aus Feuer und Asche, der Träume zerfraß und ganze Existenzen in das Nichts schleuderte.
Doch so musste es sein. Denn nie ward es den Sterblichen gegeben, Ordnung zu wahren. Sie taten es nicht und sie tun es nicht. Immer und immer wieder haben sie versagt.
Kriege.
Versklavung.
Völkermord.
Diese Dinge sind nicht Zufall, nicht Laune des Schicksals. Sie sind das unvermeidliche Werk der Herrenlosen. Ohne Herrscher sind die Sterblichen nicht mehr als wilde Tiere, die einander zerfleischen, nur um ihre Gier und ihr Vergnügen zu stillen.
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Die mächtigsten der Vergangenheit - Claude di Lorenzo
Kapitel XXIV, Absatz V
Der Erzdämon von Donner und Blitz. Der Herrscher der Stürme. Der Blitzeschleuderer.
Viele Namen kennt man für ihn, doch sie alle erzählen dieselbe Geschichte – die von Bläsk.
Er ist impulsiv, unbeirrbar. Hat er sich etwas in den Kopf gesetzt, dann geschieht es. Erkennt er jemanden als Feind, dann jagt er ihn bis zum bitteren Ende. Ein Funke genügt, ein Zucken seiner Hand, und der Himmel selbst reißt auf, um seinen Zorn zu entfesseln.
Blitze schleudert er über hunderte Kilometer hinweg, jeder von ihnen ein Bote des Todes. Seine Schlafstätte sind die Gewitterwolken, sein Schnarchen übertönt selbst das Dröhnen des Donners.
Doch Bläsk ist mehr als bloßer Sturm und Chaos. Sein Herz schlägt für die Donnermagie. Wer sich ihr mit Ehrfurcht und Ernsthaftigkeit nähert, dem kann er nicht anders, als seine Hand zu reichen. Sein Stolz verlangt es. Denn Wissen ist ein Vermächtnis – und Bläsk teilt es nur mit jenen, die es wert sind.
Ob gefürchtet oder verehrt – seiner Macht kann niemand entkommen.
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Die Legende von Bläsk und Bolt - Rhovar Trellis
Kapitel II, Absatz III
Der junge Mensch hatte einen Entschluss gefasst. Er würde den Erzdämon Bläsk finden. Nicht aus Ruhmsucht, nicht aus Leichtsinn – sondern aus tiefstem Verlangen, die Donnermagie zu meistern. Er wollte mehr sein als nur ein Sterblicher. Er wollte Bläsks Schüler sein.
Und so begann sein Weg. Er zog durch Stürme und peitschenden Regen, erklomm Berge, auf denen der Wind selbst wie ein Dämon schrie. Sein Ziel war der gewaltige Berg Barnash’sh, die Heimat des Sturmgottes.
Doch Bläsk wies ihn ab. Immer und immer wieder. Der Himmel riss auf, Donner krachte, der Wind stieß ihn zurück – doch der junge Mensch kehrte jedes Mal zurück. Tag für Tag, Woche für Woche, Jahre für Jahre, ließ er sich nicht vertreiben.
Bis zu jenem Tag.
Mitten im Zentrum eines wütenden Taifuns, umgeben von tosenden Blitzen, sprach Bläsk endlich zu ihm. Der Himmel flammte auf, das Donnergrollen war eine Stimme.
„So sei es.“
Und so begann die Ausbildung von Bolt.
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Die Legende von Bläsk und Bolt - Rhovar Trellis
Kapitel IX, Absatz I
Bolt stand kurz vor dem Ende seiner Ausbildung. Er hatte gelernt, den Himmel zu spalten, den Donner zu rufen, die Blitze nach seinem Willen tanzen zu lassen. Stolz erfüllte ihn – ein Stolz, der seine Errungenschaften würdigte. Doch in diesem Stolz wuchs etwas anderes. Etwas Dunkles.
Er wollte mehr. Mehr Macht. Mehr Einfluss. Mehr Zeit.
Bläsk hätte ihm die Kraft der Dämonen schenken können. Doch er tat es nicht. Er sah in Bolt keinen Dämon, sondern einen Sterblichen – und Sterblichen war es nicht bestimmt, in die Ränge der Erzwesen aufzusteigen.
Also suchte Bolt einen anderen Weg. Er reiste in die Wüstenlande, wo das Wissen verborgen lag, das kein Sterblicher besitzen sollte. Gemeinsam mit einem Magier, dessen Name aus den Geschichtsbüchern getilgt wurde, ersann er einen Plan.
Verbotene Magie. Alte, ungezügelte Kräfte, die kein Wesen, nicht einmal die Erzdämonen, ohne Furcht aussprach.
Sein Ziel war klar. Er wollte das natürliche Gleichgewicht brechen. Das, was Sterbliche und Erzwesen trennte, sollte nicht mehr existieren. Er würde das Schicksal selbst herausfordern.
Er kehrte zurück nach Barnash’sh. Doch diesmal nicht als Schüler, sondern als Feind. Er würde Bläsk nicht bitten – er würde nehmen.
Der Moment war gekommen. Bläsk beachtete ihn nicht, ahnte nichts von dem Verrat, der in der Luft lag. Die Runen waren gezogen, der Zauber begann. Die Macht des Erzdämons sollte die seine werden.
Doch Bolt machte einen Fehler.
Ein einziges, winziges Ungleichgewicht in der Formel – und anstatt die Kraft zu empfangen, trennte er sie langsam von dem Erzdämonen.
Bläsk spürte die Entweihung seines eigenen Seins. Und als er verstand, was Bolt tat, packte ihn eine Wut, wie sie der Himmel seit Jahrtausenden nicht erlebt hatte. Der Donner schwoll an, die Blitze kreuzten den Himmel in rasendem Zorn. Und dann – in einem einzigen, vernichtenden Schlag – tilgte Bläsk Bolt aus der Existenz.
Als die Wolken sich legten, als der Sturm erlosch, schwor Bläsk sich eines: Nie wieder sollte ein Sterblicher die Macht der Erzwesen erreichen.
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Müde klappte Leyla das Buch von Rhovar Trellis zu und musste laut gähnen. Die Stunden des Lesens hatten sie erschöpft. Vor ihr lagen die vier bereits gelesenen Bücher, jedes davon eine Herausforderung für sich.
„Der Schönheit der Erzdämonen“ war ein Werk des Elfen Falm Marcess. Laut Eroica stammte es aus dem Jahre 1356 vor dem großen Krieg – ein über zweitausend Jahre altes Buch, und genauso hatte es sich angefühlt, es zu lesen. Es schien ein Loblied auf die Erzdämonen zu sein, voller blumiger Beschreibungen und mystischer Andeutungen, die Leyla verwirrten.
Dann war da „Die Erzwesen“ von Tahl Dagrar. Wer genau der Autor war, konnte sie nicht herausfinden, aber das Buch war leichter zu lesen als das vorherige Werk. Trotzdem merkte man ihm das Alter an, und die Informationen waren oft vage und schwer zu entschlüsseln.
Die anderen beiden Bücher hatten sie jedoch mehr fasziniert.
,,Die mächtigsten der Vergangenheit’’ war das Werk eines Adligen, der vor zweihundert Jahren gelebt hatte. Es erzählte nicht nur von den Erzdämonen, sondern auch von vielen anderen Kreaturen. Besonders die Beschreibungen der Urtitanen hielt sie für äußerst interessant.
Liam hatte ihr einst versucht klarzumachen, dass solche Wesen nicht existierten – dass sie bloß Märchen waren. Doch nachdem sie Bläsk in Person getroffen hatte, hatte sie beschlossen, an sie zu glauben, auch wenn sie nur bei Bläsk Sicherheit hatte.
Das Buch, das ihr am meisten geholfen hatte, war jedoch „Die Legende von Bläsk und Bolt“. Es erzählte die Geschichte eines Menschen, der von Bläsk lernte und ihn schließlich hinterging. Leyla hatte das Gefühl, dass dieses Buch sie näher an die Wahrheit bringen würde – an die Wahrheit über Bläsk und vielleicht sogar über ihre eigene Rolle in all dem.
Sie blickte zu dem gut vierzig Büchern umfassenden Stapel, der sich noch neben ihr auftürmte. Eroica war ihr eine große Hilfe gewesen. Die Filina schien ausnahmslos jedes Buch der Bibliothek zu kennen, jedes Regal, jede Schriftrolle. Ihr Wissen war beeindruckend.
„Edle Miss Leyla, haben Sie einen Wunsch?“ fragte Eroica sanft. Sie kniete neben dem Bücherstapel und beobachtete Leyla mit aufmerksamen Augen. Ihre Ohren zuckten leicht, als wartete sie gespannt auf eine Antwort.
„Nein, ich danke dir. Für den Moment reicht das“, antwortete Leyla und streckte sich müde. Sie hatte erstmal genug von Büchern. „Ich sollte mir einige von ihnen ins Hauptquartier schicken lassen“, dachte sie. Doch dann blickte sie zu Eroica, und ihr kam eine Idee.
,,Du, Eroica?’’
„Ja, Edle Miss Leyla?“ antwortete die Filina sofort. Ihre Haltung war voller Ehrerbietung, und ihre Augen leuchteten vor Neugier.
,,Was hältst du davon, wenn du mir als Dienerin in die Kaiserstadt folgst?’’
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Eroica starrte sie mit weit aufgerissenen Augen an. „I-In die Kaiserstadt?“ stammelte sie, ihre Stimme zitterte leicht vor Überraschung. „Wie darf ich das verstehen?“
Natürlich war sie überrascht. Nicht viele wussten, dass die zehn Kaiserlichen Kopfgeldjäger das Recht hatten, sich einen persönlichen Diener zu nehmen. Theoretisch hätte Leyla die Filina zwingen können, mit ihr zu kommen, aber das wollte sie nicht. Sie hatte nicht vor, jemanden gegen seinen Willen in ihr Leben zu ziehen. Dann wäre sie nicht besser als Kronprinz Eugenius.
„In meiner Position steht es mir zu, einen persönlichen Diener zu haben“, erklärte Leyla ruhig. „Du würdest ein eigenes Zimmer bekommen und in der Kaiserstadt leben. Es wäre eine große Chance für dich.“
Eroica schien zu zittern, ihre Ohren zuckten nervös. „Ich bin geehrt von Eurem Angebot, Edle Miss Leyla“, sagte sie vorsichtig. „Aber ich bin mir nicht sicher, ob das der richtige Schritt für mich wäre.“ Ihre Stimme war leise, fast ängstlich, als fürchte sie, eine Ablehnung könnte ihr das Leben kosten.
Leyla seufzte enttäuscht. „Nun, das ist schade.“
„Versteht mich nicht falsch, Edle Miss Leyla“, beeilte sich Eroica zu sagen. Sie hob beschwichtigend ihre Hände, und ihre Ohren klappten nach unten. „Es wäre eine große Ehre, wirklich. Allerdings ist mir das Lesen und Studieren von Büchern zu wichtig, als dass ich das alles hinter mir lassen könnte.“
Leyla begann zu lächeln. Sie hatte geahnt, dass Eroicas Liebe zu Büchern der Schlüssel sein würde. „Und was, wenn ich dir sagen würde, dass du weiter so viel lesen kannst, wie du möchtest? Wenn ich dir sagen würde, dass du Zugriff auf die Kaiserliche Bibliothek erhalten würdest?“
Eroicas Augen weiteten sich, und ihre Ohren stellten sich sofort auf. „A-Aber in der Kaiserlichen Bibliothek sind doch einzigartige Bücher“, flüsterte sie, als könnte sie es kaum glauben.
„Das stimmt“, bestätigte Leyla. „Und die würdest du zu lesen bekommen. Alles Wissen, das dort lagert, stünde dir offen.“
Eroica schien einen Moment lang sprachlos. Dann fragte sie vorsichtig: „Und was muss ich dafür tun?“
Leyla trat näher und streckte ihr die Hand entgegen. „Nun, ich würde dir keine gewöhnlichen Aufgaben geben. Stattdessen sollst du mich mit deinem Wissen unterstützen. Wissen ist eine der stärksten und wichtigsten Waffen dieser Welt. Du sollst so viel lesen, wie du möchtest – und mich damit unterstützen.“
Eroica zögerte nur einen kurzen Moment, dann griff sie nach Leylas Hand. „Ich nehme Euer Angebot an, Edle Miss Leyla“, sagte sie mit fester Stimme, obwohl ihre Augen noch immer vor Aufregung glänzten.
Leyla grinste zufrieden. „Sehr gut. Dann hätte ich einen ersten Befehl an dich.“
„Und welcher Befehl wäre das, Edle Miss Leyla?“ fragte Eroica erwartungsvoll.
,,Nenn mich einfach Leyla.’’
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„Wieso hast du so lange gebraucht? Ich dachte, du hättest mich vergessen.“
Nea saß schmollend auf ihrem Bett, die Arme trotzig verschränkt. Leyla war bis spät in die Nacht in der Bibliothek gewesen, vertieft in Bücher, gemeinsam mit Eroica.
„Tut mir leid, tut mir leid“, entschuldigte sich Leyla und hob abwehrend die Hände. „Ich habe aber eine Menge herausgefunden.“
„Immerhin. Dann hast du mich ja nicht umsonst fast vor Langeweile sterben lassen.“
Leyla grinste. „Ich habe außerdem eine Dienerin gefunden.“ Stolz schwang in ihrer Stimme mit.
In einem Moment saß Nea noch, im nächsten war sie aufgesprungen, rannte zu Leyla und schlang die Arme um sie. Ihre lila Augen funkelten aufgeregt. „Das ist ja super! Wann kann ich sie kennenlernen? Wie heißt sie? Was isst sie gerne?“
Alle Spuren von Neas schlechter Laune waren wie weggeblasen. Wobei – wahrscheinlich hatte sie von Anfang an nur so getan, als wäre sie beleidigt gewesen.
„Du wirst sie noch früh genug kennenlernen“, antwortete Leyla amüsiert. „Aber zuerst will ich nach Berje und meinen Auftrag erledigen.“
Während sie sprach, begann sie sich aus ihren Kleidern zu schälen und ließ sich in ihr eigenes Bett sinken. Mit einem zufriedenen Seufzen streckte sie sich, bevor sie sich tief in die Decken kuschelte.
„Na gut. Dann erledige ihn schnell und stell mir danach deine Dienerin vor.“
Nea ließ sich neben Leyla ins Bett fallen, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.
„Wieso schläfst du nicht in deinem eigenen Bett?“ fragte Leyla, ein wenig genervt.
Doch keine Antwort kam. Entweder war Nea tatsächlich schon eingeschlafen – oder sie tat nur so.
Leyla seufzte. Sie griff nach der Decke, zog Nea darunter und schlang sanft die Arme um sie.
Während sie die Augen schloss, kreisten ihre Gedanken weiter. „Ich habe so viel herausgefunden, und trotzdem habe ich noch unzählige offene Fragen“, dachte sie frustriert. „Es fühlt sich an, als käme mit jeder geklärten Frage eine Handvoll neuer dazu.“
Sie wusste, dass sie noch so unvorstellbar viel lernen musste. Doch so war das wohl, wenn man die Geheimnisse der Welt verstehen wollte. Jede Antwort führte zu neuen Rätseln, und jedes Rätsel war ein Schritt näher an der Wahrheit.



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