Kapitel 86 - Das Sonnenfest
- empirewebnovel
- 20. Feb. 2025
- 10 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. Feb. 2025

Das Schwert in Leylas Hand nahm langsam Form an. Zuerst war es nur eine vage Silhouette aus purer Energie, doch nach und nach verdichtete sich das Material, bis es schließlich vollendet in ihrer Hand lag. Sie betrachtete es mit glänzenden Augen.
Die Klinge schimmerte im Licht der Morgensonne, während der Griff aus feinem Holz mit Rebwolle umschlossen war, einer Faser, die aus den Blättern des Rebbaumes gewonnen wurde. Es fühlte sich richtig an – nicht zu schwer, nicht zu leicht, genau im Gleichgewicht.
Ein breites Lächeln zog sich über Leylas Gesicht, als sie das Schwert testweise durch die Luft schwang. Die Klinge schnitt mühelos durch die Luft, und sie spürte die geschmeidige Bewegung ihrer eigenen Magie darin. Mit einer fließenden Bewegung ließ sie das Schwert sich wieder auflösen, sah zu, wie es sich in feine Lichtpartikel verwandelte, bevor es verschwand.
,,Geschafft!’’ rief sie begeistert. Ihr Jubel hallte über den Trainingsplatz des Hauptquartiers, getragen von der warmen Brise des nahenden Sommers. Zum ersten Mal hatte sie es vollbracht, ein vollständiges Schwert zu erschaffen – ohne Metallgriff, ohne Schmerzen.
Wochenlang hatte sie sich darauf konzentriert, die Manipulation pflanzlicher Materialien zu meistern. Zuvor hatte sie nur kleine Dolche erschaffen, deren Metallgriffe unangenehm in ihrer Hand lagen. Die Energie, die beim Aufprall entstand, konnte sie zwar mit ihrer Aura abmildern, aber jede Berührung hatte dennoch ein unangenehmes Stechen in ihren Nerven hinterlassen. Doch nun hatte sie es endlich geschafft – ein Schwert mit einem Griff aus Holz, leicht, stabil und perfekt für ihre Hände gemacht.
Der Himmel war klar, die Straßen der Kaiserstadt erfüllt von Leben. Der Sommer stand bevor, und mit ihm das alljährliche Sonnenfest. Händler aus der ganzen westlichen Welt strömten in die Stadt, die Straßen wurden geschmückt mit bunten Bannern, und die Menschen lachten und feierten. Es war eines der wichtigsten Feste des Jahres, das den Beginn des vierten Monats markierte – das kleinere der beiden großen Feste im Sommer, aber dennoch von großer Bedeutung.
Die westliche Welt war ein Schmelztiegel verschiedenster Kulturen und Völker. Das Kaiserreich, das den nördlichen, und größten, Kontinent beherrschte, war das Zentrum dieser Welt. Dann waren die großen Inselgruppen – die Tabakinseln im Südwesten, berühmt für ihre exotischen Gewürze und ihre Seefahrer, und die Sommerinseln im Südosten, wo Händler aus allen Himmelsrichtungen zusammenkamen.
Weiter im Osten lag der Kontinent Garnime, eine Welt aus trockenen Steppen und endlosen Wüsten, wo unter anderem die Dracharen und die Lupiden über eigene Königreiche herrschten. Und noch weiter südlich befand sich Verltria, ein von dichten Wäldern überzogener Kontinent, aufgeteilt auf fünf Staaten, die ständig miteinander konkurrierten.
Leyla konnte es kaum erwarten, sich ins Getümmel des Festes zu stürzen. Doch mit wem sollte sie gehen?
Nea war voller Energie und würde das Fest mit Leichtigkeit in ein Abenteuer verwandeln. Mit ihr würde es gewiss nicht langweilig werden. Andererseits könnte Eroica eine interessante Begleitung sein – sie würde ihr sicherlich die Geschichten hinter den fremden Waren und Kulturen erzählen können und das Fest mit ihrem Wissen bereichern. Vielleicht sollte Leyla einfach beide mitnehmen?
Während sie noch überlegte, hörte sie eine vertraute Stimme hinter sich.
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,,Hey, kleinerr Wellensittich’’, knurrte eine tiefe, raue Stimme hinter ihr, gefolgt von einem tiefen Lachen.
Leyla fuhr herum, und sobald ihr Blick auf die große Gestalt fiel, zog sich ein breites Lächeln über ihr Gesicht. „Bunj! Du bist wieder da!“ Ohne zu zögern stürzte sie auf den riesigen Chimpkrieger zu und schlang die Arme um ihn. Sein weiches, dichtes Fell kitzelte an ihrem Gesicht, und kaum hatte sie ihn berührt, musste sie niesen.
Bunj brummte amüsiert, tätschelte Leyla mit seiner massiven Pranke auf den Rücken – gerade sanft genug, dass sie nicht ins Straucheln geriet. „Derr Auftrrag lief gut“, erklärte er mit einem zufriedenen Grunzen, während er seine Schultern lockerte, als hätte er noch die Strapazen der Reise in den Muskeln.
„Und?“ fragte Leyla neugierig, trat einen Schritt zurück und musterte ihn mit strahlenden Augen. „Hast du was besonderes erlebt?“
Bunj grinste breit, zeigte dabei seine imposanten Reißzähne, und griff in die Tasche seines Gürtels. „Schau mal, ich habe dirr etwas mitgebrracht.“
Leyla beobachtete gespannt, wie er eine kleine Glasflasche hervorholte und sie ihr entgegenstreckte. Vorsichtig nahm sie das Fläschchen in die Hand und betrachtete den Inhalt. Drei kleine, tiefrote Samen schimmerten im Licht, wirbelten träge umher, als sie die Flasche kippte.
„Was sind das für Samen?“ Ihre Stimme war voller Neugier, während sie die Flasche näher ans Licht hielt.
Bunj lehnte sich entspannt an einen der Holzpfosten und grinste. „Das sind Heimblüten. Die gibt es nurr in Heim.“
Leyla blinzelte. Heim – das musste die Republik Heim sein, ein Staat tief im Süden Verltrias. Sie hatte darüber gelesen, in einem der alten Bücher von Eugenius, aber ihr Wissen über das Land war vage.
,,Und was genau sind Heimblüten?’’
Bunj brummte nachdenklich, zuckte dann mit den breiten Schultern. „Keine Ahnung. Aberr sie sehen schön aus, oderr?“
Leyla schmunzelte und schüttelte den Kopf. „Typisch Bunj.“ Vielleicht – nein, wahrscheinlich – wusste Eroica, was es mit diesen Blumen auf sich hatte. Sie würde sie später fragen.
Bunj dehnte sich ausgiebig, dann ließ er seinen Blick durch den Garten schweifen. „Ich gehe mich mit Yang trreffen.“ Zum Abschied tätschelte er Leylas Kopf, seine riesige Pranke drückte ihr Haar platt. „Pass auf dich auf, kleinerr Wellensittich.“
Er machte bereits Anstalten, mit einem weiten Sprung über den Zaun des Anwesens zu verschwinden, als Leyla impulsiv nach seinem Handgelenk griff.
„Bunj?“ Ihr Blick war offen, ehrlich. „Lass uns zusammen das Sonnenfest besuchen.“
Der Chimpkrieger hielt inne, neigte den Kopf, dann zeigte sich erneut das vertraute Grinsen. „Können wirr gerrne machen.“
Mit wenigen kraftvollen Sprüngen verschwand er in den Straßen der Kaiserstadt, ließ Leyla mit den Heimblüten in der Hand und einem Funken Vorfreude im Herzen zurück.
Mit einem zufriedenen Lächeln machte sie sich auf den Weg zu ihren Zimmern. Bald würde sie mehr über die Samen herausfinden – und das Sonnenfest würde zweifellos ein unvergessliches Erlebnis werden.
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„Leyla, ich habe Euch Euer Frühstück zubereitet“, sagte Eroica mit einer leichten Verbeugung. Obwohl Leyla sie mehrfach darum gebeten hatte, auf solche Gesten zu verzichten, hielt Eroica hartnäckig daran fest. Ihre Bewegungen waren elegant, fast zeremoniell – als würde sie damit mehr als nur Respekt ausdrücken, sondern auch eine Art persönlicher Wertschätzung.
Leyla hatte Eroica ursprünglich nur als Dienerin eingestellt, um über sie Zugang zu wertvollem Wissen zu erhalten. Doch es hatte nicht lange gedauert, bis sie merkte, dass Eroica weit mehr war als eine bloße Dienerin. Sie übernahm Aufgaben, die weit über das hinausgingen, was Leyla von ihr erwartete.
Nicht nur hielt sie Leylas Zimmer makellos, sorgte für Ordnung in ihrer wachsenden Bibliothek und bereitete sorgfältig jede Mahlzeit zu – sie tat dies alles mit einer unerschütterlichen Hingabe, als wäre es ihr persönliches Anliegen, und nicht nur ihre Aufgabe, Leylas Leben angenehmer zu machen.
„Danke, Eroica“, erwiderte Leyla sanft, während sie sich in ihren Sessel sinken ließ. Der wohlige Duft des Frühstücks erfüllte den Raum – eine dampfende Kräutersuppe, warmes, frisches Brot und eine Tasse Trinkschokolade. Schon beim ersten Bissen entspannte sich Leyla merklich, während ihr Blick über die Bücherregale glitt.
Die Regale waren mittlerweile bis zum Rand gefüllt, sorgfältig nach Themen geordnet, sodass sie jedes Werk im Handumdrehen fand. Eroica hatte sich als wahre Bereicherung erwiesen, nicht nur durch ihr Wissen, sondern durch die Art, wie sie dafür sorgte, dass Leyla jederzeit neuen Stoff zum Lernen hatte. Wann immer sie die Kaiserliche Bibliothek besuchte, brachte sie neue Werke mit, Bücher, die Leyla sonst vielleicht nie entdeckt hätte.
Nach einigen Minuten des stillen Genusses nahm Leyla das kleine Fläschchen mit den drei roten Samen aus ihrer Tasche und betrachtete es nachdenklich. „Du, Eroica“, begann sie schließlich, während sie das Fläschchen auf den Tisch stellte. „Weißt du, was Heimblüten sind?“
Eroica setzte sich mit einer fast akademischen Ernsthaftigkeit gegenüber von ihr und musterte die Samen aufmerksam. Nach einem kurzen Moment der Überlegung nickte sie.
„Hmm, das sind Blumen, deren Duft bei Nacht einen besseren Schlaf fördert“, erklärte sie schließlich. Ihre grünen Augen wanderten neugierig zu Leyla. „Wo habt Ihr die her? Die sind ziemlich selten – und wenn ich mich nicht irre, auch ziemlich teuer.“
„Bunj hat sie mir mitgebracht“, antwortete Leyla und beobachtete, wie sich ein Funkeln in Eroicas Augen zeigte. Leyla kannte diesen Blick mittlerweile – immer wenn es etwas Neues zu entdecken gab, schien Eroica für einen Moment jegliche Förmlichkeit zu vergessen — fast wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal die Welt entdeckte.
„Möchtest du dich um die Anpflanzung kümmern?“ Leylas Mundwinkel zuckten, als sie sah, wie sich Eroicas Ohren leicht aufstellten – ein sicheres Zeichen ihrer Begeisterung. „Wenn sie groß genug sind, darfst du dir eine davon in dein Zimmer stellen.“
Eroicas Gesicht strahlte vor Freude. „Das würde ich gerne, danke, Leyla!“ rief sie aus, sprang von ihrem Platz auf und verschwand mit dem Fläschchen in ihr Zimmer.
Leyla lehnte sich zurück, während ein amüsiertes Lächeln über ihr Gesicht huschte. Obwohl Diener der Kaiserlichen Kopfgeldjäger normalerweise in einem Gemeinschaftsraum untergebracht wurden, hatte sie darauf bestanden, dass Eroica ein eigenes Zimmer bekam.
Es hatte ihr nicht gefallen, dass jemand, der so viel für sie tat, keinen Rückzugsort hatte. Nun hatte sie aus ihrem ehemaligen Arbeitszimmer einen Raum für Eroica gemacht – und offenbar war es die richtige Entscheidung gewesen.
Nach wenigen Minuten kehrte Eroica zurück und nahm mit sichtlicher Zufriedenheit wieder Platz. „Wenn ich mich bei Euch mit etwas bedanken kann, lasst es mich wissen“, sagte sie mit einem warmen Lächeln.
Leyla schwieg einen Moment, legte nachdenklich den Kopf schief. Was konnte sie von Eroica verlangen, abgesehen von den üblichen Aufgaben? Dann kam ihr eine Idee – eine, die ziemlich riskant war, aber wenn sie jemandem vertrauen konnte, dann Eroica.
„Kannst du, wenn du das nächste Mal in der Kaiserlichen Bibliothek bist, nach Büchern über mächtige Magiesteine suchen?“ fragte sie vorsichtig. Ihre Stimme blieb ruhig, doch ihr Blick war aufmerksam, um jede noch so kleine Regung in Eroicas Gesicht zu erkennen.
Eroica blinzelte, dann zuckten ihre Ohren – ein Zeichen ihrer Neugier –, doch ihre Miene blieb entspannt. „Klar, das mache ich gerne!“ sagte sie, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt.
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Der Tag des Sonnenfestes war endlich gekommen, und Leyla lief voller Aufregung durch die geschmückten Straßen der Kaiserstadt. Bunte Banner wehten zwischen den hohen Gebäuden, bestickte Flaggen flatterten im Wind – Symbole der verschiedensten Regionen und Handelsgilden, die aus aller Welt angereist waren. Die sonst schon belebten Straßen waren nun von unzähligen Ständen gesäumt, an denen Händler ihre Waren lautstark anpriesen.
Die Luft war erfüllt von fremden Gewürzen, süßen Leckereien und dem warmen, rauchigen Duft von gegrilltem Fleisch. Überall waren lachende Leute zu sehen, Kinder rannten spielend umher, und Musikanten spielten fröhliche Melodien. Die Atmosphäre war elektrisierend, fast magisch, und Leyla spürte, wie ihre Neugier mit jedem Schritt wuchs.
Neben ihr ging Eroica mit ihrer gewohnten ruhigen Präsenz, die sich von Leylas sprudelnder Energie unterschied. Leyla hatte sie bewusst mitgenommen – nicht nur, um mehr Zeit mit ihr außerhalb des Alltags zu verbringen, sondern auch, weil Eroicas umfassendes Wissen über fremde Kulturen und Waren ein unschätzbarer Vorteil war.
Hinter ihnen folgten Nea und Bunj, wobei besonders die Anwesenheit des riesigen Chimpkriegers die Menschen zum Staunen brachte. Es war selten, gleich drei Kaiserliche Kopfgeldjäger auf einmal in der Stadt zu sehen, und die Festbesucher wichen respektvoll zur Seite, sobald sie vorbeigingen.
Nea, die auf den ersten Blick wie ein unschuldiges, verspieltes Mädchen wirkte, war in Wahrheit die Gefährlichste von ihnen. Ihr Name allein reichte aus, um Furcht zu verbreiten, denn sie war dafür bekannt, mit spielerischer Leichtigkeit Feind, oder auch nur die, die sie nervten, aus dem Weg zu räumen.
Bunj hingegen war eine ganz andere Erscheinung – seine gewaltige Statur und die Gelassenheit, mit der er sich bewegte, verliehen ihm eine unheimliche Aura. Für die meisten war er der gnadenlose Meister der Arena, der mit bloßen Händen jeden Gegner niederstrecken konnte. Nur wenige wussten um die sanfte Seite des Chimpkriegers.
Leylas Gedanken schweiften ab, während sie durch die Menge schritt. Wie sahen die Menschen sie?
Plötzlich durchbrach ein lauter Ruf ihre Überlegungen.
[???] ,,Hilfe, Dieb!’’
Die schrille Stimme gehörte einer älteren Frau, die in einem schattigen Bereich nahe eines großen Baumes ihren Stand aufgebaut hatte. Leyla suchte mit den Augen nach einem Verdächtigen, konnte aber niemanden ausmachen. Gerade als sie sich in Bewegung setzen wollte, sauste Bunj mit einer blitzschnellen Bewegung an ihr vorbei. Mit einem mächtigen Satz sprang er auf die Dächer der angrenzenden Gebäude und ließ seine wachsamen Augen über die Menge gleiten.
Leyla beobachtete ihn – er bewegte sich mit einer Geschwindigkeit und Eleganz, die sie nach wie vor faszinierte. Noch bevor sie überlegen konnte, ob er Hilfe brauchte, sprang er erneut los und landete mit einem dumpfen Aufprall mitten in der Menschenmenge.
,,Bunj ist immer so stürmisch, wie hat der so viel Energie?’’ fragte Nea, während sie sich gegen Leyla lehnte.
,,Musst du gerade sagen’’, antwortete Leyla lachend. Sie kannte keine Person, die so voller Energie und Lebensfreude war, wie Nea.
Nur wenige Minuten später kehrte er zurück, einen kleinen Straßenjungen unter seinem muskulösen Arm haltend. Der Junge strampelte kurz, doch sobald Bunj ihn auf den Boden setzte und mit einem tiefen Knurren fixierte, wurde er still.
„Gib es zurrück“, brummte Bunj mit einer ruhigen, aber drohenden Stimme.
Der Junge zitterte am ganzen Körper, sein Blick huschte panisch zwischen Bunj und der alten Frau hin und her. Mit zögernden Fingern zog er einen kleinen Ring aus seiner Tasche und hielt ihn der Händlerin entgegen. Sie nahm ihn mit einem müden Lächeln an sich und schüttelte leicht den Kopf.
„Junge macht Fehler… aber muss lernen“, murmelte sie mit brüchiger Stimme. Ihre Aussprache war ungewohnt, als wäre die Kaisersprache nicht ihre Muttersprache. Ihre runzeligen Finger strichen liebevoll über den schlichten, aber kunstvoll verzierten Ring.
Bunj ließ den Jungen los, schob ihn mit einer ruckartigen Bewegung zurück in die Menge, woraufhin der Kleine hastig das Weite suchte.
Leyla, Eroica und Nea traten näher an den Stand, während die alte Frau zu ihnen aufsah. Ihr Blick ruhte auf Bunj, und trotz ihrer gebückten Haltung sprach ein ehrfürchtiges Staunen aus ihren Augen.
„Ich danke… Krieger der Chimp“, sagte sie langsam, als würde sie sich jedes Wort genau überlegen müssen. „Ihr… helfe alte Frau. Ich… gebe Euch was… als Dank.“
Sie deutete mit einer zittrigen Hand auf ihre Waren – kleine, kunstvolle Schnitzereien aus dunklem Holz, bunte Kristalle, feine Ketten mit Anhängern, die mit fremden Mustern verziert waren.
Bunj blickte sie ruhig an, dann ließ er seine großen Finger über die Auslage wandern. Er schien nicht auf Wert oder Schönheit zu achten, sondern nach etwas zu suchen, das ihm gefiel – etwas, das Bedeutung hatte. Schließlich blieb seine Hand an einer kleinen, hölzernen Figur hängen. Sie stellte einen Chimp dar, der in einer stolzen Haltung einen Speer hielt.
„Derr ist schön“, brummte Bunj, nahm die Figur vorsichtig in die Hand und musterte sie.
Die alte Frau nickte eifrig. „Ja, ja! Ist Chimpkrieger aus alter Zeit. Große Ehre für Volk.“
Ein Ausdruck von Respekt huschte über Bunjs Gesicht. Er zog eine goldene Münze aus seiner Tasche und legte sie wortlos auf den Tisch.
Die alte Frau schüttelte hastig den Kopf, hob die Hände, als wollte sie das Geld zurückweisen. „Nein, nein… Geschenk! Ihr geholfen. Kein Geld.“
Bunj brummte, doch Leyla konnte sehen, dass er sich geschmeichelt fühlte. Schließlich nickte er leicht, steckte die Münze wieder ein und drehte die Figur in seiner Hand.
Leyla beobachtete die Szene mit einem warmen Lächeln. Bunj war meistens eine unaufhaltsame Waffe – doch in Momenten wie diesen sah man, dass er auch eine andere Seite besaß.



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