Kapitel 82 - Eroica Nyva
- empirewebnovel
- 17. Feb. 2025
- 10 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Feb. 2025

Es war ein warmer Sommerabend in Givera. Die tropische Luft hing schwer und feucht über dem kleinen Dorf, und das Kreischen der Möwen drang durch die offenen Fenster der Hütte. Neben dem Haus lag ein Hund, dösend in der warmen Brise. Doch plötzlich zuckte er zusammen, als ein durchdringendes Kreischen und Weinen aus dem Inneren erklang. Mit eingezogenem Schwanz flüchtete er hinter eine Hecke, als hätte er selbst Schuld an dem Lärm.
In der Hütte flossen Tränen – doch nicht nur aus Schmerz, sondern auch aus Freude.
„Du hast es geschafft, Ziva“, sagte Villu mit bebender Stimme, voller Freude und Erleichterung. „Ich bin so stolz auf dich, Liebling. Es ist eine Tochter geworden.“
Ziva lag erschöpft im Bett, ihr Atem ging flach, ihr Fell war feucht von Schweiß und Tränen. Mit zitternder Stimme fragte sie: „Ist sie gesund, Villu? Fehlt ihr nichts?“ Ihre Arme versuchten sich zu heben, doch die Erschöpfung hielt sie zurück.
„Nein, Liebling, ihr geht es gut“, beruhigte Villu sie sanft. „Möchtest du sie halten?“
Vorsichtig überreichte er das winzige Fellbündel – ihre Tochter – an Ziva. Sobald sie das Baby in ihre Arme nahm, rollten neue Tränen über ihre Wangen. „Oh, meine Tochter“, schluchzte sie, während sie das kleine Gesicht betrachtete. Die grün leuchtenden Augen der Kleinen öffneten sich und schienen sich für einen Moment an ihrer Mutter festzuhalten, bevor sie im Zimmer umherwanderten, als wollten sie die Welt schon jetzt erkunden.
Villu beugte sich hinab und küsste seine Frau zärtlich auf die Stirn. „Sie ist genauso wunderschön wie du, mein Schatz.“
Ein plötzlicher Windstoß riss durch die Hütte. Draußen raschelten die Blätter, und ein tiefes Grollen kam aus der Ferne.
Dann krachte ein Holzbalken aus dem Dach.
Villus Herz setzte einen Schlag aus. „ZIVAAA!“ schrie er verzweifelt und streckte die Arme nach ihr aus. Doch er war zu langsam.
Der Balken fiel – und prallte ab.
Eine Kuppel aus schimmerndem Wasser hatte sich um Ziva und das Baby gebildet. Die Wasseroberfläche glitzerten im schwachen Licht der Laterne, während der schwere Balken mit einem dumpfen Schlag zu Boden fiel.
Ziva und Villu starrten ungläubig auf ihre Tochter. Das winzige Wesen in Zivas Armen hatte ihre Händchen ausgestreckt – genau in die Richtung ihrer Mutter.
Magie. Sie hatte Magie gewirkt. Nur Minuten nach ihrer Geburt.
Villu sah Ziva an, die das Baby noch fester an sich drückte, als könnte sie es schützen – sogar vor der Magie, die aus ihm hervorgebrochen war. Eine Stille legte sich über den Raum, nur das sanfte Atmen des Neugeborenen war zu hören.
Schließlich streckte Villu langsam die Hand aus und tätschelte sanft den Kopf seiner Tochter. Seine Stimme war leise, ehrfürchtig. „Du, Liebling?“
„Ja, mein Schatz?“ Ziva lösen ihren Blick nicht von dem Kind.
„Was hältst du davon, wenn wir sie nach der großen Magierin Eroica nennen?“
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Als Eroica ein Jahr alt war, beschafften Ziva und Villu ihr einen Lehrmeister. Ein Jahr lang hatten sie gespart, auf vieles verzichtet, um ihrer Tochter die bestmögliche Ausbildung zu ermöglichen. Eroicas Talent in der Wassermagie war außergewöhnlich. Bereits jetzt, mit einem Jahr, war sie auf einem Niveau, das viele erwachsene Filina ihr Leben lang nicht erreichen würden.
Ihr Lehrer war ein erfahrener Wassermagier namens Ben. Er begleitete sie durch Kindheit und Jugend, half ihr, ihre Kräfte zu verfeinern, und zeigte ihr, dass Magie nicht nur für die eigene Stärke, sondern auch für das Wohl anderer eingesetzt werden sollte. Mit der Zeit wurde er mehr als nur ein Lehrer – er wurde ein Vertrauter, fast ein zweiter Vater oder ein großer Bruder.
An einem warmen Sommertag, Eroica war gerade sieben Jahre alt geworden, trainierten sie an einem der goldenen Strände der Sommerinseln. Die Sonne stand hoch am Himmel, und das Meer glitzerte wie tausende Diamanten. Eroica ließ sich erschöpft in den Sand sinken, ihre kleinen Hände zitterten vor Erschöpfung. Stundenlang hatte sie mit Ben trainiert, und nun spürte sie, dass ihre Kräfte schwanden.
„Du hast dich wirklich sehr verbessert!“ rief Ben ihr zu. Sein blaues Haar wehte im Wind, während er langsam auf sie zuging und sich neben sie setzte. Er schwieg einen Moment, ließ seinen Blick über das Meer gleiten. Dann fragte er: „Was denkst du, wenn du auf das Wasser schaust?“
Eroica folgte seinem Blick. Das Meer war weit, endlos, ein Ozean aus schimmerndem Blau. Ein Handelsschiff der Carne segelte in der Ferne, das schwarze Hasenwappen deutlich sichtbar auf den weißen Segeln. Plötzlich durchbrach ein Wal die Oberfläche, stieß eine Fontäne in den Himmel und tauchte lautlos in die Tiefe zurück.
„Es ist alles so groß“, flüsterte Eroica, ihre Stimme voller Sehnsucht. „Es gibt so viel, was ich nicht kenne, was ich nicht weiß. Ich will die Welt sehen und verstehen.“ Sie drehte sich zu Ben, ihre grünen Augen leuchteten vor Neugier. „Die wenigen Bücher, die wir zu Hause haben, habe ich hundert Mal gelesen. Es muss doch noch so viel mehr zu entdecken geben, oder, Meister?“
Ben lächelte, strich ihr sanft über den Kopf. „Da hast du Recht, Eroica. Es gibt noch unendlich viel zu lernen.“
„Aber nicht hier, nicht in Givera“, murmelte sie, während sie mit den Zehen den nassen Sand aufwirbelte, als könnte sie ihre Frustration darin versenken.
Ben sah sie an, seine Lippen zu einem verschmitzten Lächeln verzogen. „Warum reist du dann nicht an ferne Orte?“
Eroica seufzte. „Das erlauben mir Mama und Papa doch sowieso nicht.“
„Noch nicht“, sagte Ben und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Aber wenn du zwölf bist und die Wassermagie auf der Stufe eines Lehrmeisters beherrschst, werde ich ein Wort für dich einlegen.“
Ihre Augen weiteten sich. „Versprochen?“
Ben nickte. „Versprochen.“
Eroica sprang auf, ihre Müdigkeit war wie weggeblasen. „Dann lass uns jetzt weiter trainieren!“ rief sie, streckte die Hände aus, als wäre sie bereit, das Meer selbst zu beherrschen.
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Der zwölfte Geburtstag kam, und schweren Herzens ließen Ziva und Villu ihre Tochter auf Drängen von Ben nach Tripolis reisen. Der Abschied war einer von Tränen und innigen Umarmungen, doch auch von Stolz geprägt. Eroica war bereit, ihren eigenen Weg zu gehen – auch wenn es ihren Eltern das Herz brach.
Tripolis, die Hauptstadt der Tabakinseln, lag im Westen der Sommerinseln. Der lose Handelsbund erstreckte sich über hunderte Inseln, und Tripolis war das größte Handelszentrum des Südkaisermeers. Die Stadt war reich und prachtvoll, gelegen am Fuße des Kilassahara, des höchsten Berges der Welt. Hier erhob sich auch der Magieturm – eine der renommiertesten Magieakademien der westlichen Welt.
Der Turm war ein gewaltiges Bauwerk, das mehrere hundert Meter in den Himmel ragte. An seiner Seite standen sieben kleinere Türme, die sich wie riesige Arme an ihn schmiegten. Eroica stand davor, ihr Herz schlug wild in ihrer Brust. Ihr Fell sträubte sich vor Nervosität, und ihr Körper bebte.
Sie trat vorsichtig ein. Eine große Treppe führte nach unten, dorthin, wo die eigentliche Akademie lag. Doch man hatte ihr gesagt, dass sie sich zuerst woanders melden sollte. Ihr Blick fiel auf den Empfangstisch, hinter dem eine Frau mit strengem Blick über ein riesiges Buch gebeugt saß.
„E-Entschuldigung“, stammelte Eroica leise. „Mir wurde gesagt, dass ich mich hier melden soll? Mein Name ist Eroica Nyva.“
Die Frau hob eine Augenbraue, blätterte durch das Buch, nickte schließlich. „Stimmt, du hast Recht. Großmagus Akarell erwartet dich. Bitte begib dich zum Wasserturm.“ Sie deutete auf einen der Eingänge zu den Nebentürmen.
Eroica schluckte, dann setzte sie sich langsam in Bewegung. Als sie den Wasserturm erreichte, blieb sie überrascht stehen. Vor ihr gab es keine Treppe – sondern eine riesige, schimmernde Fontäne, die in die Höhe schoss. Das Wasser tanzte im Licht, als würde es von einer unsichtbaren Kraft gelenkt.
„Soll ich da etwa drauftreten?“ murmelte sie unsicher. Einen Moment lang zögerte sie, doch dann nahm sie all ihren Mut zusammen und setzte vorsichtig einen Fuß auf die Wasseroberfläche.
Sofort spürte sie, wie eine sanfte, aber kraftvolle Strömung sie nach oben drückte. Innerhalb weniger Sekunden wurde sie in die Spitze des Turmes getragen. Sie landete unsanft auf dem Boden und stieß einen überraschten Laut aus.
Vor ihr saß ein alter Drachar an einem Tisch, vertieft in ein Buch. Als er sie bemerkte, klappte er es gemächlich zu und musterte sie mit warmen, wissenden Augen.
„Du musst Eroica sein“, sagte er freundlich. „Ich habe schon eine Menge von dir gehört. Mein Name ist Akarell, und ich werde dich unterrichten.“
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Vierzehn Jahre vergingen – vierzehn Jahre, in denen Eroica die Wassermagie vollständig meisterte. Wenn sie nicht gerade ihre Fähigkeiten verfeinerte, verbrachte sie ihre Zeit in den Bibliotheken der Akademie. Sie verschlang jedes Buch, das sie in die Hände bekam, und wenn sie fertig war, las sie sie erneut. Ihr Wissensdurst war unersättlich, und ihre Macht wuchs mit jedem Tag.
Mit sechsundzwanzig machte sie schließlich ihren Abschluss. Sie hatte ihren Meister Akarell bei weitem übertroffen, ihre Fähigkeiten waren bereits legendär. Bei der Abschlusszeremonie stand sie vor ihm, ihr Herz schlug schnell, aber ihr Blick war entschlossen.
Akarell reichte ihr die Hand. „Glückwunsch, Eroica“, sagte er, seine Stimme voller Stolz. „Du warst die beste Schülerin, die ich in meinem langen Leben hatte. Möchtest du nicht als Lehrerin an der Akademie bleiben? Vielleicht sogar eines Tages meinen Posten als Magus des Wasserturms übernehmen?“
Eroica nahm seine Hand, verbeugte sich tief. „Dankeschön für das Angebot, Meister“, antwortete sie mit einem Lächeln. „Aber das kann ich nicht annehmen. Ich möchte die Welt sehen, noch viel mehr lernen. Es gibt so viel, was ich noch nicht weiß.“
Akarells Lächeln wurde wehmütig, aber er nickte verständnisvoll. „Natürlich. Ich wusste, dass du so antworten würdest. Ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft, Eroica. Möge das Wasser dich immer sicher führen.“
Nach der Abschlussfeier zog es Eroica zu den Häfen von Tripolis. Sie heuerte auf einem Handelsschiff an, denn Wassermagier waren auf dem offenen Meer sehr gefragt – vor allem solche von Eroicas Kaliber. Die nächsten Jahre verbrachte sie damit, die Welt zu bereisen und neue Horizonte zu entdecken.
Sie besuchte die reichen Handelsstädte des Kaiserreichsl, wie Welldyl oder Karintes, lernte die Kultur dieses mächtigen Großreichs kennen. Viele Abende verbrachte sie in Tavernen, wo sie Geschichten von fernen Ländern hörte, mit Reisenden sprach und neue Freunde fand. Besonders Anjen hatte es ihr angetan – eine Stadt, die am Ende des großen Krieges viele Flüchtlinge aufgenommen hatte, egal ob sie einst für Menschen oder Elfen gekämpft hatten. Die Vielfalt und Offenheit des Ortes faszinierten sie.
Weiter im Osten bestaunte sie Arazul, die Hauptstadt des Dracharenkönigreichs Drakia, gelegen im Herzen des Kontinents Garnime. Die Stadt war ein Meisterwerk der Magie – Schiffe wurden per Zauber beladen, Häuser waren mit magischen Annehmlichkeiten wie selbsterhitzenden Bädern ausgestattet, und selbst einfache Arbeiten wie das Waschen von Kleidung wurden von Magiern erleichtert. Eroica war beeindruckt von der Effizienz und der kunstvollen Magie, die in jeden Stein dieser Stadt eingewoben war.
Doch der wahre Höhepunkt ihrer Reise war Astaris, die Hauptstadt des gleichnamigen Elfenkönigreichs auf dem Kontinent Verltria. Die Stadt lag in einer malerischen Bucht, flankiert von hohen Bergen, die wie Wächter über das glitzernde Meer ragten. Während der Hafen sich auf Meereshöhe befand, erhoben sich die Wohnbezirke auf kunstvollen Stützen und Brücken hoch über dem Wasser. Es war eine Stadt von atemberaubender Schönheit, voller Geheimnisse und uralter Weisheiten. Wochenlang streifte Eroica durch die verwinkelten Straßen, tauchte tief in die Bibliotheken der Elfen ein und sprach mit Gelehrten, deren Wissen Jahrhunderte umfasste.
Doch irgendwann war ihr Hunger nach Abenteuern gestillt. Sie sehnte sich nach einem festen Ort, an dem sie ihr Wissen vertiefen und mit anderen teilen konnte. Also kehrte sie nach Welldyl zurück, um sich als Bibliothekarin in den großen Archiven des Kaiserreichs zu bewerben.
Monatelang suchte sie nach der richtigen Stelle, bis sie schließlich in Malyl, der Hauptstadt der fruchtbaren Mittellande, fündig wurde. Die dortige Bibliothek war berühmt für ihre riesige Sammlung seltener und vergessener Bücher. Als sie die endlosen Regalreihen zum ersten Mal sah, wusste sie: Hier konnte sie bleiben.
Nach all den Jahren hatte sie endlich einen Ort gefunden, an dem sie ihre Leidenschaft für Bücher und Wissen voll ausleben konnte.
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In der Bibliothek von Malyl wurden täglich neue Bücher dem Inventar hinzugefügt. Für Eroica war das ein wahr gewordener Traum. Egal, wie viel sie las, wenn sie am nächsten Morgen erwachte, gab es immer neue Schätze zu entdecken. Die Regale schienen endlos, ein Labyrinth aus Geschichten, Wissen und Geheimnissen. Jedes Buch barg eine neue Welt, und mit jedem Tag tauchte sie tiefer in die endlosen Ozeane der Schrift ein.
Wenn Besucher die Bibliothek betraten, auf der Suche nach Wissen, war Eroica stets zur Stelle. Es gab kaum ein Buch, das sie nicht gelesen hatte, und neue Werke verschlang sie meist noch am selben Tag, an dem sie eintrafen. Sie kannte jedes Regal, jedes Schriftstück, jede Geschichte, die sich zwischen den Seiten der unzähligen Bände verbarg.
Obwohl sie erst Anfang Dreißig war, galt sie bereits als eine der weisesten Personen des Kaiserreichs – doch niemals hätte sie sich selbst so bezeichnet. Für sie war Wissen keine Eigenschaft zum Prahlen, sondern eine Berufung, ein ständiges Streben nach Wahrheit.
Sie war glücklich. Sie war zufrieden. Doch tief in ihr schlummerte ein Traum, der nie ganz verschwand – eine Sehnsucht, die sich nicht in Bücher hüllen ließ.
Die Kaiserliche Bibliothek.
Sie wollte in die Kaiserliche Bibliothek und die Werke lesen, die es nur dort gab. Bücher über Geheimnisse der Welt, wie sich die Gelehrten, die sie nie betraten, sie nie erträumen könnten.
Dort, so hieß es, lag das wahre Wissen der Welt verborgen. Werke, die niemand sonst besaß, Bücher über uralte Mysterien, von denen nicht einmal die größten Gelehrten wussten. Geheimnisse, die so tief in den Schatten der Geschichte ruhten, dass nur eine handverlesene Auswahl von Personen je einen Blick auf ihre Seiten werfen durfte.
Die Mitglieder der Kaiserfamilie Algavia hatten Zugang zu diesem Heiligtum des Wissens – und eine erlesene Gruppe, ,,Die Auserwählten Gelehrten’’, deren Anzahl so gering war, dass ihr Name fast bedeutungslos war.
Eroica hatte diesen Traum lange begraben. Sie wusste, dass sie ihn niemals erreichen konnte.
Bis zu diesem Tag.
Es war ein warmer Sommertag, und Eroica hatte, wie gewohnt, ihre neuen Bücher schon zur Mittagszeit beendet. Sie wollte gerade frühstücken – sie aß immer erst, nachdem sie die tägliche Flut an neuen Werken abgearbeitet hatte –, als die schwere Tür der Bibliothek sich öffnete.
Eine Frau trat ein.
Sie hatte kurze, blaue Haare, die im Sonnenlicht, das durch das gläserne Kuppeldach fiel, schimmerten, und trug eine schwarze, dünne Rüstung. Ihre Schritte waren ruhig, selbstbewusst. Eroica wusste sofort, wer sie war.
Leyla.
Die zehnte Kaiserliche Kopfgeldjägerin. Eine Legende, so jung und doch schon in aller Munde. Man erzählte sich, dass sie den vorherigen Zehnten, Varragil, eigenhändig getötet hatte, um seinen Platz einzunehmen. Eine Frau, die in den höchsten Kreisen der Gelehrten bekannt war – und eine, die sich nicht zufällig in der Bibliothek von Malyl aufhielt.
Eroica spürte sofort, dass dies eine Gelegenheit war. Eine, die sie nicht verpassen durfte.
Sie trat nach vorne, verbeugte sich leicht und lächelte höflich. ,,Guten Tag, Edle Miss Leyla. Wie kann ich Ihnen behilflich sein?’’
Nach einem kurzen Gespräch hatte Leyla hatte klar gemacht, dass sie Bücher über die Erzdämonen lesen wollte.
Eroica nickte und machte sich sogleich an die Arbeit. Sie stellte eine Auswahl von über vierzig Werken zusammen – zu viele, vielleicht, doch sie wollte sichergehen, dass Leyla nichts Wichtiges übersah.
Die Kopfgeldjägerin begann zu lesen. Sie arbeitete schnell, konzentriert, las ein Buch nach dem anderen mit einer fast rastlosen Effizienz. Als sie mit den ersten vier Bänden fertig war, hob sie den Blick und sah Eroica direkt an.
Ein Gespräch begann. Als das Gespräch seinen Höhepunkt erreichte, sprach Leyla jene Worte, die Eroicas Herz für einen Moment stillstehen ließen:
,,Was hältst du davon, wenn du mir als Dienerin in die Kaiserstadt folgst?’’



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